Guten Morgen und Willkommen!
Gestern sprachen wir über das Bewusstsein. Dabei wurde mir klar, dass Erinnerungskultur im Grunde dasselbe ist: der Entschluss, wach zu bleiben und sich zu erinnern. Aus diesem Gedanken heraus ist diese Tour entstanden. Sie soll zeigen, wie Hamburg mit seiner Vergangenheit umgeht.
Eine Erinnerungskultur hält uns wach – geistig, moralisch und sozial. Sie bewahrt uns vor dem Vergessen und somit auch davor, Fehler, Gewalt und Unrecht zu wiederholen. Sie öffnet das Herz, indem sie Empathie weckt, Geschichten ans Licht bringt und eine Verbindung zwischen vergangenem und gegenwärtigem Leid herstellt. Und sie zwingt uns zum Handeln. Denn sie zeigt, dass Untätigkeit Folgen hat. Sie ermutigt uns, gegenwärtigem Unrecht entgegenzutreten, und sie schafft ein gemeinsames moralisches Fundament, auf dem wir Verantwortung übernehmen können.

Betrachten Sie dies als das erste Kapitel unseres Programms, das Sie in den kommenden zwei Stunden mit Hamburgs Erinnerungskultur bekannt macht. Doch das kommt später. Jetzt fahren wir erst einmal.
Rechts von uns liegt die Alster, die Außen-Alster. Hamburg hätte seine Identität auf den Hafen gründen können, auf den Tidenhub der Elbe, auf all die Waren, die dort ankamen und wieder verschwanden. Die Stadt entschied sich stattdessen für dieses ruhigere Gewässer.
1235 wurde ein Damm errichtet, dort, wo heute der Jungfernstieg verläuft, um den Fluss umzuleiten und die Mühlen der Stadt anzutreiben. Über Jahrhunderte wuchs der See hinter diesem Damm zu der Alster heran, die Sie heute sehen. Die Bürgerhäuser an ihren Ufern verraten, wer davon profitierte: Kaufleute, die ihr Vermögen in der Fremde machten und heimkehrten, lebten zum Großteil nicht an der Elbe mit Zugang zum Meer, sondern an einen stillen See.
Während wir nun die Lombardsbrücke überqueren, oder ihre jüngere Schwester, die Kennedybrücke, passieren wir genau die Linie, an der einst Hamburgs Befestigungsanlagen aus dem frühen siebzehnten Jahrhundert standen. Erbaut zwischen 1615 und 1625, verliefen sie mitten durch das, was bis dahin ein einziger, ungeteilter See gewesen war. Die Mauer teilte das Wasser in zwei Hälften.
Auf der einen Seite liegt die kleinere Binnenalster, gerahmt von Hotels und dem Jungfernstieg. Auf der anderen Seit sehen wir die von Villen und Segelbooten gesäumte Außenalster, gut 164 Hektar groß. Die steinerne Brücke selbst stammt aus dem Jahr 1865, eine zweite kam 1953 hinzu, um den Verkehr zu entlasten. 1963, nach der Ermordung des amerikanischen Präsidenten, wurde sie in Kennedybrücke umbenannt.
Planten un Blomen kommt in Sicht. Der plattdeutsche Name bedeutet schlicht „Pflanzen und Blumen“ und verschweigt, was der Park einmal war.
Ab 1820 begann Hamburg, seine alten Stadtbefestigungen niederzureißen, im Jahr darauf entstand auf einem Teil des freigewordenen Geländes ein Botanischer Garten.
Hamburg riss seine Mauern nieder und pflanzte Blumen an ihre Stelle. Die Blumen aber schweigen darüber, dass ein Teil dieses Grüngürtels, in den Wallanlagen gleich dahinter, ab 1938 Hamburgs zentraler Hinrichtungsort für den gesamten norddeutschen Raum war.
Etwa 500 Menschen wurden dort unter nationalsozialistischer Herrschaft getötet. Drei bescheidene Gedenktafeln, 1988 angebracht, markieren heute die Stelle.
Hamburg, das werden Sie noch bemerken, baut mit großem Selbstbewusstsein auf und trägt dann, leise, wieder ab, was zuvor war. Auch Blumen sind manchmal nur eine andere Art des Überwucherns.
Links die Laeiszhalle, die Konzerthalle der Stadt. Erbaut zwischen 1904 und 1908, finanziert von der Reederfamilie Laeisz, eingeweiht am 4. Juni 1908, damals die größte und modernste Konzerthalle Deutschlands. Die Reederei Laeisz baute die Flying-P-Liner, darunter die Pamir, 1931 verkauft, 1957 in einem Hurrikan gesunken, 80 Tote; die Peking, seit 2020 als Museumsschiff im Hamburger Hafen; und die Padua, 1926 vom Stapel gelaufen, nach dem Krieg an die Sowjetunion übergeben, bis heute unter russischer Flagge segelnd, als Kruzenshtern.
Während der NS-Zeit verlor die Laeiszhalle ihren Namen, hieß fortan nur Musikhalle. Erst 2005 bekam sie ihn zurück. Selbst ein Konzertsaal blieb von der Namensauslöschung jener Jahre nicht verschont.
Wir fahren weiter an den Gerichten am Sievekingplatz vorbei, drei Gebäude, in Etappen errichtet zwischen 1879 und 1912, der Platz benannt nach dem ersten Präsidenten des Gerichts. Vollendet war zunächst nur eines der neoklassizistischen Gebäude. Gebaut, damit die Gerechtigkeit darin so solide wirkte wie der Stein.
Neben dem Eingang zum Oberlandesgericht eine zurückhaltende Gedenktafel: Richter und Staatsanwälte der Hamburger Justiz beraubten zwischen 1933 und 1945 Menschen ihrer Rechte, quälten sie, schickten manche in den Tod.
An dieser Kreuzung beginnt die weltberühmte Reeperbahn. Der Name hat mit ihrem späteren Ruf nichts zu tun.
Ab etwa 1630 siedelten sich hier, außerhalb der alten Stadtmauern, Reepschläger an, denn das Schlagen von Schiffstauen verlangte lange, gerade Bahnen, genau wie diese Straße eine ist. Das Handwerk verschwand im Lauf des neunzehnten Jahrhunderts, als Segel Dampf wich, das Vergnügungsviertel, das an seine Stelle trat, wuchs einfach weiter. Der Star-Club stand gleich nebenan; eine junge, unbekannte Band namens The Beatles spielte dort 1960, lange bevor jemand von ihr gehört hatte.
Und dann, alles überragend: das Bismarck-Denkmal, erbaut 1901 bis 1906, enthüllt am 2. Juni 1906. Vierunddreißig Meter Granit, bewusst so platziert, dass es das Erste war, was Seeleute bei der Ankunft vom Meer aus erblickten.
Gruß und Warnung zugleich. Seit August 2025 legen neue Informationstafeln vor Ort seine koloniale Dimension dar, seine Nutzung unter dem Nationalsozialismus, den Wandel seiner Bedeutung. Bis heute eines der umstrittensten Denkmäler Hamburgs: ein Denkmal der Einigung, das zugleich, unausweichlich, an das Kaiserreich erinnert.
For more information: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/behoerde-fuer-kultur-und-medien/themen/koloniales-erbe/entwicklung-hamburger-bismarck-denkmal-110434

