04.10.2026 Palermo

Vor Sonnenaufgang sah ich zu, wie eine Fähre rückwärts einparkte. Es beeindruckt mich jedes Mal, wie sich diese riesigen Schiffe ohne Schlepper in dem engen Hafenbecken um die eigene Achse drehen, um mit dem Heck anzulegen.

Das Frühstück in der Unterkunft ist sensationell. In vielen anderen Unterkünften gibt es eingetütete Kekse und Kuchen, hier kommt alles frisch aus dem Backofen. Dumm nur, dass ich seit Wochen nicht mehr frühstücke. Bei dieser Hitze kann ich nur einmal am Tag essen, und das mittags.

Kurz nach zwölf ging ich ins Mastro Pastaio, wo mir die vielen Speisen in der Kühltheke die Qual der Wahl bereiteten. Von der mit Steinpilzen gefüllten Torte werde ich wohl noch öfter träumen. Montags ist geschlossen. Mir bleibt also nur noch der Dienstag.

Später spazierte ich durch den alten Hafen mit den Neubauten des Yachtclubs. Das Dolce Vita Palermos fand ich dort nicht, sondern in den engen Gassen dahinter.

Bedauerlicherweise werden bei der Renovierung alter Häuser oft neue Materialien eingesetzt, die den Charakter eines Hauses verändern. Die geschwungenen Träger unter den Balkonen verschwinden und werden durch gerade ersetzt. Sie erfüllen ihren Zweck, aber Charme haben sie keinen.

Sehr viel Charme hat dagegen das Teatro Massimo. Die gesamte Innenausstattung hatte etwas Königliches. Der Blick von der Loge im ersten Rang war gut, das Orchester, das Ensemble und die Bühnenausstattung waren großartig. Gegeben wurde eine Neuinszenierung von Dornröschen. Darüber freue ich mich zunächst immer, denn ich sehe gern, wie bekannte Werke neu gelesen werden.

Aber die absurde Idee des Choreographen, die guten Feen sich wie Katzen bewegen und miauen zu lassen, war ebenso unnötig wie untauglich, weil sie der bekannten Geschichte keinen neuen Aspekt hinzufügte. Die böse Fee schien dem Film Matrix entsprungen zu sein, ohne dass dies in irgendeiner Weise mit der Katzenidee korrespondiert hätte. Von Petipas klassischer Choreographie blieb nichts übrig. Die modernen Tanzbewegungen verlangten dem hervorragenden Ensemble viel ab. Schade, dass der Choreograph diese Ressourcen nicht besser genutzt hat. Über allem stand Tschaikowskys wunderbare Musik.

Die junge Italienerin aus meiner Loge und ich stellten später bei einer Granita al limone fest, dass es trotzdem ein gelungener Abend war.

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