
Fun-Fact des Tages: Heute ist Goethes 277. Geburtstag.
Es hatte in der Nacht ein wenig geregnet, aber von einer Abkühlung ist am Morgen nichts zu spüren. Der Tag startet mit 28 Grad. Zu klären ist, wo ich mein Gepäck bis zum Abend deponieren kann. Ob es Schließfächer beim Fährterminal gibt, muss ich noch herausfinden. Als Alternative hatte ich Patricia aus dem kleinen Lebensmittelgeschäft gefragt, ob ich die Sachen bei ihr lassen könne.
In der Via San Lorenzo bekomme ich einen leckeren Cannolo mit Pistazien. Schon am Morgen eine kleine Freude. Das Gespräch mit einem Krankenpfleger und seiner älteren Patientin, die ihren Morgenspaziergang mit einem kleinen Kaffee verbanden, brachte mir für mein italienisches Kauderwelsch sogar ein Lob ein. So kann der Tag gut starten.
Mit dem Taxi ging es zum Fährterminal, wo ich Koffer und großen Rucksack in einer Reinigungsannahmestelle abgab. Ich musste nur für ein Gepäckstück bezahlen, weil die Dame beide als eines abrechnete. Bis 20 Uhr kann ich das Gepäck dort lassen. Den Gedanken, dass es möglicherweise Schwierigkeiten mit ihrer Kollegin geben könnte, weil sie nur ein statt zwei Gepäckstücke aufgeschrieben hatte, schlug ich schnell in den nicht vorhandenen Wind. Mit Recht, denn es gab keine Probleme. Zum Glück ist es kühl im Terminal, sodass die Wartezeit bis zum Einschiffen angenehm wird.
Draußen sind es inzwischen 30 Grad, dazu knapp 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Es fühlt sich an wie in einer Biosauna. Mit der U-Bahn fahre ich zwei Stationen zurück in die Stadt und spare mir so einige Schritte und eine Menge Schweißtropfen.

Gelegtnlich entdeckt man in dem Labyrinth der engen Altstadtgasen ein zauberhafte kleine Plätze wie diesen.
Heute trete ich den Beweis an, dass Kultur nicht nur zur Grundversorgung gehört, sondern auch überlebenswichtige Funktionen haben kann. Ich erinnerte mich daran, dass die drei Palazzi im Zentrum herrlich klimatisiert waren und zudem schöne Dinge zu bieten hatten. Im Café schreibe ich die ersten Notizen für das Tagebuch und trinke einen Liter Mineralwasser. Es ist gemütlich und schattig-kühl hier, und so lese ich noch eine Weile, bevor ich durch die Ausstellungsräume flaniere und Bekanntes, wie zum Beispiel einen Albrecht Dürer wiedersehe.
Ich bin überrascht, dass mir Goethe heute erneut über den Weg läuft. Bei meiner Reise 2023 mit dem Auto auf den Spuren von Goethes Italienischer Reise bin ich ihm bis nach Sizilien gefolgt.
Ich war auch in Genua, habe aber die kleine Paganini-Abteilung und die berühmte Geige, die „Cannone“ genannt wird, eine Guarneri del Gesù von 1743, nicht sehen können. Sie ist kein stummes Ausstellungsstück. Einmal im Jahr, am Todestag von Paganini, wird sie aus der Vitrine geholt und gespielt, ein Instrument, das sich weigert, nur Museumsstück zu sein.
Goethe selbst hörte Paganini 1829 in Weimar spielen und fand für dessen Wirkung nur ein Wort: dämonisch, nicht als Verdacht, sondern als Anerkennung einer Kraft, die sich der Erklärung entzieht. Leider kann ich den Unterschied zu anderen Geigen nicht hören, Kenner schon.

Derselben Strategie, der Hitze zu entkommen, hatten auch Ulli und Helen gewählt. Wir trafen uns zufällig in einem der Museen.
In der kühlen Cafeteria des Museums lese ich Zeitung, bis es Zeit für den Aperitivo wird. Ich gehe zurück in Richtung Fährterminal und suche nach einem netten Plätzchen mit einem passenden Angebot. Meist wird eine Platte mit Wurst- und Fleischspezialitäten angeboten, seltener mit Meeresfrüchten. Ich bestelle eine kleine Pinzetta.

Mit 2,5 Stunden Verspätung konnten wir an Bord gehen. Kurz vor 24 Uhr bezog ich meine Kabine und legte mich sofort hin. Die Schiffsmotoren und das leise Rauschen der Air Condition sind so einscläfernd monoton, dass ich augenblicklich einschlafe.

PS: Wer mehr Bilder aus Turin / Torino oder Genua / Genova sehen möchte, kann oben diese Begriffe eingeben und findet die Notizen von früheren Reisen.