13.10.2026 Barcelona – Paris

Um acht Uhr verließ ich die Wohnung, um mir an der Straße per App ein Taxi zu rufen. So weit kam es nicht. Noch ehe das Handy aus der Hosentasche war, auf mein Winken hin.

Auf der Fahrt kamen wir an mehreren Baustellen vorbei, und überall wurde gearbeitet, von vielen Männern zugleich. Ich sah genauer hin. In Hamburg gibt es nicht weniger Baustellen, doch dort arbeitet, wenn überhaupt, meist einer, und zwei sehen ihm dabei zu.

Eine Stunde vor Abfahrt war ich am Bahnhof Sants. Das war früh, aber man weiß nie, was noch kommt. So lautet meine Regel für entspanntes Reisen, und an diesem Morgen bewährte sie sich. Vor der Sicherheitskontrolle stand eine Schlange, deren Ende ich nicht sehen konnte. Ich hatte Zeit. Noch. 

Lange geschah nichts, außer dass hier und da jemand laut wurde, dem die Zeit davonlief und mit ihr der Zug. Neun Minuten vor der Abfahrt stand ich auf dem Bahnsteig, mein Wagen natürlich ganz vorn, am anderen Ende eines sehr langen Zuges. Das Abteil war halb leer, als wir losfuhren. Wer die chaotische Organisation der Kontrolle gesehen hatte, wunderte sich nicht. 

Am ersten Halt hatten wir zwanzig Minuten Verspätung. Später fuhr der Zug streckenweise dreihundert Stundenkilometer und holte doch nur fünf Minuten wieder herein. Er hielt einfach zu oft. Die Mitreisenden nahmen es gelassen.

Vom Gare de Lyon bis zur Avenue Daumesnil sind es nur ein paar Schritte. Es scheint mein Schicksal zu sein, in Paris in einer Concierge-Wohnung abzusteigen, wie schon im vergangenen Jahr. Diesmal immerhin mit einem Fenster, das sich öffnen ließ, zum Hinterhof und zum Fahrradständer der Hausgemeinschaft. Für dasselbe Geld hätte ich in Italien zwei Zimmer mit Balkon und Meerblick bekommen. Aber das hier war Paris. Eine Übernachtung im Ibis Hotel nebenan, kostet das Dreifache, nämlich EUR 300 pro Nacht.

Dieses winzige Waschbecken sitzt direkt auf dem Spülkasten. Im Moment kann ich mir noch nicht vorstellen, wie ich darüber meine Zähne putzen oder mich rasieren soll. Heute Abend werde ich schlauer sein.

Auf der anderen Starssenseite zieht sich das Viadukt einer alten Bahnlinie die Straße entlang, Bogen an Bogen, einundsiebzig an der Zahl. In den Gewölben arbeiten heute Instrumentenbauer, Buchbinder, Keramikerinnen und Leute, die Handtaschen nähen. Dazwischen Bars und Bistros. In einem davon wollte ich später zu Abend essen.

Oben, wo bis 1969 die Züge zur Bastille fuhren, wächst heute ein Garten. Die Coulée verte René-Dumont reicht viereinhalb Kilometer weit bis zum Bois de Vincennes, das erste Stück in Höhe der dritten Etage, dann über einen Damm, durch einen Park, einen Einschnitt, einen kurzen Tunnel. Schon 1993 begann man, die stillgelegte Trasse zu bepflanzen, lange bevor anderswo von Stadtbegrünung die Rede war. Paris gewann so 3,7 Hektar Grün, ohne ein einziges Haus abzureißen. Seither geht man hier spazieren, joggt und flirtet, ohne an den Verkehr unten zu denken. 

Die New Yorker haben es zwei Jahrzehnte später mit ihrer High Line nachgemacht und sind damit berühmter geworden.

Den Aufgang fand ich nicht gleich. Stattdessen fand ich in einer stillen Ecke unter den Bögen zwei junge Tänzer, die an einer Choreografie arbeiteten, ohne Publikum, bis ich kam. Ich blieb eine Weile. Eine schönere Begrüßung hätte sich die Stadt nicht ausdenken können. Dann stieg ich hinauf und ging ein Stück durch das Grün, durch die Stadt.

Zu Abend aß ich in der Brasserie Le Viaduc. Ich hatte sie gewählt, weil im Wintergarten viele Studenten saßen, was selten ein schlechtes Zeichen ist. Nach all den teuren Tapas und den immer gleichen Antipasti war ich über die Karte so erleichtert, dass ich gleich fünf kleine Entrées bestellte, dazu ein Glas Wein und am Ende eine Mousse au Chocolat. Inzwischen hatte sich auch der Innenraum gefüllt, und es war herrlich laut wie in einer Mensa.

Bei jedem Besuch in Paris habe ich in einem anderen Viertel gewohnt, und jedes Mal hat die Stadt mir ein anderes Gesicht gezeigt, Ich freue mich auf die nächsten Tage. In der Wohnung werde ich nicht mehr Zeit verbringen als nötig.

PS.: Ist das richtiges Französisch oder gegendert?

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