
Der Stadtteil Chianalea wird gern mit Venedig verglichen, weil dort tatsächlich noch einige Boote direkt an den Häusern festgemacht werden. Die meisten Liegeplätze haben allerdings den Terrassen der Lokale Platz gemacht, die auf Stelzen über dem klaren blauen Wasser stehen.



Auch hier vertrödelte ich meine Zeit mit Schreiben und Beobachten. Der unablässige Strom von Menschen durch die engen, uralten Gassen war eine großartige Unterhaltung. Gelegentlich unterhielt ich mich mit Gästen an den Nebentischen.

Je länger ich blieb, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass Scilla nichts beweisen wollte. Die Stadt lebt nicht von großen Sehenswürdigkeiten oder vom Strom der Touristen. Sie lebt von dem, was sie ist: eine kleine kalabrische Stadt am Meer. Die Menschen gehen ihren Geschäften nach, die Fischerboote liegen im Hafen, und das Leben spielt sich zwischen Cafés, Gassen und dem Wasser ab.

Zum Sonnenuntergang war ich wieder im Paradiso, der Strandbar mit der tollen Musik. Dort saß ich noch eine Weile, im Rhythmus der Musik schrieb ich swingend die Tagesnotizen.
Scilla wirkte nun noch gelassener als am Morgen. Vielleicht lag genau darin sein Reiz. Die Stadt wollte niemanden beeindrucken. Sie war einfach sie selbst und das ist, was mir gefällt.
