
Ein letzter spektakulärer Sonnenaufgang vor dem Frühstück. Das Gepäck war im Auto verstaut, als Claudia und Sergio noch kurz vorbeikamen, um Arrivederci zu sagen. Das klang für mich nach einem sehr guten Plan.

Das Navi führte mich ohne Probleme zum richtigen Parkplatz des Autovermieters, genauso reibungslos verlief die Abgabe. Die Haltestelle für den Bus nach Palermo liegt vis-à-vis des Hauptgebäudes des Flughafens.

Alles was ich zum Leben brauche….
Eine halbe Stunde vor dem Abfahrtstermin stieg ich in den Bus ein. Fünf Minuten später fuhr er los, und ich bekam einen gehörigen Schrecken. Wie konnte der Bus schon 25 Minuten vor der fahrplanmäßigen Abfahrt losfahren? Von meinem Sitznachbarn erfuhr ich auf meine nervöse Nachfrage, dass dies der vorherige Bus nach Palermo sei, der wegen einer Verspätung erst jetzt in Catania angekommen sei.

Die zweieinhalbstündige Fahrt durch die Mitte Siziliens war sehr schön, diesmal konnte ich unbeschwert aus dem Fenster sehen. Das Inselinnere ist sehr gebirgig und trocken. Lange Pipelines versorgen manche Regionen mit Wasser. Die Stadt Enna muss seit Jahren von außen mit Trinkwasser versorgt werden, was nur unzureichend geschieht und zu ständigem Unmut führt. Auch hier scheinen Korruption und dunkle Mächte im Spiel zu sein.

Meine Unterkunft liegt am Hafen, in einer anderen Gegend als im Frühjahr. Dadurch lerne ich eine neue Nachbarschaft kennen, eine offensichtlich feinere. Es gibt nette Geschäfte und Lokale. Die Caponata und der Schwertfisch sind lecker und etwa ein Drittel günstiger als in Catania.



Das Zimmer hat einen tollen Blick auf den Fährhafen. Der Gemeinschaftsraum ist sehr bequem eingerichtet. Immer wieder komme ich auf Reisen in Räume, die in ihrer Aufteilung und Einrichtung sehr gelungen sind. Das innenliegende Bad ist hier zum Beispiel toll gemacht. Die Wand der Dusche hat eine Milchglasscheibe, die Licht ins Bad lässt.

Leider werden diese alten Kioske nur noch ganz selten benutzt.

Mein erster Spaziergang führt mich zum Teatro Massimo. Im Frühjahr hatte ich dort an einer Führung teilgenommen, weil ich leider nur an spielfreien Tagen in Palermo war. Wie auch in Catania werden diese großen Theater nicht durchgängig bespielt. Und heute habe ich Glück, zumindest an der Kasse.
Wunderbar. Ich konnte eine Karte für „La Bella Addormentata“ von Pëtr Il’ič Čajkovskij, also „Dornröschen“ von Peter Iljitsch Tschaikowski, erwerben. Bereit zum Kuss stand ich vor ein paar Tagen in Syrakus vor dem leeren Sarg Schneewittchens. Vielleicht habe ich morgen bei Dornröschen mehr Erfolg.

Nach der Oper „I Puritani“ von Bellini in Catania bekomme ich nun ein Ballett mit Orchester zu sehen. Ich bin sehr gespannt auf die Inszenierung.
Mit einer Granita al limone im Café gegenüber der Oper lasse ich das geschäftige Treiben der Palermitaner an mir vorbeiziehen. Die Oper dient einem Brautpaar als Kulisse, vor der es sich von drei Fotografen und einem Kameramann ablichten lässt. Interessant sind die Blicke des Ehepaares auf der Bank.

Wenn ich auf Reisen bin, sehe ich nicht fern. Aber am Abend hatte ich Lust auf einen Film: „The Life of Chuck“, den ich im letzten Jahr leider im Kino versäumt habe. Er basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King und ist so ganz anders, als man es von ihm erwartet. Er wird als Tragikomödie beschrieben, ist aber viel mehr als das. Die schöne philosophische Idee ist sehr leichtfüßig umgesetzt. Leider dauert der Film nur zwei Stunden. Meine Empfehlung für trübe Herbsttage.
