12.10.2026 Barcelona

Ich hatte morgens überlegt, ohne Plan in den Tag zu starten. Einfach draufloszugehen und zu sehen, was passiert. Auf einem wenig direkten Weg kam ich am Triumphbogen an. Ruhige kleine Plätze wechselten sich mit belebten Straßen und stillen Gassen ab. Alte Frauen gingen einkaufen, Mütter brachten ihre Kinder zur Schule und manche führten ihre Hunde aus. Montagmorgen eben.

Als ein roter Hop-on-Hop-off-Bus neben mir hielt, stieg ich ohne lange zu überlegen ein. Es gab zwei Touren von jeweils zweieinhalb Stunden. Effizienter kann man sich eine Stadt an einem einzigen Tag kaum ansehen, und das auch noch ganz ohne Anstrengung. Nach der ersten Runde wechselte ich in die zweite Linie. Auch sie führte durch historische Stadtteile und in Viertel, die durch ihre moderne Architektur auffielen. Große Bürogebäude säumten die Avenida Diagonal. Dort sah vieles so austauschbar international aus, dass ich einzelne Straßenzüge ebenso gut in Singapur hätte vermuten können.

Auf dem offenen Oberdeck war es recht zugig. Trotz der 23 Grad fühlte sich der Fahrtwind deutlich kühler an. Das änderte sich schnell. Auf dem Passeig de Gràcia, dem breiten Boulevard, die von der Plaça de Catalunya ausgeht, erklangen heiße südamerikanische Rhythmen. Die Straße war abgesperrt. Von den Straßenrändern aus beobachteten Passanten den bunten Umzug der Tanzenden, die hinter den Trägern ihrer National- und Regionalfahnen herzogen. Die Musik wechselte von Gruppe zu Gruppe, ebenso die Kostüme, Rhythmen und die Tänze.

Der 12. Oktober ist Spaniens Nationalfeiertag, der an die Ankunft des Kolumbus in Amerika im Jahr 1492 erinnert. Wie man diesen Tag auf der anderen Seite des Atlantiks sieht, steht auf einem anderen Blatt. Hier jedenfalls wurde getanzt.

Kolumbussäule

Bei dieser Prozession wurde noch einmal deutlich, wie groß die kulturelle Vielfalt Südamerikas trotz aller Gemeinsamkeiten ist. Auf diese Weise geriet ich unverhofft mitten in eine farbenfrohe Vorführung, die mich nichts kostete.

Barceloneta

Ein war ein ehrliches Spektakel frei Haus. Da ich die Bushaltestelle nicht wiederfand, ging ich die letzten drei Kilometer nach Barceloneta zu Fuß. In den schachbrettartig angelegten Straßenzügen ist die Orientierung eigentlich einfach, sofern man sich nicht verzählt oder sich von etwas Interessantem in einer Seitenstraße ablenken lässt.

Es war inzwischen 17 Uhr und damit höchste Zeit, dass ich heute endlich etwas zu essen bekam. Die Paella mit Meeresfrüchten und Meerblick am Strand war ausgezeichnet. Die Tapasteller sind selten so gefüllt wie auf den Speisekarten. Für sechs Stangen grünen Spargel verlangte man woanders neun Euro.

Gestärkt ging ich anschließend am Strand entlang in Richtung Olympisches Dorf, in der Annahme, dass sich der Sonnenuntergang von dort besonders schön beobachten lassen würde. Und genau so war es.

Am Strand wurde noch Volleyball gespielt, und am Muscle Beach, ähnlich wie in Venice Beach in Kalifornien, trainierten die Menschen weiterhin eifrig. 

Die Mode des frühen Abends reichte vom nackten Oberkörper und tief ausgeschnittenen T-Shirt bis hin zur Daunenjacke und tatsächlich sogar zu einer Pelzjacke. Übergangsjacken kennt man in Spanien vielleicht gar nicht. Offensichtlich bereiteten sich auch hier die Menschen auf den Herbst vor. Auch ich muss mich darauf einstellen, dass es ab morgen im Norden deutlich kühler wird und ich heute wohl zum letzten Mal strumpflos in meinen Trekkingsandalen unterwegs gewesen bin. Aber das ist erst morgen!

Dekorationsvorschlag für fortgeschrittene Individualisten: Wenn der tätowierte Arm nicht mehr reicht, um sich von den vielen anderen Individualisten mit modisch tätowiertem Arm zu unterscheiden.

Ähnliche Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben