
Kleine Abschiedstränen in Palermo, große Freudentränen des Wiedersehens in Genua. Es hatte die ganze Nacht und auch tagsüber heftig über dem Meer geregnet. Als wir in Genua ankamen, musste ich eine Regenjacke anziehen.
Am frühen Morgen stieg ich um 6:50 Uhr in den Bus nach Marseille. Zum Glück regnete es nicht mehr. Viele LKW nutzen die Küstenstrecke, dennoch verlief die Fahrt ruhig, und wir kamen gut voran. Ich hatte das Glück, direkt hinter dem Fahrer zu sitzen, und konnte die Aussicht genießen, die mir als Autofahrer verwehrt geblieben wäre.

Eine endlose Reihe von Tunneln und Brücken führte uns langsam gen Westen und dem Sonnenschein entgegen. In den vergangenen Wochen hat es in Marseille und Barcelona ungewöhnlich viel geregnet, sodass die Straßen oft unter Wasser standen. Aber was kümmert mich der Regen von gestern …
Zur Begrüßung in Frankreich erklang aus dem Radio des Busfahrers Michel Fugain & le Big Bazar mit »Chante – Singe an Dein Leben, als ginge morgen Deine Welt zugrunde«. (Gleich nach der obligatorischen Werbung startet das Liebe.) Ein Lied, das ich oft pfeife oder singe, wenn ich flaniere. Achtung: Wer den Link hier anklickt, wird den Ohrwurm so schnell nicht wieder los.

Das französische Hinterland der Côte d’Azur ist dicht bewaldet, und was dort wächst, verdient tatsächlich den Namen Wald. Leider konnte ich nur einen kurzen Blick auf Menton werfen. Die anderen Städte an der Côte d’Azur bekamen wir von der Autobahn aus nicht zu Gesicht.

Laut Wettervorhersage wird es deutlich kühler: tagsüber 20 Grad, nachts nur noch 12. Abends heißt es jetzt: Jacke mitnehmen. Die Jacke, die ich seit sechs Wochen ungenutzt mit mir herumtrage.

Das Hotel liegt direkt am Bahnhof, und ich durfte eine Stunde früher einchecken. Um 14 Uhr war ich bereit, die Stadt zu erkunden. Vom Meer her wehte ein starker Wind, in Böen bis Windstärke 8. Schwer zu sagen, ob er die Regenwolken wegblasen würde oder nicht.



Ich war einer Empfehlung gefolgt und begann meine Stadterkundung am Alten Hafen, dem Vieux Port. Zu Fuß ist es eine gute halbe Stunde dorthin, in der ich bereits einiges erlebte. In der Nähe des Hotels befindet sich das Lycée Victor Hugo. Zwei abgebrannte Mülleimer samt Inhalt lagen auf der Straße, und die alte Holztür des Gebäudes war durch ein Feuer schwer beschädigt. Wenige Augenblicke später kamen mir mehrere hundert Schüler, Studenten und Lehrende in einer Demonstration entgegen, die sich für bessere Lernbedingungen einsetzt. Die Proteste sind landesweit, ebenso die Diskussionen über die ausufernde Polizeigewalt.


Erika hatte mir vor ein paar Tagen ein kleines Heft von Stéphane Hessel geschenkt: »Empört Euch!«. Ich arbeite gerade an einem Essay dazu. Was ich hier sehe, bestätigt seine These: Empört euch, wenn ihr nicht gut ausgebildet werdet. Es ist eure Zukunft. Mehr dazu demnächst in diesem Blog.

Die Oper von Marseille besitzt eine Fassade mit klassischen Säulen, die den Brand von 1919 überstanden hat. Beim Wiederaufbau wurde das Innere im Stil des Art déco gestaltet.

Ich hatte Glück am Ticketschalter: Ich bekam die letzte freie Karte für Mozarts »Don Giovanni« am morgigen Abend. Halleluja!

In weitem Bogen war ich bis zur Plage des Catalans gegangen und anschließend zurück zur Metrostation Vieux Port. Mit Blick auf die Yachten im Hafen aß ich dort eine Fischsuppe, die mir in Hamburg besser schmeckt, und Moules au Roquefort. Die Lauferei am Nachmittag hatte sich auf 13 Kilometer summiert, und ich freute mich, für 1,80 Euro zwei Stationen mit der Metro bis zu meiner Unterkunft zu fahren.


Dort wartete eine Badewanne auf mich. Da ich zu Hause keine habe und auf Reisen auch nicht auf eine bestehe, freut es mich umso mehr, wenn eine vorhanden ist und ich sie ausgiebig nutzen kann. Und dann noch das Fundstück des Tages:
