24./25.08.2026 Hamburg – Torino

Um 21 Uhr ziehe ich die Tür hinter mir ins Schloss und mache mich auf den Weg zum Bahnhof Harburg. Der Bus ist pünktlich, die S‑Bahn am Hauptbahnhof wartet schon auf mich, nur der Schlafwagen, der in Harburg zur Stelle sein sollte, fehlt. Wir erhalten die Nachricht, dass er sich voraussichtlich um 1 Stunde verspätet.  Resigniert nehmen es die Wartenden auf dem Bahnsteig hin. Keiner hatte erwartet, dass es eine gemütliche Nacht auf Rädern wird.

Der Schlafwagen kam schließlich schon nach dreißig Minuten, was zu einer Szene führte, deren weiteres Ende ich nicht miterlebt habe:

Die Passagiere, die geduldig am Bahnsteig gewartet hatten, stiegen ein, der Zug setzte sich in Bewegung, während jene, die sich in der Umgebung etwas zu trinken organisiert oder sich die Beine vertreten hatten, nur noch die Rücklichter des Zuges sahen. 

Es zeigt sich, dass man selbst bei angekündigten „voraussichtlichen“ Verspätung in der Nähe des Bahnsteigs bleiben muss, weil die Bahn in solchen Situationen improvisiert.

Schon am Nachmittag hatte mich zudem eine SMS erreicht, die mich kurz aus der Ruhe brachte: Das Abteil mit meiner Koje sei wegen eines technischen Schadens aus dem Zug genommen worden, man möge sich um eine andere Verbindung bemühen. Ich musste daher auf einen anderen Wagon ausweichen, was sich nach einem Anruf bei der Österreichischen Bahn glücklicherweise organisieren ließ. 

Das Schlafen in der Koje ist eine wunderbare Sache, sobald man das Kissenproblem gelöst hat. Das bahneigene Kissen ist zu flach, meine dreischichtige Konstruktion aus aufblasbarem Kissen, Bahnkissen und kleinem Reisekissen sorgt aber für einen erstaunlich bequemen Schlaf. Beim Einschlafen stellt sich ein Gefühl vollkommener Geborgenheit ein, weil die Kammer so klein ist wie die Höhle, die ich mir als Kind unter dem mit Decken verhängten Tisch baute. Die Fahrgeräusche rundum gleichmäßig und das Beschleunigen des Zuges wiegt einen in tiefen Schlaf.

Am Morgen wird das Frühstück in einer kleinen Tüte ans Bett gebracht. „Essen auf Rädern.“

Am Morgen wird das Frühstück in einer kleinen Tüte ans Bett gebracht. „Essen auf Rädern.“

In Zürich kaufe ich die Platzkarten für die Weiterfahrt, trinke einen Kaffee und sehe den Zürchern beim Arbeitsweg zu. Der Zug nach Mailand steht früh bereit, der Himmel ist bewölkt, doch das Wetter bleibt so wechselhaft wie in Hamburg, und je weiter wir nach Süden kommen, desto mehr klart es auf. Milano–Torino ist pünktlich, wir kommen sogar vier Minuten zu früh an. Mit dem Auto wären es zwölf Stunden gewesen, ich war siebzehn Stunden unterwegs und konnte sieben davon schlafen. Der Zug gewinnt eindeutig.

Mein Hotel liegt am Seitenausgang von Porta Nuova. Erstaunlich, wie zuverlässig ich mir die Wege zu gutem Essen merke. Ich finde Ziccat ohne Probleme wieder. Dort gibt es die berühmte supermegaleckere heiße dicke Schokolade – trotz der 28 Grad. 

Nicht weit entfernt ist das Pastis, auf das ich mich schon seit Wochen freue. Vor dem Eingang stehen deutlich mehr Stühle und Tische als im Frühjahr, und sie sind alle besetzt. Ich bekomme trotzdem einen Platz und bestelle den Aperitif, doch das Abendessen darf erst nach Abschluss des Aperitivo um 20 Uhr gewählt werden, was mir zu spät ist. 

Ich gehe deshalb weiter und bestelle in der Trattoria Aldente: Raviolotti al baccalà con crema di datterini gialli, olive taggiasche e pomodorini. Das klingt allein beim Lesen schön und ist Kabeljau‑Ravioli mit gelber Dattelcreme, Taggiasca‑Oliven und Kirschtomaten. Fantastisch. Solche tollen Gerichte findet man selten. Das war ein schöner Abschluss für den ersten Tag. 

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben