09.09.2026 Neapel – Tropea

Heute war Reisetag, und die Bahn sollte um 9.45 Uhr starten. Es gab also genug Zeit, um vor der Unterkunft in einer Bar einen Café Latte zu trinken und mich mit Wasser für die Weiterfahrt zu versorgen.

Der Zug fuhr jedoch erst mit einer Verspätung von 20 Minuten los, und auf der Strecke verloren wir weitere 20 Minuten. Dazu kam die Wartezeit auf den verpassten Anschlusszug, sodass ich mit fast zweistündiger Verspätung in Tropea ankam.

Kurz nach der verspäteten Abfahrt in Neapel eilte ein Bahnmitarbeiter durch die Abteile und verteilte kleine Schachteln mit Wasser und Keksen. Diese kleine Geste besänftigte die Reisenden.

Die Schienen laufen, wie auch auf der Adriaseite, ganz dicht am Meer entlang, sodass man fast das Gefühl bekam, mit einem Schiff unterwegs zu sein. Auf der anderen Zugseite sahen wir die Dörfer an uns vorbeigleiten. Dahinter erhoben sich stattliche Berge, über denen immer höher aufsteigende Wolkenberge standen. Die ersten Wolken seit Hamburg. Aber vielleicht auch die Ankündigung von Regen.

Regen, der für die Landwirtschaft dringend gebraucht wird. Viele Felder werden täglich mit Wasser besprengt, weil man noch etwas heranziehen und zur Ernte bringen will.

Der Weg vom Bahnhof in Tropea zur Unterkunft ist etwas weiter als sonst. Dafür ist er auf dem Hinweg sehr bequem, denn es geht steil bergab. Gegen 18 Uhr stellte ich das Gepäck dort ab und ging in die nahe Altstadt.

Wie Taormina ist Tropea ein Besuchermagnet. Die Straßen und Plätze der hübschen Altstadt, die 60 Meter hoch auf einem Felskegel liegt, waren prall gefüllt mit den Rückkehrern vom Strand, den Tagestouristen, den Urlaubern, die hier wohnten und sich bereits für den Aperitivo frisch gemacht hatten, sowie den Einheimischen.

Die Einheimischen gingen zum Abschluss der dreitägigen Feierlichkeiten zu Ehren der Madonna di Romania, der Schutzpatronin von Tropea, in einer langen Prozession durch die engen Gassen der Altstadt. Vorne wurden die verehrte Ikone der Madonna di Romania und die silberne Statue der Santa Domenica mitgeführt. Hinter ihnen folgten ein Spielmannszug, Pfadfinder, Sportler, Polizei, Feuerwehr und zahlreiche andere Gruppen.

Zu Beginn, während der Prozession und zum Abschluss um Mitternacht wurden lang anhaltende Böllerfanfaren abgegeben.

Ich beobachtete das Spektakel von einem der zahlreichen Restaurants aus. Ich habe manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich allein an einen Tisch mit vier Stühlen setze, weil ich nicht genug Umsatz mache. Um es den Wirten etwas zu erleichtern, lud ich zwei nach Plätzen suchende Touristen ein, sich zu mir zu setzen. Weil sie jedoch Teil einer kleinen Reisegruppe von sechs Personen waren, organisierten wir noch weitere Stühle und saßen schließlich in einer lustigen Runde aus New Yorkern, Neuseeländern und Australiern zusammen.

Es wurde ein schöner Abschluss eines langen Reisetages, der mit Verspätung begann, aber pünktlich mit Spaß endete.

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