13.04.2026 Bari – Polignano a Mare

Heute beginnt meine Erkundung von Apulien. Um kurz nach 8:00 Uhr stand ich vor der Avis-Autovermietung. Die Formalitäten waren schnell geklärt und ich auf dem Weg zum vierzig Kilometer südlich von Bari gelegenen Polignano a Mare.

Die Fahrt entlang der Küstenstraße war wenig überraschend. Große Villen und schöne Ferienwohnanlagen versperren den Zugang zum Meer, das links von mir liegt. Alles ist gepflegt, verfallene Häuser sah ich keine, aber menschenleer. Zwei Feriendörfer waren so ausgestorben, dass ich dort nicht einmal ein Café fand, wo ich frühstücken konnte. 

Polignano a Mare sah ich schon von weitem auf den Kreidefelsen liegen. Es blies den ganzen Tag lang ein starker auflandiger Wind aus Südost, der hier Yugo oder Scirocco genannt wird. Über den Himmel stürmten dunkle Wolken, so dass das Wasser nicht wie in den Prospekten türkisblau strahlte, sondern grau.

Aber auch das Grau bildet einen reizvollen Gegensatz zu den überwiegend weiß gestrichenen Häusern in einer gepflegten Altstadt. Es ist mir unerklärlich, warum solche Erhaltungsmaßnahmen nicht auch zum Beispiel in Catania, Acireale oder Acitrezza möglich sein sollten. Denn auch aus Apulien sind Menschen in den Norden oder ins Ausland abgewandert. Auch hier stehen die Häuser eng beieinander in verwinkelten Gassen.

Polignano a Mare wuchs auf einem Kalksteinfelsen, den schon die Römer entlang der Via Traiana nutzten, später prägten Byzantiner, Normannen und Aragonesen die Stadt.

Polignano erinnert auch an Domenico Modugno, dessen Denkmal über der Bucht steht. Von hier stammt der Mann, der mit Volare Italiens berühmtestes Lied in die Welt trug.

Ich werde heute Nacht herausfinden, wovon ich gestern geträumt habe. 

Ich habe ein Zimmer in einem Haus, dessen Gewölbe zwischen 300 und 600 Jahre alt ist. Dieses Gewölbe hat Generationen von Normannen, Aragonesen, namenlosen Händlern und Flüchtlingen Schutz geboten, und jetzt auch mir eine Nacht. Diese Mauern haben Scirocco und Geschichte überdauert, und mehr Geschichten gehütet, als ich je erfahren werde.

In der Altstadt gibt es sehr viele Treppen. Einige sind mit Gedicht-Graffitis geschmückt: der Autor ist ein Mann, der sich „Guido il Flâneur“ nennt und seit dreißig Jahren die Gassen Polignanos mit Versen und Aphorismen beschriftet. Einer drückt das Gefühl aus, das auch ich beim Flanieren durch die Gassen bekomme: Questo luogo è stato creato prima del Paradiso. Dieser Ort wurde vor dem Paradies geschaffen.

Qui, anche le paroleodorano di maree di zefiri. E il silenzio,silenzio come rugiada,scende dal cielovigilando i nostri cuori,mare di Polignano.

Hier duften selbst die Worte nach Meer und nach Zephiren. Und die Stille, Stille wie Tau, fällt vom Himmel und wacht über unsere Herzen, Meer von Polignano.

Auf einer anderen Treppe stand:

Ogni viaggio lo vivi tre volte: quando lo sogni, quando lo vivi e quando lo ricordi.

Jede Reise erlebst du dreimal: wenn du davon träumst, wenn du sie erlebst und wenn du dich daran erinnerst.

Wundert sich jemand, dass ich lange auf dieser Treppe saß?

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