From there it is only a short run down to the water. We arrive at Landungsbrücken, Brücke 2. Here the tour, properly speaking, begins.
Genießen Sie während der Hafenrundfahrt einen perfekten Blick auf die Elbphilharmonie.
Return Journey to St. Ansgar Haus

Landungsbrücken

In den vergangenen zwei Jahren habe ich als Laienhistoriker die Biografie eines jüdischen Anwalts recherchiert, der bis zu seinem Tod in meiner Wohnung gelebt hat.
Ich könnte Ihnen viel über die hanseatische Tradition und die Geschichte Hamburgs erzählen, aber dafür bleibt heute keine Zeit. Ich werde mich deshalb an mein Skript halten.
Willkommen zum zweiten Teil der Hamburg-Tour. Sie widmet sich der Erinnerungskultur Hamburgs und der Frage, wie die Stadt und ihre Bürger mit ihrer Geschichte umgehen.
Es geht nicht darum, Schuld zuzuweisen. Es geht darum, das Vergessen unmöglich zu machen.
Wie überall gibt es auch hier zwei Seiten jeder Geschichte. Wir werden Orte besuchen, an denen Vergangenheit und Gegenwart nebeneinander bestehen.
Während unserer Bootsfahrt haben wir von der Ballinstadt und dem Auswanderermuseum gehört. Die Auswandererhallen, durch die Millionen Menschen in Quarantäne gingen, bevor sie den Atlantik überquerten – ein Gegenstück zu Ellis Island in New York. Derselbe Hafen, der Menschen in ein neues Leben schickte, schickte später andere in den Tod.
Ballin Stadt Auswanderungs-Museum

