27.08.2026 Torino – Genova

Ich vermute, dass ein Grund, warum die Abfahrtszeiten pünktlich eingehalten werden, der kontrollierte Zugang zu den Bahngleisen ist. In Alessandria, also mitten auf der Strecke, müssen wir zwölf Minuten warten, weil der Zug zu früh am Bahnhof angekommen ist. Staunen.

Um eines meiner zehn Interrail‑Tickets zu sparen, kaufe ich für 14,50 € eine Fahrkarte von Turin nach Genua. Die Zugfahrt dauert zweieinhalb Stunden und hält pünktlich in Genova Principe. Kaum verlässt man den Bahnhof, bemerkt man einen gravierenden Unterschied: Hunderte von Vespas stehen vor dem Bahnhof geparkt, und viele hundert weitere brausen durch die Straßen. Kaum zu glauben, dass zwei Städte sich im ersten Eindruck so unterschiedlich zeigen können.

Die 1.100 Meter zur Unterkunft ziehe ich den Koffer hinter mir her. Da ich eine Viertelstunde vor der vereinbarten Zeit vor Ort bin, bleibt Zeit für ein alkoholfreies Bier. Ein nettes Zimmer zum Hinterhof hat den Vorteil, dass die Sonne nicht in die Fenster scheint und es im Zimmer ein klein wenig weniger warm ist. Und ruhiger ist es zudem. In der Nacht wird nur das leise Rauschen der Air Condition zu hören sein, hoffe ich.

Ich gehe ein paar Schritte auf der Via di Canneto il Curto und entdecke in der Nr. 16 die lecker aussehenden Auslagen von Patrizias Kochkünsten. Unwiderstehlich werde ich von den vegetarischen und Fisch‑Burgern angezogen. Patrizia nimmt geduldig meine Bestellung auf Italienisch auf und bringt mir das Essen auf den kleinen Platz nebenan, wo ich ein Bier von der Bar dort erhalte. Als ich ihr später ein Kompliment für das tolle Essen machen wollte, sprachen wir Deutsch. Sie hatte einige Jahre in München gelebt. Unsere Plauderei über dies und das wurde unterbrochen, als ein französisches Ehepaar, Ulli und Hélène, ihre Köpfe neugierig durch die Tür steckte. Die beiden sprachen auch Deutsch, sodass wir uns wohl fast eine Stunde lang über Europa und die Welt unterhielten.

Durch die kaum mehr als zwei Meter breite Gasse weht kein Wind. Die Auslagen der Geschäfte sind nicht touristisch, sondern richten sich an die Menschen, die hier im Quartier leben. Das verleiht dem Aufenthalt seinen stillen Charme. Dem Fischhändler erzähle ich von einem Erlebnis beim Tauchen, von einem kleinen Schwarm neugieriger Barrakudas. Sie schwammen bis auf wenige Zentimeter an mich heran, und jeder Versuch, sie zu verscheuchen, ließ sie näher kommen. Barrakudas sind Raubfische. Der Tauchlehrer konnte sie letzten Endes vertreiben, und ich stieg am Stück wieder ins Boot.

Kurz vor der Rückkehr esse ich noch eine kleine Focaccia mit Pesto im Pestobello, das ich im Frühjahr entdeckt hatte. Dieser kleine Snack zur Nacht beschloss meinen Tag.

Vor Beginn der Reise wurde ich gefragt, worauf ich mich am meisten freue. Meine Antwort lautet: Als Flaneur freue ich mich auf das Wiedersehen von Bekanntem, als Passant auf das Entdecken von Neuem und als Bummelant auf Beobachtungen und Gespräche wie diese.

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