
Oha! Ich war eben toll essen. Da es kein alkoholfreies Bier gab, trank ich belgisches St. Benoît. Das enthält 8% Alkohol. Das Ergebnis ist, dass ich beschwipst bin und mich an dieser Stelle kurz fasse und nur einen Gedanken poste, den ich heute Mittag schon notiert habe. Ich war den ganzen Tag unterwegs, um wirklich jede Gasse zu erkunden. Für einen ausführlichen Bericht ist jetzt oder morgen früh keine Zeit, weil ich mich nämlich morgen früh auf den Weg machen muss, um eine längere Strecke zu fahren.

In der Nähe des römischen Amphitheaters steht der Stumpf eines uralten Olivenbaums, der wieder austreibt. Um dem Trubel zu entkommen, trat ich in eine Kirche ein, um einen Moment zu meditieren.
Ein Keimling wächst zuerst in die dunkle, feuchte Erde hinab, um sich zu verankern. Hat er eine stabile Basis gefunden, strebt er ins Licht, in das trockene Element. Dann wird er zu einem Baum, der zugleich nach oben und nach unten wächst, und das unter günstigen Umständen bis zu 3.000 Jahre lang.
Wenn Trockenheit, Sturm, Blitzschlag oder Feuer ihm zusetzen, windet er sich unter diesen Schicksalsschlägen. Seine Rinde reißt auf, der Stamm verdreht sich. Diese Spuren formen ihn, sie machen ihn zu einem Individuum.
Was mich fasziniert, ist seine Wiederauferstehung: dass er wieder austreibt und wieder Früchte trägt, weil sein Wurzelwerk ihm Halt und Nahrung gibt.
Angesichts dieses alten Stammes denke ich an Menschen, die das Ende ihrer Berufstätigkeit wie einen vernichtenden Sturm erleben. Es braucht Zeit, bis sie neu austreiben, vorausgesetzt, sie sind genügend geerdet. Wer nicht aktiv wird und aus sich heraus neue Triebe entwickelt, dem bleibt nur eine Existenz als Parkbank. Wer es schafft, genießt seine neuen Früchte.
Das Amphitheater an der Piazza Sant’Oronzo wurde bei Abrissarbeiten entdeckt und ausgegraben. Was für eine Wiederauferstehung nach fast tausend Jahren.





