Meditazione Gelati

Heute ist es außergewöhnlich heiß in Hamburg. Den Vormittag verbrachte ich vor dem Ventilator am Schreibtisch, und nun spaziere ich der Temperatur angemessenen Schrittes in Richtung Alster. Während ich gehe, denke ich darüber nach, wie Heimat, Zuhause und Reisen klingen. Welche innere Melodie ertönt, wenn diese Begriffe in mir aufsteigen.

Heimat klingt wie der warme Ton eines Cellos, ein Klang aus Erinnerung. Der helle, klare Klang der Geige fühlt sich an wie mein dynamisches Leben Zuhause, ein Ton, der reine Gegenwart ist. Und beim Unterwegssein begleitet mich die lachende, flirtende Klarinette, ein Instrument, das nicht stillstehen kann und zur Improvisation einlädt.

Der kühlere Wind treibt die Segelboote über die Alster. Eine größere Abkühlung verspricht der Eiswagen. Mein Blick folgt den Seglern, während ich überlege, welche Geschmäcker Heimat, Zuhause und Reisen wohl haben könnten. Aus dem Eiswagen trällert Caterina Valente: Quando, quando – sag mir wann. 

Damit beginnt meine Meditazione Gelati.

Für Heimat steht sofort der warme, süßsalzige Geschmack von Salzkaramell fest, ein Geschmack, der wie eine Erinnerung lange auf der Zunge bleibt. Zuhause schmeckt wie der Moment, in dem man in die glatte Haut einer Kirsche beißt und den kühlen Saft spürt. Und Reisen? Ohne Zweifel wie Zitronen – ihre Schärfe, die immer wieder überrascht, und die Säure, die lustig macht, treffen den Moment des Aufbruchs vollkommen.

Ein perfektes Eis braucht Toppings.

Ein Hauch Rosenwasser macht das Salzkaramell geheimnisvoller, die Kirsche poetischer und die Zitrone lieblicher. Gerösteter Sesam gibt dem Ganzen den feinen Nachgeschmack von Erfahrung. Und zum Ausbalancieren dieser Geschmäcker erfreut den Gaumen eine Portion Mascarpone. Er hat keinen eigenen dominanten Geschmack und kann die anderen harmonisch verbinden – wie Familie und Freunde, die das Leben zusammenhalten.


Der Eisverkäufer unterbricht meine Meditazione Gelati mit seiner Frage: Becher oder Waffel. 

Das ist nicht nur eine praktische Frage, sondern auch eine der Haltung. Im Becher kann ich das Eis in Ruhe bewahren und nach Belieben löffeln. Die knackige Waffel verlangt nach zügigem Knacken und Schlecken. Dieselben Geschmäcker, aber zwei Haltungen gegenüber dem Moment.

Am Ende meines Spaziergangs bleibt der Ohrwurm: Quando, Quando, Quando – ein musikalisches bald, das sich nicht nach Warten anfühlt, sondern nach Vorfreude.

In 38 Tagen breche ich zur nächsten Reise auf. Vielleicht ist das der letzte Geschmack dieser Meditation: ein leises Versprechen, das schon jetzt in der Luft liegt.

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