Dieser Hafen war im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert einer der großen Ausgangspunkte der europäischen Auswanderung. Zwischen 1850 und 1934 brachen von hier aus rund fünf Millionen Menschen nach Amerika oder Australien auf, dorthin, wo ein anderes Leben möglich schien.
Die Auswandererhallen der BallinStadt auf der Veddel, in denen sich heute das BallinStadt Auswanderermuseum befindet, wurden gebaut, um die Zehntausenden Menschen unterzubringen, die dort jedes Jahr auf ihre Überfahrt warteten.
Albert Ballin, der Direktor der Hamburg-Amerika-Linie, war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten, die diese Stadt je hervorgebracht hat. Er war jüdischer Herkunft. Er starb am 9. November 1918, genau an dem Tag, an dem die Republik ausgerufen wurde – vermutlich durch Suizid.
Die Nationalsozialisten löschten später sein Andenken. Sein Name verschwand aus dem öffentlichen Leben. Sein Erbe wurde angeeignet oder zerstört.
Derselbe Hafen wurde später zum Schauplatz einer ganz anderen Art von Aufbruch. Nicht gewählt. Erzwungen.
For more information: https://ballinstadt.de/
Gedenktafel für das Flüchtlingsschiff „St. Louis“ an der Landungsbrücke
Wir werden über Menschen sprechen, deren Leben ausgelöscht wurde, und über eine Stadt, die lange gebraucht hat, um anzuerkennen, was geschehen war. Die Zeitzeugen sind inzwischen verstorben. Das Gedenken ist nun eine Aufgabe für uns alle. Wir müssen in die Bresche springen.
We begin at the Landungsbrücken — one of the most familiar places in Hamburg, and one that carries two very different stories.

Die Gedenktafel erinnert an die Odyssee des Dampfschiffs „St. Louis“. Am 13. Mai 1939 fuhren über 900 deutsch-jüdische Flüchtlinge an Bord des Schiffes von Hamburg nach Kuba, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entkommen.
Kuba gewährte nur 23 Passagieren Einreise. Das Schicksal der übrigen blieb ungewiss. Die Besatzung suchte weiter nach einem Land, das bereit war, sie aufzunehmen.
Das Schiff lag zunächst mehrere Tage vor Havanna vor Anker. Anschließend fuhr es zur Küste Floridas, wo auch die Vereinigten Staaten die Aufnahme der Passagiere verweigerten. Schließlich kehrte die „St. Louis“ nach Europa zurück.
Belgien, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande erklärten sich bereit, die Passagiere aufzunehmen. Nach 35 Tagen, am 17. Juni 1939, legte das Schiff in Antwerpen an.
Man braucht nicht viel Fantasie, um sich die Zustände an Bord vorzustellen. Das Schiff war für etwa 400 Passagiere ausgelegt, nicht für 900.
Als die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande, Belgien und Frankreich besetzte, wurden viele der ehemaligen Flüchtlinge gefangen genommen, in Konzentrationslager deportiert und ermordet.
For more information: https://gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/zeige/gedenktafel-fuer-das-fluechtlingsschiff-st-louis
Fruchtschuppen C am Hafen

HafenCity
Die Entwicklung der HafenCity begann nach dem Beschluss der Stadt Hamburg im Jahr 1997, das ehemalige Freihafengelände in ein neues Stadtviertel umzuwandeln. Seit 2001 schreitet der Bau in Etappen voran und verwandelt nach und nach ehemalige Logistik- und Lagerflächen in Wohn-, Kultur- und Gewerbeflächen. Das Herzstück dieser Entwicklung ist die Elbphilharmonie, die zwischen 2007 und 2016 auf dem alten Kaispeicher A errichtet wurde.
Dieses Lagerhaus diente einst der Lagerung von Kakao, Tee und Tabak, wurde jedoch in den 1970er Jahren stillgelegt. Heute thront die gläserne Konzerthalle auf dem erhaltenen Backsteinsockel und symbolisiert Hamburgs Wandel vom Industriehafen zu einer Stadt mit zeitgenössischem kulturellem Anspruch.
Der Fruchtschuppen C befand sich dort, wo heute das Einkaufszentrum HafenCity steht. Auf einem Platz innerhalb des Einkaufszentrums befinden sich vier Gedenkstelen, die über die Geschichte dieses Ortes informieren.
Im Mai 1940 wurden etwa tausend Sinti und Roma aus Hamburg zusammengetrieben und hier festgehalten. Sie wurden tagelang ohne Essen, sanitäre Einrichtungen und ohne Erklärung festgehalten.
Anschließend wurden sie mit dem Zug ins besetzte Polen deportiert, um dort als Zwangsarbeiter zu arbeiten. Die meisten von ihnen überlebten den Krieg nicht.
Dies war kein Konzentrationslager. Es war eine von den lokalen Behörden betriebene Durchgangsstation mitten in der Stadt. Die umliegenden Geschäfte liefen weiter. Alles ging seinen gewohnten Gang. Schiffe wurden be- und entladen.
Das „denk.mal Fruchtschuppen C“ – der Name ist ein Wortspiel mit dem deutschen Wort für Denkmal, das in „think, for once“ aufgeteilt wurde – könnte man mit „re.mind“ übersetzen. Es wurde 2025 eröffnet und ist eine der ersten Gedenkstätten in Hamburg, die den deportierten Sinti und Roma gewidmet ist. An der nächsten Station werden wir ihrer Geschichte wieder begegnen.

