07.10.2026 Palermo – Genua

Die See ist ruhig, es regnet sehr viel, die Sicht ist stark eingeschränkt, die Langeweile nicht. Zum Glück habe ich auf einer Festplatte ein paar Filmklassiker mitgenommen, die ich gern noch einmal sehen wollte. Zum Abschied von Sizilien sah ich noch einmal Der Leopard mit Burt Lancaster, Alain Delon, Terence Hill und Claudia Cardinale. Auch die Musik von Nino Rota macht Viscontis Film zu einem Klassiker, nicht nur auf Sizilien. Der Film erzählt vom Fürsten Salina, der nach Garibaldis Landung im Jahr 1860 miterlebt, wie seine Welt vergeht, und klug genug ist, die eigene Familie mit den Aufsteigern zu verbinden. Tancredis Satz, alles müsse sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist, wurde zum geflügelten Wort. Daraus entstand der Begriff „gattopardismo“: die Kunst, Wandel vorzuführen, um Macht zu erhalten. In Italien gehört er bis heute zum Wortschatz jeder Regierungskritik, und man hört ihn wohl öfter, als dem Land lieb sein kann.

An Bord einer Fähre gibt es keinerlei Unterhaltung, bis auf den Sicherheitsdrill. Die Crew nimmt daran nur maulig und mit größtmöglicher Gleichgültigkeit teil. Es ist ihr egal, ob überhaupt Passagiere teilnehmen. Diejenigen, die kommen, werden nicht darin unterwiesen, wie eine Rettungsweste anzulegen ist. Für manche ist die Veranstaltung lediglich eine Raucherpause.

Screenshot

Ein Highlight des Bordalltags könnte das Essen sein. Leider ist eine Fähre kein Kreuzfahrtschiff. Die Reederei GNV bietet zum doppelten Preis dessen, was man an Land bezahlt, Essen an, das nicht einmal halb so gut ist. Das angebotene Essen ist eine Beleidigung für die italienische Küche. Obwohl ich gestern genug Zeit hatte, hatte ich keine Vorkehrungen getroffen. Also: selber schuld!

Ein längerer Mittagsschlaf nach einer besonders ausgiebigen Dusche passte gut ins Programm.

Das Schiff soll um 19:30 Uhr in Genua ankommen. Über den Lautsprecher wurde uns mitgeteilt, dass wir möglicherweise mehr als eine Stunde früher ankommen. Mir soll es recht sein, denn ich muss morgen früh bereits um 6:50 Uhr am Busbahnhof sein und würde gern heute Abend den bestmöglichen Weg auskundschaften. Es sind nur 600 Meter, aber wenn es regnen sollte und die Sonne noch nicht aufgegangen ist, möchte ich keine Umwege gehen.

Am Abend traf ich in der netten Unterkunft ein junges Elternpaar aus Santa Tecla bei Acireale. Mit Rucksäcken und zwei Kindern, neun Monate und drei Jahre alt, waren sie wie ich per Zug und Schiff nach Genua gekommen. Dem freundlich winkenden Baby hatte ich bereits an Bord zugewunken und freute mich, dass sie zufällig im selben B&B abgestiegen waren wie ich. Mit einem gemeinsamen Pizzaessen beschlossen wir den Abend.

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