

Um 8:00 Uhr holte ich Erika von zu Hause ab. Nach gut drei Stunden erreichten wir Agrigent.
Ein leichter Wind wehte vom Meer herauf und machte die 26 Grad erträglich. Der Parkplatz vor dem UNESCO-Weltkulturerbe war fast leer. Entsprechend wenige Menschen waren auf dem Bergkamm unterwegs, auf dem die besterhaltenen griechischen Tempel außerhalb Griechenlands stehen.

Das Tal der Tempel ist übrigens gar kein Tal. Die Griechen, die Akragas um 580 v. Chr. gründeten, errichteten ihre Heiligtümer bewusst auf dem Kamm, sichtbar für jeden, der vom Meer kam. Pindar nannte Akragas einst die schönste Stadt der Sterblichen.
Der Concordiatempel, um 430 v. Chr. erbaut, steht heute fast unversehrt da. Ausgerechnet einem Bischof verdankt er sein Überleben. Gregor ließ ihn im 6. Jahrhundert zur Kirche umbauen und die Zwischenräume der Säulen vermauern. Die Christianisierung, die so vieles zerstört hat, hat hier bewahrt.
Ein paar hundert Meter weiter liegen die Trümmer des Olympieion, des größten dorischen Tempels, der jemals begonnen wurde. Vollendet wurde er nie. Die Kopie eines Telamonen, einer der fast acht Meter hohen Steinfiguren, die das Gebälk tragen sollten, liegt rücklings im Gras, als habe er seine Last nach zweieinhalb Jahrtausenden einfach abgelegt.

Ich war bereits 2023 während meiner Italienreise auf den Spuren Goethes hier: Mein Besuch in Agrigent 2023.
Die Faszination, die mich damals erfasste, stellte sich sofort wieder ein. Es sind nicht nur die Größe und das Alter der Tempel, die beeindrucken. Es ist auch das Gefühl, dass Ideen wie Demokratie hier noch immer auf eigentümliche Weise lebendig sind.
Empedokles, der in Akragas geboren wurde, soll die ihm angebotene Königswürde ausgeschlagen und dabei geholfen haben, die Herrschaft der Oligarchen zu beenden. Einen wie Empedokles würde ich gern ins Weiße Haus schicken.
Erika und ich genossen den Spaziergang und machten auf halber Strecke eine kurze Pause in einer kleinen Cafeteria.

Nach der Suche nach einem Parkplatz und einer kleinen Irrfahrt durch Agrigent kamen wir jedoch rasch zu dem Schluss, dass die Stadt nur wenig einladend wirkt. Es zog uns deutlich stärker ans Meer, als in der Mittagssonne durch die Straßen zu laufen.

Der feine Sandstrand von Realmonte gefiel uns ausgezeichnet, vor allem der Blick auf die Scala dei Turchi, jene weißen Mergelfelsen, die steil und treppenförmig ins Meer abfallen.

Bei einem kühlen Getränk kamen wir mit Alex und Ina aus Freiburg ins Gespräch. Schnell war eine Stunde verplaudert.
Anschließend fuhren wir eine Bucht weiter zum Lido Rossello, wo wir in einer Ferienwohnung übernachten wollten. Die Wohnung war groß, verfügte über drei Schlafzimmer und lag keine fünfzig Meter von einem ebenfalls feinen Sandstrand entfernt.

Quasi auf der gegenüberliegenden Straßenseite aßen wir in einem schicken Restaurant zu Abend und erholten uns von den fast 10.000 Schritten, die wir an diesem Tag zurückgelegt hatten. Mir gefällt es in Realmonte sehr gut.
