
Nette Gesten und praktizierte Achtsamkeit. Vor vielen Haustüren stehen gefüllte Wasserflaschen bereit, für jeden, der in dieser Hitze Durst hat.
Das Bett war bequem, trotzdem musste ich in der Nacht drei Kopfnüsse einstecken. Ein Bett unter einer Dachschräge bietet bei meiner Körpergröße einfach nicht genug Platz, um aufrecht einzusteigen, ohne sich den Kopf zu stoßen. Ich schreibe diese drei Zusammenstöße der allgemeinen hitzebedingten Verwirrung zu.

Da ich heute die archäologischen Funde der Nuraghenkultur etwas außerhalb von Nuoro besuchen wollte, fuhr ich früh los. Enttäuscht musste ich zunächst feststellen, dass das Gelände laut Aushang nur freitags bis sonntags zugänglich sein sollte. Gerade war ich dabei, das Hinweisschild zu fotografieren und die neuen Öffnungszeiten an Google zu melden, als der zuständige Mitarbeiter mit etwa zwanzig Minuten Verspätung zur Arbeit erschien. Er konnte allerdings nicht erklären, warum das Schild mit den neuen Öffnungszeiten dort hing.

Das Besondere an dieser Anlage ist eine Wasserkultstätte, die vor fast 3.000 Jahren mit Steinen errichtet wurde, die aus rund fünfzig Kilometern Entfernung herangeschafft worden waren. Der rote Stein hebt sich noch heute schön vom grauen Granit ab. Was zur Zeit der Errichtung sicher prachtvoll aussah, wirkt inzwischen etwas verwittert. Die Anlage liegt in einem kleinen Hain von Korkeichen. Im Schatten der Bäume ließ ich meinen Gedanken freien Lauf.
Was mochten die Menschen vor 3.000 Jahren von der Zukunft erwartet haben? Vermutlich vor allem, dass im nächsten Jahr ausreichend Regen fällt und die Ernte gut ausfällt.
Auf dem Rückweg wollte ich das Haus von Grazia Deledda besuchen, der sardischen Nobelpreisträgerin für Literatur. Das ihr gewidmete kleine Museum befindet sich in den engen Gassen der Altstadt. Im Auto zeigte das Thermometer 41 Grad, und mein Blut begann zu kochen, als ich mich erneut darüber ärgerte, dem Navi in ein Labyrinth viel zu schmaler Gassen für mein großes Auto gefolgt zu sein. Nach etwa 150 Metern im Rückwärtsgang erreichte ich wieder eine breitere Straße.

Das Kunstmuseum von Nuoro besitzt wohl nicht viel mehr als zehn Räume. Die Sonderausstellung „Nostalgia di Futurama” war jedoch großartig. Sie beschäftigte sich mit der Frage, wie sich die Menschen in den sechziger Jahren die Zukunft vorstellten. Zunächst war 1961 mit dem Russen Juri Gagarin der erste Mensch im Weltall gewesen, 1963 folgte mit der Russin Walentina Tereschkowa die erste Frau im All. Nur acht Jahre nach Gagarins Flug landete schließlich 1969 Apollo 11 auf dem Mond. Diese technischen Fortschritte ließen scheinbar alles möglich erscheinen.

Die Hausfrauen träumten von Fertiggerichten wie Campbells Tomatensuppe und bügelfreien Hemden. Andere fürchteten die Landung von UFOs oder hofften auf die Zukunftsvisionen einer Barbarella, gespielt von der wunderschönen Jane Fonda. Dabei fragte ich mich, welche nostalgischen Gefühle wohl bei meiner Generation, den Jahrgängen um 1959, aufkommen, wenn wir an die siebziger, achtziger und neunziger Jahre zurückdenken.
Gern möchte ich eine Leserfrage zum aktuellen Benzinpreis beantworten, auch wenn ich mir über die mögliche Reaktion bewußt bin.


Gegen 14 Uhr gönnte ich mir in Oliena, einem kleinen Nachbarort, einen getoasteten Tramezzino und eine große Flasche Mineralwasser. Ich saß auf der überdachten Veranda eines Lokals an der Dorfstraße. Von der lebhaften Unterhaltung am Nebentisch, bei der viel gelacht wurde, verstand ich allerdings kaum etwas, da die drei älteren Herren offenbar Sardisch sprachen.

Nur zwanzig Minuten später fuhr ich weiter in Richtung des schroffen Supramonte-Gebirges, dessen Kalkgipfel bis auf 1.463 Meter ansteigen. Dort sollte sich bei Su Gologone eine smaragdgrüne Karstquelle befinden, die laut Reiseführer besonders fotogen ist.

Ich wanderte durch einen kleinen Hain, in dem Bambus wächst, was mich überraschend stark an Big Island auf Hawaii erinnerte. Der kleine Teich zeigte sich heute allerdings eher in einem blassen Grün. Schade. Dabei täuscht seine bescheidene Größe über seine Dimensionen hinweg: Tatsächlich handelt es sich um die bedeutendste Karstquelle Sardiniens, deren unterirdisches Höhlensystem bislang bis in eine Tiefe von 135 Metern erforscht wurde.
Im nahegelegenen Café fragte ich ein Paar aus Deutschland, ob ich mich zu ihnen setzen dürfe. Wir plauderten wohl zwei Stunden lang über dies und das. Zum Abschluss unseres interessanten Gesprächs lockte uns das Geblöke von Schafen noch einmal an den Teich zurück.

Dort bot sich uns eine archaische Szene, wie sie sich vermutlich auch schon vor 3.000 Jahren zur Zeit der Nuraghen ereignet hatte. Eine Schafherde war von einem Hund an das Wasser geführt worden, um dort zu trinken. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen.