For more information: https://gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/zeige/denkmal-fruchtschuppen-c
Hannoverscher Bahnhof / Lohsepark, HafenCity

Von hier aus fuhren die Züge ab.
Zwischen 1940 und 1945 wurden mehr als achttausend Menschen aus Hamburg und Norddeutschland von diesem Ort aus deportiert. Dort, wo heute dieser Park liegt, stand einst der Hannoversche Bahnhof. Die Ruinen des prächtigen Eingangsgebäudes wurden 1955 abgerissen.
Jahrzehntelang war dies lediglich ein Güterbahnhof. Dann wurde es zu Brachland. Es bedurfte jahrelangen bürgerlichen Drucks und der Zusammenarbeit zwischen Forschern und Überlebendenverbänden, bis eine Gedenkstätte errichtet wurde. Derzeit entsteht hier ein Dokumentationszentrum. Es soll 2026 oder kurz danach eröffnet werden.
Der erste große Deportationszug verließ Hamburg am 25. Oktober 1941. Er beförderte 1.034 Menschen. Das Ziel war das Ghetto von Łódź. Nur achtzehn überlebten.
Folgende Transporte führten nach Minsk, Riga und Theresienstadt. Die Gestapo und die Kriminalpolizei trieben die Menschen in der ganzen Stadt zusammen – oft an der Moorweide, die wir später besuchen werden – und brachten sie hierher.
Dies ist wahrscheinlich die erste Gedenkstätte in Deutschland, die sowohl jüdischen Opfern als auch Sinti und Roma gewidmet ist. Diese Anerkennung hat lange auf sich warten lassen.
For more informations: https://gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/zeige/denkmal-hannoverscher-bahnhof
Wenn wir die HafenCity verlassen und in Richtung Altstadt fahren, schauen Sie nach rechts: Der Turm der St.-Nikolai-Kirche ragt über die Dächer hinaus. Einst gehörte sie zu den fünf großen Pfarrkirchen Hamburgs; ihr Hauptschiff wurde bei den Luftangriffen von 1943 zerstört; der Turm und die Ruine sind heute das Denkmal der Stadt für den Krieg und seine Opfer.
Stadthaus, Stadthausbrücke 6

Zu Ihrer Rechten befindet sich der Gebäudekomplex „Stadthausbrücke“. Von außen wirkt er unscheinbar. Heute beherbergt er, genau wie früher, städtische Ämter.
Von 1933 bis 1943 war er jedoch das Hauptquartier der Gestapo – der Geheimen Staatspolizei – in Hamburg. Menschen wurden hierher gebracht und verhört. Verhör bedeutete oft Folter. Die in diesen Büros getroffenen Entscheidungen bestimmten das Schicksal der Menschen: Freilassung, Konzentrationslager oder Deportation.
Viele der Geschichten hinter den Stolpersteinen, die wir gleich sehen werden, führen zurück zu diesem Gebäude. Hier wurde über das Schicksal dieser Menschen entschieden.
Das Gebäude war nicht für Terror konzipiert. Es war ein gewöhnlicher Verwaltungsblock in einer gewöhnlichen Stadt, in voller Sicht auf das um ihn herum stattfindende Alltagsleben. Diese Gewöhnlichkeit ist von Bedeutung. Hannah Arendt nannte dies die Banalität des Bösen. Es war keine Ausnahme. Es war bürokratische Praxis mitten in der Stadt.
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Dammtor Station: the Memorial Ensemble

Nur wenige Meter voneinander entfernt stehen vier sehr unterschiedliche Objekte nebeneinander. Nirgendwo sonst in Hamburg konzentriert sich so viel umstrittene Geschichte auf so kleinem Raum.
Das Kriegsdenkmal – der Kriegsklotz (1936)
Dieser sieben Meter hohe Kalksteinblock wurde von Veteranen des 76. Infanterieregiments errichtet und vom nationalsozialistischen Senat von Hamburg enthüllt. Um ihn herum befindet sich ein Relief, das achtundachtzig marschierende Soldaten in Lebensgröße darstellt. Die Inschrift lautet: Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen.
Das Denkmal überstand die Bombenangriffe der Alliierten.
Es überstand auch die Nachkriegsdebatten über seine Entfernung. In den 1970er Jahren wurde es regelmäßig zum Brennpunkt von Neonazi-Aufmärschen und Antikriegsprotesten. Es wurde mit Farbe beschmiert, angegriffen und sogar mit kleinen Sprengladungen beworfen.
Die Bundeswehr stellte in den 1970er Jahren die Abhaltung von Gedenkfeiern an diesem Ort ein. Und doch steht es immer noch. Es bleibt ungelöst und umstritten, weder abgerissen noch rehabilitiert. Allein dies zeugt von den Herausforderungen der deutschen Erinnerungsarbeit..
Alfred Hrdlicka’s Gegen-Denkmal 1985 to 86)

