Heute fahre ich durch zwei Landschaften: von der ruhigen, kalksteinweißen Ogliastra‑Hochebene hinunter zur weiten Küste mit ihren Stränden.

Mein erster Stopp liegt auf einem Hügel. Bei einem kurzen Gang durch die Altstadt von Orosei entdecke ich eine kleine, freundliche Stadt. Bevor ich auf Entdeckungstour gehe, trinke ich im Café Horizont einen Kaffee und esse ein Croissant, während sich vor mir der weite Blick auf die nahe Küste öffnet. Die halbstündige Fahrt führt langsam bergab. Links und rechts liegen Felder, teils schon für den Winter ruhend, teils noch nicht abgeerntet. Die Insel ist erstaunlich grün, was mich überrascht.

Ich habe mich schon gefragt, woher die Milch für die sardische Käseproduktion stammt, weil ich bisher keine Kühe gesehen habe. Pecorino Sardo wird allerdings aus Schafsmilch hergestellt, möglicherweise von genau den Tieren, die ich gestern am Weiher gesehen habe.
Ich genieße den Blick aufs Meer und die leichte Brise, die etwas Abkühlung bringt. Von der Terrasse aus sehe ich, wie der Schulbus Kinder abholt, ein Bauer sein Feld pflügt, der Staub steht hoch, und ein paar alte Männer sich am Nebentisch unterhalten, während der zweite Espresso serviert wird.
Zwanzig Minuten fahre ich nach Norden, um ans Meer zu kommen.

Für viele Strände auf der Insel sind schriftliche Anmeldungen notwendig, weil die Parkplätze begrenzt sind. Der erste Strand der Bidderosa‑Oase ist bereits voll belegt. Ohne Online‑Reservierung müsste ich warten. Das möchte ich nicht. Der nächste Strand ist nicht weit.

Auf einer staubigen Schotterpiste schaukle ich vier Kilometer zu einem großen Parkplatz, der nur halb gefüllt ist. Der Sand ist so heiß, dass ich sofort ins Wasser flüchte. Es ist warm, der Überraschungseffekt bleibt aus. Das Wasser, das ich in die Nase bekommen habe, brennt noch immer auf den Narben in meiner Nasennebenhöhle. Obwohl ich für den halben Tag gezahlt habe, gehe ich nach einer halben Stunde zurück zum Auto.
Ich möchte beschreiben, wie eine scheinbar typische italienische Familie zum Strand geht. Der Vater trägt Sonnenschirm, Klappsessel und eine elektrische Kühlbox. Die Mutter hält mehrere Plastikbeutel mit Lebensmitteln in den Händen. Die Kinder stolpern hinterher, den Blick auf ihre Handys gerichtet. Nachdem die Familie den Platz eingerichtet, die Wasserspielzeuge aufgeblasen und die Kinder sorgfältig eingecremt hat, beginnt der Strandtag mit Essen und Kreuzworträtseln. Das scheint ein beliebter Breitensport zu sein.


Im Pinienwald von Santa Lucia bei Siniscola lasse ich es mir gutgehen. Das Licht, das durch die großen Bäume fällt, ist schön und weniger heiß als am Strand.
Ich beschließe, heute keinen weiteren Strand aufzusuchen, und fahre nach Lula und weiter nach Nuoro, wo der weiße Kalkstein dunklerem Gestein und bald sanft gerundeten Granithügeln weicht.


Bedauerlicherweise habe ich hier keine Küche in der ich kochen kann. Die Kühltruhen im Supermarkt sind sehr verführerischen Leckereien gefüllt.
Bedauerlicherweise habe ich hier keine Küche, in der ich kochen könnte. Die Kühltruhen im Supermarkt sind allerdings so prall mit verführerischen Leckereien gefüllt, dass ich kurz überlege, ob man gefrorene Scampi wie Eis lutschen kann. Ich wähle dann doch lieber zum Abendbrot eine sardische Käseplatte.
PS: Einige Fotos konnte ich wegen Server Problemen nicht hochladen. Wenn sich der Server im Laufe des Tages eines besseren besonnen hat, werde ich das nachholen.