06.10.2026 Palermo – Genua

Nach dem Auschecken im B&B gab ich mein Gepäck in dem Hotel ab, in dem ich zuletzt gewohnt hatte. Gegen eine kleine Gebühr konnte ich es dort bis zum Abend aufbewahren lassen. Um 20 Uhr würde ich an Bord der Fähre gehen, die mich zurück nach Genua bringen sollte. Von dort war ich am 28. August nach Sardinien aufgebrochen.

Für den letzten Tag in Palermo hatte ich mir nichts vorgenommen. Also überließ ich mich dem Zufall. Bevor ich losging, beschloss ich jeweils, in welche Querstraße ich als Nächstes einbiegen würde, oft schlicht in die dritte. Auf diese Weise gelangt man in Viertel, die in keinem Reiseführer auftauchen und dennoch ihren ganz eigenen Reiz besitzen.

So stand ich plötzlich vor dem Sitz des Sinfonieorchesters Siziliens. Wenig später erreichte ich den Mercato del Capo, an der Porta Carini, einen weiteren der zahlreichen Streetfood-Märkte der Stadt.

Dort aß ich eine gefüllte Aubergine mit Zitronensauce und Spaghetti. Ein Gedicht. Esplosione di gusto. Eine Geschmacksexplosion.

Wie in vielen Städten liegen auch in Palermo Glanz und Verfall oft direkt nebeneinander. Prächtig renovierte Fassaden wechseln sich mit Gebäuden ab, die dem langsamen Zerfall überlassen scheinen.

Erika erzählte mir, dass viele Eigentümer längst im Ausland leben. Manche wissen nicht einmal, dass sie geerbt haben. Andere verfügen weder über die Mittel noch über das Interesse, eine Renovierung in Angriff zu nehmen. Mitunter wirken im Hintergrund aber auch jene dunklen Kräfte, die Sizilien seit Generationen prägen und vielerorts noch immer ihren Einfluss geltend machen.

Achte auf die Ressourcen!

Am späten Nachmittag weinte Siziliens Himmel ein paar Abschiedstränen. Ich fand Zuflucht unter dem Sonnenschirm einer kleinen Bäckerei, trank eine heiße Turiner Schokolade und aß dazu Cantucci al Pistacchio. Für einen Moment schien die Welt vollkommen in Ordnung. Das Leben ist leicht.

Als der Regen nachließ, schlenderte ich langsam Richtung Hafen. Unterwegs gönnte ich mir noch einen Teller Pasta mit Aubergine und Schwertfisch. Der Tag verging ohne Eile, fast absichtslos, und vielleicht war gerade das sein besonderer Reiz.

Weniger reizvoll ist das Warten auf das Boarding. Nach fünfzehn Kilometern, die ich heute durch die Straßen Palermos gebummelt bin, macht sich die Müdigkeit bemerkbar. Ich möchte jetzt einfach nur ankommen, die Kabine beziehen und die Beine ausstrecken.

Wie auch immer: Wahrscheinlich werde ich das Ablegen des Schiffes um 22 Uhr bereits vom Bett aus erleben. Während die Lichter Palermos langsam hinter dem Heck verschwinden, beginnt die Rückfahrt nach Genua. 

Vor sechs Wochen hat diese Reise begonnen, aber Reisemüde bin ich immer noch nicht.

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