Der österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka plante ein vierteiliges Antikriegsdenkmal, das neben dem Kriegsklotz errichtet werden sollte. Allerdings wurden nur zwei Teile fertiggestellt.
Der erste Teil mit dem Titel „Hamburger Feuersturm“ zeigt zivile Opfer der alliierten Bombenangriffe im Juli 1943, bei denen Zehntausende Hamburger ihr Leben verloren.
Der zweite Teil, „Fluchtgruppe Cap Arcona“, erinnert an den 3. Mai 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, als die Royal Air Force die Cap Arcona in der Lübecker Bucht versenkte, die KZ-Häftlinge beförderte, die aus Neuengamme evakuiert worden waren.
Die Piloten waren nicht über diese Informationen in Kenntnis gesetzt worden, die am Vortag beim britischen Kommando eingegangen waren.
Fast 7.000 Menschen ertranken oder verbrannten. Zum Vergleich: Beim Untergang der Titanic kamen 1.500 Menschen ums Leben.
Das Gegen-Denkmal wurde nie vollendet – „Soldatentod“ und „Frauen unter dem Faschismus“ fehlen.
Im Laufe der Zeit ist dieser unvollendete Zustand Teil seiner Bedeutung geworden.
Das Denkmal für Deserteure (2015)

Volker Langs „Ein stiller Stein“ ist leicht zu übersehen, da er zwischen seinen größeren Nachbarn steht. Er erinnert an Soldaten, die sich weigerten zu kämpfen und dafür von Militärgerichten hingerichtet wurden. Jahrzehntelang nach dem Krieg bestätigten westdeutsche Gerichte die Rechtmäßigkeit dieser Urteile. Die Männer galten nicht als Opfer, sondern als Verräter. Eine vollständige rechtliche Rehabilitierung erfolgte erst im Jahr 2002. Es folgte eine Entschädigung, wenn auch verspätet – für viele kam sie zu spät.
Die Geländer
Die Bronzegeländer rund um diesen dreieckigen Platz bestehen aus Text, aus Worten aus Helmut Heißenbüttels „Deutschland 1944“. So wird sogar die Begrenzung der Gedenkstätte zu etwas, das man lesen kann.
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Wer fehlt?
Eine bemerkenswerte Lücke ist erwähnenswert. Zu den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung gehörten auch homosexuelle Männer, die nach dem verschärften Paragrafen 175 strafrechtlich verfolgt wurden.
Dieses Gesetz, das 1935 in Kraft trat, weitete die Kriminalisierung von Homosexualität massiv aus. In den Lagern mussten sie ein rosa Dreieck tragen und standen ganz unten in der Häftlingshierarchie.
Sie waren absichtlicher Brutalität seitens der Wachleute und oft auch seitens anderer Häftlinge ausgesetzt. Ihre Sterblichkeitsrate gehörte zu den höchsten aller Gruppen: In Neuengamme beispielsweise lag sie bei fast neunzig Prozent.
Nach 1945 wurde ihnen jahrzehntelang eine Entschädigung verweigert, da § 175 bis 1969 in Kraft blieb und erst 1994 vollständig aufgehoben wurde.
Auf dem Gelände von Neuengamme in Hamburg gibt es ein Denkmal für homosexuelle Opfer. Aber nicht hier. Diese Lücke sollte anerkannt werden.
Die hier gestellten Fragen sind nicht nur historischer Natur. Im Jahr 1946 unterschied deer Philosoph Karl Jaspers vier Arten von Schuld.
- die kriminelle Schuld aufgrund objektiv nachweisbarer Gesetzesverstöße,
- die politische Schuld durch Handlungen der Staatsmänner, an denen der Einzelne durch seine Staatsbürgerschaft und durch seine Mitverantwortung, wie er regiert wird, beteiligt ist,
- die moralische Schuld durch Handlungen, deren Charakter nicht allein dadurch nicht verbrecherisch wird, daß sie befohlen sind,
- die metaphysische Schuld aus der Mitverantwortung für alles Unrecht und alle Ungerechtigkeit in der Welt
Jaspers hielt diese Kategorien strikt voneinander getrennt. Er wusste, dass eine Vermischung dieser Kategorien zu Ungerechtigkeit führen würde.
Bahnhof Dammtor: Die Kindertransport-Skulptur „Der letzte Abschied“

