Eine Wohnung mit Balkon und Blick aufs Meer, von dem man den Anbruch des Tages verfolgen kann, ist der perfekte Ort für eine Meditation. Eine Meditation über die Vergänglichkeit von Mergelfelsen, griechischen Säulen und römischen Mosaiken.

In der benachbarten Bucht frühstückten wir, bevor wir uns auf die kleine Wanderung am Strand [Name prüfen, s. u.] entlang zu den weißen Felsen der Scala dei Turchi machten. Der leichte Wind vom Meer war erfrischend, denn es war mittlerweile schon wieder sehr warm geworden. Wir kletterten nicht auf den Felsen herum. Dafür reichte unsere Begeisterung nicht aus.


Gestern hatte sie Erika und mich aber zu allen Tempeln gehen lassen. Es ist sicherlich nicht uncharmant, wenn ich erwähne, dass Erika mit 90 Jahren 10.000 Schritte machte, um wirklich alles noch einmal zu sehen. Das war eine olympische Leistung.


Manche Mosaike lassen sich wie Comics lesen. Man braucht kein Latein, um sie zu verstehen.
Deswegen wollten wir es heute ruhiger angehen lassen. Nach eineinhalbstündiger Fahrt kamen wir in der Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina an. Ich war schon einmal dort, aber die großartigen und großflächigen Mosaike sind einzigartig und verdienen einen zweiten Besuch.

Die Villa wurde im frühen 4. Jahrhundert nach Christus erbaut, vermutlich zwischen 320 und 350, wohl einem römischen Senator. Im 12. Jahrhundert begrub ein Erdrutsch sie unter Schlamm, was die Mosaike bewahrt hat. Erste Funde gab es im 18. und 19. Jahrhundert, freigelegt wurde sie aber erst in den Grabungen von 1929 und vor allem in den 1950er Jahren.

Die Männer versuchen, den Stier auf einen Kahn zu verladen. Um nicht auf die Hörner genommen zu werden, haben sie ihm die Hörner zusammengebunden.
Das größte Mosaik, die Große Jagd, ist etwa 66 Meter lang und 5 Meter breit. Und es ist nur eines von vielen auf insgesamt rund 3.500 Quadratmetern Mosaikfläche in der Villa, die auch für ihre Therme berühmt war.

Während die Mosaiken von Ravenna von der Leuchtkraft ihrer Gold- und Glasflächen leben, beeindrucken die Mosaike der Villa Romana del Casale durch die erstaunliche Natürlichkeit ihrer Menschen- und Tierdarstellungen. Ihr Blick auf den menschlichen Körper erscheint erstaunlich modern. In vielen Werken des späteren Mittelalters treten Individualität und Körperlichkeit dagegen in den Hintergrund. Erst die Renaissance knüpfte wieder an diese Tradition an, als Künstler wie Michelangelo Buonarroti den menschlichen Körper zu einem ihrer zentralen Themen machten.

Pan und Eros im Zweikampf


Wir nahmen uns sehr viel Zeit, uns alles genau anzusehen. Wer weiß, ob und wann wir wieder einmal hierher zurückkommen.
Die Fahrt zurück nach Acireale führte durch das zentrale Bergland Siziliens, das fast menschenleer ist. Die Wiesen und Weiden waren alle gelb und von der Sonne ausgetrocknet. Entlang der Küste sieht man kaum Spuren des heißen Sommers.
Erika hatte sehr viel Spaß an meiner Musikauswahl: Götz Alsmann, Roger Cicero und Max Raabe.
Ich aß im benachbarten Restaurant noch eine Kleinigkeit und freute mich über den schönen Ausflug.
