
Als erstes machte ich einen Stopp an der Spiaggia Bombarde. Der offizielle Parkplatz war belegt, genauso wie im Reiseführer beschrieben. Etwas abseits konnte ich den riesigen Wagen parken. Der Weg führte durch einen kleinen Pinienhain. Vermutlich riecht es dort sehr schön, was ich leider nicht wahrnehmen kann.

Am Strand sah es genauso aus, wie man sich italienisches Strandleben vorstellt: Zahllose Schirme, Liegestühle, Plastiktiere und akkubetriebene Kühlboxen. Der Sand war so heiß, dass ich gut beraten war, direkt vor der Wasserlinie meine Sachen abzulegen und ins kristallklare Wasser zu gehen. Es war sogar etwas kühler, als ich es erwartet hatte.

Die Sonne und der leichte, beständige Wind trockneten mich schnell, und ich beendete meine Strandpause.

Die historische Stätte Nuraghe Palmavera ist nicht weit und gibt einen interessanten Einblick in das Leben der Sardinier in der Bronzezeit, also um 1500 v. Chr. In der sogenannten Versammlungshütte lief eine steinerne Sitzbank rings um die Wand, mit einem eigenen Platz für den Ältesten neben einer Wandnische. Auf einem kleinen Altar in der Mitte fanden die Ausgräber ein kaum handtellergroßes Sandsteinmodell eines Nuraghenturms, offenbar bedeutsam genug, dass es das Feuer überstand, dem das Dorf im 8. Jahrhundert vor unserer Zeit zum Opfer fiel.

Ich fuhr weiter nach Stintino, weil mir der Name so gut gefiel und mich an leckere Stint-Essen erinnerte. Stintino hat zwei schöne Naturhäfen, in denen herrliche Yachten und Segelboote liegen. Es ist Sonntag, und niemand fährt mit den Booten aufs Meer. Ich hatte für einen Moment Mitleid mit den Booten.

Eine völlig unerwartete Entdeckung machte ich über die Mittagszeit in Stintino, das wie ausgestorben wirkte. An der Uferpromenade stand die „Statua della Pace“, eine koreanische Skulptur, dazu ein paar Infostände zur koreanischen Kultur. Bürgermeisterin Rita Vallebella erklärte mir ihre Liebe zu Korea und ihren Einsatz für die Erinnerung an die Trostfrauen, die die Japaner im Zweiten Weltkrieg zur Prostitution zwangen.

An einer Wegkreuzung der Strada Provinciale 34 bei Pozzo San Nicola, Stintino standen viele Autos vor dem Risto Pizza da Franco. Ich witterte gutes Essen. Eine tomatisierte Muschelsuppe mit Knoblauchtoast und ein großes Hopfen- und Malzgetränk wurden mir serviert. Beides war vorzüglich.
Auf der Fahrt nach Alghero entdeckte ich den Sender Radio Capital wieder, den ich schon von Sizilien her kenne. Er spielt Disco und Funk aus den 80er und 90er Jahren. Für die rund 100 km lange Rundtour unter blauem Himmel und bei leichtem Verkehr auf den Straßen war das genau die richtige Musikuntermalung. Es fühlte sich ein bisschen wie Florida an.

Nach der Ankunft in Alghero ging ich noch einmal baden. Der Strand vor der Haustür ist auch ganz schön.
Kurz vor Sonnenuntergang setzten sich tausende kleine, schwarze, tirilierende Vögel auf die Palmen an der Promenade, deren Äste sich unter der Last bogen. Für mich gab es in der Nähe einen leicht gratinierten Thunfisch mit gegrilltem Gemüse zum Zwitscherchor. Laut Google sind das Sturnus vulgaris oder zu deutsch: Stare. Ihr Gesang verstummte, kurz nachdem die Sonne untergegangen war. Von dem Essen werde ich heute Nacht träumen. Zum Glück zählen die Kalorien dann nicht doppelt.