Wir stehen vor einer Bronzeskulptur des Künstlers Frank Meisler, die 2015 enthüllt wurde: „Kindertransport: Der letzte Abschied“.
Die Skulptur zeigt zwei Gruppen von Kindern, die Rücken an Rücken auf einem Bahnsteig stehen und auf verschiedene Züge warten. Die kleinere Gruppe wird gerettet werden. Die größere Gruppe wird nicht überleben.
Zwischen Dezember 1938 und dem 1. September 1939 – dem Tag, an dem Deutschland in Polen einmarschierte und das Programm ein jähes Ende fand – konnten rund tausend jüdische Kinder aus Hamburg nach Großbritannien ausreisen.
Insgesamt wurden auf diese Weise etwa zehntausend Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei gerettet. Die meisten von ihnen sahen ihre Eltern nie wieder. Für viele von ihnen war dies der letzte Ort, an dem sie auf deutschem Boden standen.
Frank Meisler kannte die Geschichte des Kindertransports aus eigener Erfahrung. Er war dreizehn Jahre alt, als er im August 1939, nur wenige Tage vor dem deutschen Einmarsch, mit einem der letzten Transporte aus Danzig gerettet wurde.
Kurz nach seiner Abreise wurden seine Eltern verhaftet und ins Warschauer Ghetto deportiert. Später wurden sie in Auschwitz ermordet. Er wurde Bildhauer in Jaffa und schuf eine Reihe von Kindertransport-Denkmälern entlang der Route, die die Kinder genommen hatten: an der Liverpool Street Station in London, am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin, in Danzig und in Hoek van Holland.
Zusammen bilden diese Denkmäler eine Kette der Erinnerung quer durch Europa.
Die Skulptur hier wurde vollständig durch private Spenden finanziert. Kein einziger Euro stammte aus öffentlichen Mitteln. Auch das ist Teil der Hamburger Erinnerungsgeschichte.
For more information: https://gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/zeige/denkmal-kindertransport-der-letzte-abschied-the-final-parting
Nun machen wir uns auf den Weg zur Moorweide, die sich auf der anderen Seite des Bahnhofs Dammtor befindet.
Der Ernst-Cassirer-Park und der Platz der jüdischen Deportierten

Der kleine Park hinter dem Hauptgebäude der Universität trägt einen Namen, der es verdient, dass man ihm einen Moment Aufmerksamkeit schenkt.
Ernst Cassirer wurde 1874 in Breslau geboren. Im Jahr 1919 wurde er einer der Gründungsprofessoren der neu gegründeten Universität Hamburg.
Im Jahr 1929 wurde er deren Rektor – einer der ersten jüdischen Rektoren einer deutschen Universität während der Weimarer Republik.
Er war ein renommierter Philosoph. Seine zentrale Frage war, wie Menschen die Realität durch Sprache, Mythos, Wissenschaft und Kunst konstruieren. Nicht als getrennte menschliche Aktivitäten, sondern als unterschiedliche symbolische Formen, von denen jede unsere Sicht auf die Welt prägt.
Als Hitler im Januar 1933 Reichskanzler wurde, erkannte Cassirer sofort, was dies bedeutete. Er verließ Deutschland im März desselben Jahres, noch bevor die ersten Berufsausschlussgesetze in Kraft traten. Er kehrte nie zurück. Er lehrte an den Universitäten Oxford, Göteborg, Yale und Columbia. Er starb im April 1945 in New York, nur wenige Wochen vor der Kapitulation Deutschlands.
Der größte Hörsaal in dem Gebäude hinter uns ist nach ihm benannt.

Der Platz der jüdischen Deportierten, der sich direkt neben uns befindet, kennzeichnet die Moorweide als einen der wichtigsten Sammelplätze für jüdische Deportierte in Hamburg. Die Zusammenführungen selbst fanden auf der Grünfläche der Moorweide statt. Die Gedenkstätte steht am Rande der Moorweide, da diese auch heute noch für öffentliche Veranstaltungen genutzt wird.
Die Menschen wurden aus ihren Wohnungen geholt, zunehmend aus sogenannten „Judenhäusern“, in denen jüdische Familien gezwungen worden waren, unter beengten Verhältnissen zusammenzuleben.
Sie wurden hierher gebracht. Manchmal warteten sie stundenlang unter freiem Himmel, beobachtet von Passanten. Dann wurden sie in Polizeiwagen verladen und zum Hannoverschen Bahnhof gebracht, den wir zuvor gesehen haben.
Das Grindelviertel, der Stadtteil unmittelbar hinter der Universität, war bis 1933 das Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg. Dort gab es Synagogen, Schulen, Cafés, Verlage und Arztpraxen. Eine ganze Welt. Innerhalb eines Jahrzehnts war sie verschwunden.
For more information: https://gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/zeige/mahnmal-am-platz-der-juedischen-deportierten
Stolpersteine, Edmund-Siemers-Allee 1

