Um 8:00 geht es los: Alghero → Bosa → Küstenstraße → Macomer → Orgosolo → Nuoro = 120 km

Auf der berühmten Küstenstraße SP 105/292 fahre ich entlang der Panoramaküste nach Bosa. Ich sah Klippen, die senkrecht ins Meer fallen. Kleine Buchten, die nur schwer zugänglich waren. Ich habe es an zwei Stellen versucht, aber aufgegeben. Das war mir zu alpin.
Abschließend kann ich bestätigen, dass diese Küstenstraße mir besser gefallen hat als die Amalfi-Küste. Mit vielen Vorteilen: besser ausgebaute Straßen, sehr vielen Aussichtspunkten, weniger Verkehr und deshalb auch keine Staus.

Schon von weitem kann man die Burg Malaspina hoch über dem Temo und die darunterliegenden, pastellfarbenen Häuser von Bosa sehen. Die Stadt macht nicht den Eindruck, dass sehr viele Touristen herkommen. Errichtet wurde die Burg 1112 von der toskanischen Adelsfamilie Malaspina, gehörte zunächst zum Richtertum von Torres und später zu dem von Arborea, bevor sie allmählich verfiel.

In Bosa verlasse ich die Küste in Richtung Macomer und fahre nun durch bergiges Hinterland. Die Gipfel sind bis zu 1.000 m hoch. Weite Täler, die zum Teil landwirtschaftlich für Oliven, Wein und Korkeichen genutzt werden.

Eine Ortschaft macht auf sich aufmerksam, indem sie die Häuser pastellfarbig anmalt, eine andere, indem sie politische Graffiti sammelt. Viele Häuser in Orgosolo zeigen solche Bilder und machen so den Ort zu einer Sehenswürdigkeit.
Manche Gassen von Orgosolo sind zu einer Zeit entstanden, als Eselskarren zur Fortbewegung benutzt wurden. Der Navi von Google sollte eigentlich abfragen, wie breit das Auto ist, damit es die Wege entsprechend aussuchen kann. Der gewiesene Weg war zu schmal für den breiten Wagen, den ich unfreiwillig als Upgrade nehmen musste, weil der bestellte Fiat 500 nicht zur Verfügung stand. Das Gebimmel der Parkhilfe machte mich ganz wuschig. Ich fand keinen Ausschalter. Völlig genervt, nach vielem Rangieren des Wagens, gelang mir der Befreiungsschlag, und ich konnte die Fahrt fortsetzen.
Nach kurzer Fahrt erreiche ich zuvor Monte Ortobene bei Nuoro und genieße den Blick über Barbagia, wie die Gegend genannt wird. Die Christusstatue „Il Redentore“ steht seit 1901 an seinem Platz. Der kalabrische Bildhauer Vincenzo Jerace schuf die über vier Meter hohe Bronzestatue im Auftrag von Papst Leo XIII., der zum Heiligen Jahr 1900 auf markanten Bergen ganz Italiens Christus-Redentore-Denkmäler wünschte.





Meine Unterkunft in Nuoro liegt im Dachgeschoss und hat nur winzige Fenster, aber eine gute AC. Ich freue mich über die Waschmaschine, weil ich mit ihrer Hilfe meinen Wäschevorrat auffrischen kann. Bis zum Abendessen läuft das Kurzprogramm.
Es gab zum Abendessen im Restaurant, das unten im Haus und sehr chick ist Spaghetti Vongole con Bottarga. Google erklärt: Bottarga besteht aus gesalzenen und luftgetrockneten Fischrogen, meist von Meeräsche (muggine) oder Thunfisch. Die Rogen werden gepresst, mehrere Wochen getrocknet und dann in dünnen Scheiben oder fein gerieben über Pasta gegeben. Der Geschmack ist salzig, jodig, leicht nussig, mit einer tiefen Meeresnote, die sich wunderbar mit den Vongole verbindet. Das Essen war so lecker, das ich vergessen habe, ein Foto davon zu machen. Es wird mir aber auch so in bester Erinnerung bleiben.

