Die Nacht war kurz. Dennoch sprang ich leichtfüßig aus dem Bett, unter die Dusche und in die bereitgelegte Kleidung. Kabel und Stecker waren schnell eingesammelt und, wie der Koffer, routiniert verstaut.
Sonderbare Bahnhofsuhr!
Ich war früh am Bahnhof, früh genug für einen Kaffee.
Woran erkennt man, dass man in der ersten Klasse reist? An einem Toilettensitz aus Holz.
Die erste Klasse war so gut wie leer, und ich wählte einen Platz in Fahrtrichtung. Ein Mann, der sehr gut Englisch sprach, nahm seinen reservierten Platz ein, und während der viereinhalbstündigen Fahrt unterhielten wir uns angeregt. Seine Freundin studierte an der Universität und war an den Protesten beteiligt.

Viele bekannte Ortsnamen wie Nîmes, Narbonne und Perpignan sausten an uns vorbei, und im Nu musste ich am Bahnhof Barcelona Sants aussteigen. Mit dem Taxi fuhr ich in die Barceloneta, das alte Fischerviertel. Im ersten Stock eines Altbaus bezog ich ein hübsches Apartment. Vom Balkon aus konnte ich den Strand sehen, der Barcelona zu einer der schönsten Städte der Welt macht.

Anlässlich der Olympischen Spiele von 1992 wurde der damals stark heruntergekommene Stadtteil saniert und der Strand mit aufgeschüttetem Sand neu angelegt. Er ist für jeden mit der Metro erreichbar und kostet nichts. In Italien dagegen zahlt man für den Besuch eines Lidos oft Eintritt, was sich viele Menschen nicht leisten können.





Bei einem Campari Spritz und Tapas schrieb ich die noch fehlenden Tagebucheinträge, während der Tag sich neigte und die Sonne dem Horizont entgegensank. Sie ging hier um 19:18 Uhr unter, am Abend zuvor in Marseille bereits um 19:04 Uhr. Ich hatte vor, nicht lange sitzen zu bleiben und früh zu Bett zu gehen.

Doch dann kam ich mit Tucker aus den USA ins Gespräch, und später gesellte sich seine brasilianische Freundin zu uns. Über dem anregenden Gespräch vergaßen wir die Zeit, die beiden sogar ihr Abendessen. Um 22:30 Uhr verabschiedeten wir uns voneinander.