Die kleinen Messingtafeln, die wir gleich lesen werden, sind das Werk des in Berlin geborenen Künstlers Gunter Demnig. Die Idee dazu entstand 1992/93. Seitdem ist das Projekt auf über 115.000 Steine angewachsen, die in mehr als 2.000 Gemeinden verlegt wurden.
Stolpersteine gibt es mittlerweile in über dreißig europäischen Ländern – überall dort, wo die Wehrmacht, die SS und die Gestapo tätig waren. Es ist die weltweit größte dezentrale Gedenkstätte.
Jeder Stein ist handgefertigt – jeder Buchstabe wird von Hand in das Messing gehämmert, anschließend wird der Stein in Beton eingelassen. Demnig nimmt nach wie vor an den meisten Verlegungen persönlich teil, da es ihm wichtig ist, dass sie sorgfältig, am richtigen Ort und in Anwesenheit von Angehörigen oder der örtlichen Gemeinde durchgeführt werden.
Einmal wurde ein Schüler von einem Journalisten gefragt, ob man tatsächlich über die Steine stolpern könne. Er antwortete: „Man stolpert mit dem Kopf – und mit dem Herzen.“
Zu unseren Füßen liegen kleine Messingquadrate, die in den Bürgersteig eingelassen sind. Jedes hat einen Durchmesser von zehn Zentimetern und ist von Hand mit einem Namen und einem Schicksal geprägt.
Allein in Hamburg wurden mehr als siebentausend verlegt – mehr als in jeder anderen deutschen Stadt. Über neunzig Prozent davon tragen jüdische Namen. Die übrigen gedenken Opfern der Zwangseuthanasie, politischen Gegnern, Zeugen Jehovas, Sozialisten, Kommunisten und anderen Verfolgten. Jeder Stein kostet 120 Euro und wird von Privatpersonen oder Nachfahren finanziert. Jeder einzelne markiert den letzten Ort, an dem diese Person in Freiheit gelebt hat.
Diese drei Steine erzählen sehr unterschiedliche Geschichten, die letztendlich doch dieselbe Geschichte sind.
Agathe Lasch (1879–1942) war 1923 die erste Frau, die an dieser Universität zur ordentlichen Professorin für germanische Philologie berufen wurde. Sie galt als anerkannte Expertin für niederdeutsche Dialekte. 1933 wurde sie im Rahmen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen – eines der ersten Gesetze, die vom nationalsozialistischen Regime erlassen wurden, um Juden und politische Gegner aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen. Sie blieb in Hamburg. Sie konnte nicht auswandern. 1942 wurde sie in das Ghetto von Riga deportiert, wo sie ermordet wurde.
Hedwig Klein (1911–1942) war eine der letzten jüdischen Studentinnen, denen die Immatrikulation in einem Promotionsstudiengang an dieser Universität gestattet wurde. Im Jahr 1937 vollendete sie eine fundierte wissenschaftliche Arbeit für ihre Dissertation im Fach Semitistik. Da Juden zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits von akademischen Qualifikationen ausgeschlossen waren, durfte sie diese offiziell nicht mehr einreichen. Sie reichte sie daher inoffiziell ein. 1942 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. Im Jahr 2011 verlieh ihr die Universität Hamburg posthum den Doktortitel. Es hatte neunundsechzig Jahre gedauert.
Martha Muchow (1892–1933) ) war nicht jüdisch. Sie gehörte zu den ersten Frauen, die eine leitende Forschungsstelle an einer deutschen Universität innehatten; sie spezialisierte sich auf Entwicklungspsychologie und erlangte Bekanntheit durch ihre Untersuchungen darüber, wie Kinder städtische Räume erleben. Nach dem Aufstieg der Nationalsozialisten wurde sie zum Rücktritt gezwungen. Im September 1933 nahm sie sich das Leben und wurde damit zu einem der ersten Opfer dieses Jahres – ein Beispiel dafür, dass die Definition der „Unerwünschten“ nicht auf eine einzige Gruppe beschränkt war.
Drei Frauen. Drei Formen der Auslöschung.
Edmund-Siemers-Allee
Conclusion, Edmund-Siemers-Allee
Wir stehen am Rande des Grindelviertels und an der Grenze dessen, was in einer einstündigen Führung behandelt werden kann.
Wir haben noch nicht alles besprochen.
So haben wir beispielsweise noch nicht über das Schicksal der Kommunisten und Sozialdemokraten gesprochen, von denen viele Hamburger Hafenarbeiter und Gewerkschafter waren. Sie waren die ersten, die 1933 verhaftet und am längsten inhaftiert wurden. Für ihren Widerstand wurden sie von hanseatischen Gerichten zum Tode verurteilt.
Ebenso wenig haben wir über die zwanzig Kinder gesprochen, die nur drei Wochen vor Kriegsende in der Schule am Bullenhuser Damm ermordet wurden, um die Beweise für die an ihnen durchgeführten medizinischen Experimente zu vernichten.
