04.09.2026 Oristano

Die Anstrengung des gestrigen Tages und die klösterliche Ruhe ließen mich schlafen wie ein Stein. Vielleicht war es die Nähe zu jenen Steinen, die erst in den letzten fünfzig Jahren ans Licht gekommen sind und heute als die ältesten Großplastiken des Mittelmeerraums gelten. Am Morgen fuhr ich nach Cabras, eine Viertelstunde westlich von Oristano, und betrat das Museo Civico.

Die Sammlung wirkt zunächst wie ein Mosaik aus Keramikfragmenten, Werkzeugen und Grabbeigaben, vieles beschädigt, vieles unscheinbar. Doch manchmal bleibt mein Blick an einem Stück hängen, einfach weil es schön ist. Dann frage ich mich, ob es schön ist, weil es unserem heutigen Geschmack entspricht, oder ob sich unser Geschmack an solchen frühen Formen überhaupt erst ausgebildet hat.

Die Geschichte der Region beginnt weit vor den mediterranen Hochkulturen. Die Nuraghenkultur, etwa 1800 bis 238 v. Chr., prägte die Insel über mehr als ein Jahrtausend. Aus dieser Zeit stammen auch die Giganten von Mont’e Prama, die die Forschung in den letzten Jahrzehnten neu ausgerichtet haben. Erst später, ab dem 8. Jahrhundert v. Chr., erreichten die Phönizier Sardinien; ihre Handelsstützpunkte gingen im 6. bis 3. Jahrhundert v. Chr. in die punische Blüte über. Die Stadt Tharros wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. gegründet.

Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. folgte die römische Verwaltung, die die Region in ein weit verzweigtes Netz mediterraner Verkehrswege einband. Auch die kleineren Objekte erzählen von diesen Verflechtungen zwischen Sardinien, Nordafrika, Spanien und dem östlichen Mittelmeer.

Die Wanderung über das ganze Areal war interessant aber auch sehr schweißtreibend, trotz des angenehmen Windes, der vom Meer kam.

Der Parkplatz der archäologischen Stätte dient zugleich dem Strand, der sich dahinter öffnet. Dort, wo Felsen im Wasser liegen, fällt der Meeresboden rasch ab, was ich sehr angenehm finde. Ich ließ mich von der Sonne trocknen und verließ den Strand nach dreißig Minuten. Mein Talent, am Strand zu liegen, ist völlig dahin. Es war nie besonders ausgeprägt, aber früher hielt ich immerhin einen Vormittag durch.

In der Strandbar sprach ich mit dem zweiundachtzigjährigen Besitzer, der auf dem Mittelmeer zur See gefahren ist. Einige Passagen seiner Erzählung verstand ich nicht, doch ich nickte freundlich. Italienisch lernen mit Lückentest.

Auf dem Parkplatz konnte ich ein Foto aufnehmen, das den Größenunterschied zwischen meinem Fiat 500 und dem Dacia Bigster zeigt. In Zahlen sieht das so aus:

Der Dacia Bigster ist fast 1 m länger als der Fiat 500, 17 Zentimeter breiter, 18 Zentimeter höher, und sein Wendekreis ist um 1,30 Meter größer als der des kleinen Fiat. Diese Zahlen erklären, warum ein Dacia kein bequemes Auto für italienische Innenstädte ist, in denen viele Straßen kaum zwei Meter breit sind. Der Wendekreis ist das eigentliche K.O.-Kriterium, besonders in den engen, rechtwinklig abzweigenden Gassen. Ich bin ehrlich froh, ihn morgen abzugeben.

Am frühen Nachmittag war ich zurück im Kloster und genoss die Ruhe und den Schatten im Garten. Hier könnte ich auch die Website reparieren. Offenbar gab es ein oder zwei Fotos, die nach dem Hochladen eine Fehlermeldung auslösten. Dieser Beitrag muss nun ohne sie auskommen.

Am Abend gab es meine erste Pizza auf dieser Reise. Neben der üblichen Mozzarella lag auf ihr mit Zitrone gebeiztes Thunfisch-Carpaccio. Ich frage mich, warum Hamburger Pizzabäcker nicht auch solche großartigen Geschmackserlebnisse servieren.

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