
Über der Stadt hingen schwere Regenwolken, also beeilte ich mich, zum Bahnhof zu kommen. Um 9:15 Uhr ging die Fahrt nach Catania los. Zweimal umsteigen, kurze Formalitäten beim Mietwagenverleih, der wie immer zwischen zwei Dutzend anderen auf einem riesigen Parkplatz versteckt war, dann konnte ich in Richtung Acireale losfahren. Egal wo ich meinen Mietwagen parken werde, ich werde ihn anhand seiner außergewöhnlichen Farbe schnell wiederfinden.

Die Orientierung war nicht schwer, da ich hier in den letzten Jahren mehrere Monate verbracht habe. Die 26 engen Kurven von der Anhöhe der Timpa hinunter zu meiner Unterkunft am Meer kenne ich, die Gänge schaltete ich wie im Schlaf.
Mein Auto stellte ich vor dem Haus ab und brachte das Gepäck und die Lebensmittel in die Wohnung. Im Nachbardorf hatte ich eingekauft, damit der Kühlschrank nicht leer blieb.
Eine neue Definition von Heimat kam mir in den Sinn, als ich mich in der Wohnung einrichtete: wenn sich das Handy 2.440 km von zu Hause entfernt von selbst ins WLAN einwählt. Dann ist das Heimat.

Ich ging die zweihundert Meter über die Uferpromenade zu dem kleinen Restaurant, wo ich üblicherweise schlecht bedient, aber großartig bekocht werde. Mit einer Australierin verplauderte ich den schwülen Nachmittag, 26 Grad bei 80 % Luftfeuchtigkeit.

Leider konnte ich nicht einfach ins Meer springen, um mich abzukühlen. Der vor dem Haus liegende Lido wurde gerade abgebaut. Er wird nur für den Sommer auf den Felsen aufgestellt. Benutzen durfte ich ihn nicht mehr. Von den glitschigen Felsen aus mag ich nicht ins Wasser steigen. In den nächsten Tagen werde ich zu einem der nahen Strände fahren.

Der Himmel bewölkte sich wie meine Stimmung am späten Nachmittag. GNV hatte mir mitgeteilt, dass die Fähre von Genua nach Barcelona aus betrieblichen Gründen ausfällt, und sich für die Unannehmlichkeit entschuldigt.
Nun war wirklich viel Improvisation erforderlich. Dabei fiel mir auf, dass die Excel-Tabelle, die ich mir von der KI habe erstellen lassen, fehlerhaft ist. Es ist nun schon das zweite Mal, dass die KI mir einen Kalender baut, in dem etwas nicht stimmt: Im Frühjahr gab es darin einen 29.02.2026, jetzt fehlt der 09.10.2026. Der fehlende Freitag kommt mir allerdings gerade gelegen, weil ich dadurch einen weiteren Reisetag gewonnen habe. Wie ich jetzt die Strecke von Genua nach Barcelona überwinde, weiß ich noch nicht. Eines ist sicher: Mit der Fähre kann ich am 06.10. noch Palermo nach Genua, aber am 08.10. nicht von dort nach Barcelona fahren. Soviel steht heute Abend fest.
Draußen stürmt, blitzt und regnet es heftig. Ich sitze bei einem Glas Wein und lasse es mir gutgehen.