Da ich selbst leidenschaftlicher Swing-Tänzer bin, verdient eine Gruppe, die wir bisher noch nicht erwähnt haben, zumindest einen Satz, weil ihre Geschichte so typisch für Hamburg ist: die Swing-Jugend.
In den 1930er Jahren war Hamburg das Zentrum einer Jugendbewegung, die sich weigerte, im Gleichschritt zu marschieren – im wahrsten Sinne des Wortes. Eines Abends versammelten sich im Curio-Haus mehr als fünfhundert junge Menschen, um zu amerikanischem Jazz und Swing zu tanzen. Sie trugen lange Haare und englische Kleidung und benutzten englische Spitznamen. Sie nannten sich die Swings. Das Regime brandmarkte sie als „asozial“ und „entartet“. Die Musik galt als Bedrohung – sie kam aus Amerika, hatte schwarze Wurzeln und erlaubte es dem Körper, sich frei zu bewegen.
Ab 1940 führte die Polizei regelmäßig Razzien bei Swing-Treffen durch. Im August 1941 folgte dann ein sofortiges hartes Durchgreifen – die „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ –, das zur Verhaftung von über dreihundert Jugendlichen führte. Die Repressalien reichten vom Abschneiden ihrer langen Haare über den Schulverweis bis hin zur Inobhutnahme und Deportation in Konzentrationslager. Allein in Hamburg wurden zwischen vierzig und siebzig junge Menschen in die Lager geschickt.
Dies war kein politischer Widerstand im herkömmlichen Sinne. Es war ein Widerstand gegen den aufgezwungenen Marsch durch die Durchsetzung des eigenen Rhythmus. Für das Regime war das genug.
Eine Kultur des Gedenkens kann niemals vollständig sein, denn das Erinnern ist ein fortwährender Prozess. Hamburg war langsam – langsamer, als es hätte sein sollen. Das Eingangsgebäude der Deportationsstation Hannover Bahnhof wurde 1955 abgerissen. Die Gedenkstätte am Fruchtschuppen C wurde 2025 eingeweiht. Das Dokumentationszentrum öffnete 2026 seine Pforten, achtzig Jahre nach den Ereignissen, die es dokumentiert. Die rechtliche Rehabilitierung der Deserteure erfolgte im Jahr 2002. Diese Verzögerungen sind nun Teil der Geschichte.
Viktor Frankl, Neurologe, Psychiater und Auschwitz-Überlebender, warnte davor, Menschen zu hart zu beurteilen. Nicht, weil Urteile unangemessen wären, sondern weil sie ein Recht voraussetzen, das nur denen zusteht, die selbst denselben Mut bewiesen haben.
Wir wissen nicht, wie wir selbst reagiert hätten.
Doch die Erinnerung lebt weiter – dezentral, manchmal widersprüchlich und nicht in erster Linie vom Staat, sondern von Einzelpersonen getragen. Das historische Bewusstsein veranlasst Bürger dazu, einen Stolperstein zu sponsern und ihn einmal im Jahr zu reinigen. Oder Nachkommen, die aus New York oder Tel Aviv anreisen, um einen Namen auf einem Hamburger Bürgersteig zu lesen. Forscher, die sich jahrzehntelang für ein Denkmal einsetzten, das die Stadt nicht wollte.
Die Steine sind klein. Sie sind so in den Boden eingelassen, dass man sie nicht übersehen kann – man muss sich bücken, um sie zu lesen. Das ist kein Zufall.
Notizen
Neuengamme Concentration Camp
Die Häftlinge in Neuengamme wurden geschlagen, ertränkt, erhängt, erschossen oder vergast. Sie verhungerten, starben an Unterkühlung, Erschöpfung, unbehandelten Krankheiten und medizinischen Experimenten – unter die Haut injizierte Tuberkulosebakterien, Verabreichung von verseuchtem Wasser. Von rund 100.000 Häftlingen starben mindestens 50.000.
Im Lager waren Juden, Sinti und Roma, homosexuelle Männer, Kommunisten, Sozialdemokraten, sowjetische Kriegsgefangene, dänische und norwegische Widerstandskämpfer, französische, niederländische, belgische und polnische Häftlinge, Zeugen Jehovas sowie als asozial eingestufte Personen inhaftiert. Jede Gruppe trug ein farbiges Dreieck: rot für politische Häftlinge, gelb für Juden, rosa für homosexuelle Männer, violett für Zeugen Jehovas, schwarz für als asozial eingestufte Personen, braun für Sinti und Roma.
Bullenhuser Damm
Im April 1945 wurden zwanzig jüdische Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren, an denen SS-Ärzte seit November 1944 Tuberkulose-Experimente durchgeführt hatten, in eine ehemalige Schule am Bullenhuser Damm gebracht und dort – zusammen mit vier erwachsenen Häftlingen, die sich um sie gekümmert hatten – erhängt, um die Beweise zu vernichten. Ein Rosengarten mit den Namen der Kinder ist jederzeit zugänglich.
Weitere Quellen.
Gedenkstätte KZ Neuengamme: www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de
Stolpersteine Hamburg: www.stolpersteine-hamburg.de
© Thorsten Grigat 03.07.2026