16.04.2026 Monopoli – Alberobello – Locorotondo – Brindisi – Lecce

Früh verließ ich Monopoli, um möglichst vor den Touristenbussen in Alberobello zu sein. Ich hatte großes Glück: Der Parkplatz war noch ganz leer, als ich ankam und Schlumpfhausen besichtigen wollte. 

Dieser Ort könnte aus einem Schlumpf-Comic stammen. Die Häuser, sie werden Trulli genannt, sind Rundbauten von vielleicht acht Metern Durchmesser und massiven Wänden, die wohl einen halben Meter dick sind. 

Im Innenraum gab es eine Feuerstelle, und in Kopfhöhe befand sich eine hölzerne Decke unter dem kegelförmigen Kalksteindach, wo bis zu 10 Kinder schliefen. So hatte es mir jedenfalls jemand im Innern eines geöffneten Trullo gezeigt, und ich sah keinen Grund, daran zu zweifeln. Die weißen Trulli stehen dicht an dicht auf einem Hügel. 

Durch ein nettes Ehepaar aus Südengland erfuhr ich, dass sie seit dem Brexit unter den Reisebeschränkungen leiden. Früher waren sie mal achtzehn Monate im Wohnmobil in Europa unterwegs, jetzt dürfen sie nur noch alle sechs Monate für 90 Tage im Schengenraum aufhalten. Das ist eine Tatsache, die mir noch nicht bekannt war. 

Die Landschaft wird hier durch Weinberge, rote Erde, Steinmauern und verstreute Trulli geprägt. Ideal zum Fahrradfahren und gemütlich durch die Landschaft zu rollen.

Ich verließ diesen verwunschenen Ort, um nach Locorotondo zu fahren, das wie ein weißer Kranz auf einem Hügel liegt. Der Grundriss ist makellos geometrisch. Die engen Gassen wirken wie poliert. Von den Aussichtspunkten fällt der Blick weit über die Valle d’Itria, ein Panorama aus Weinreben, Olivenbäumen und verstreuten Trulli. Die umliegende Landschaft sieht aus wie ein riesiger Garten aus ordentlichen Hainen von Oliven- und Mandelbäumen.

Der nächste Stopp sollte Brindisi sein. Ich kurvte ziemlich lange durch die Stadt, um zum Zentrum zu kommen, und hatte das Gefühl, dass mir diese Stadt, obwohl eine Hafenstadt, nicht gefällt. Was ich sah, wirkte wenig einladend, sogar ärmlich. Erst später, beim Weiterfahren, wurde mir klar, dass ich Brindisi vielleicht doch kein Unrecht getan hatte. Es ist der südlichste Fährhafen Italiens, täglich legen Schiffe nach Griechenland und Albanien ab. Deshalb fuhren soviele Lastwagen in der Stadt herum. 

Bei Casalabate fuhr ich ans Meer, wo es kilometerlange, weiße Sandstrände und kleine Dünen gab. Die Ferienhäuser standen leer, und so konnte ich einen der wenigen Parkplätze nutzen und einen Spaziergang am Meer machen.

Schon bei der Einfahrt nach Lecce hatte ich ein anderes Gefühl. In den Vororten gab es schöne, moderne Mehrfamilienhäuser und nette Villen. Die Einfahrt zur Altstadt ist nur zu bestimmten Tageszeiten möglich. Ich musste etwas warten, bevor ich in einem Probelauf feststellen konnte, wo sich meine Unterkunft befindet, um dann anschließend eine Strategie zu entwickeln, wie ich das Gepäck vom Parkplatz dorthin befördern sollte. Zum Glück fand ich einen günstigen Parkplatz, nur 0,60 €/Std., in fünfhundert Metern Entfernung.

Lecce war vom barocken Fieber erfasst, als es in seiner jetzigen Form gebaut wurde, zwischen dem sechzehnten und achtzehnten Jahrhundert, unter Karl V. und dessen Erben. Das Besondere ist, dass der verwendete Stein hier kein Sandstein ist, sondern ein weicher Kalkstein, die sogenannte Pietra Leccese, und dieser Stein ist honigfarben. 

Als Baumaterial ist er weich genug, um ihn barocke Formen zu meißeln und hart genug, um Jahrhunderte zu überdauern. In der untergehenden Sonne, zwischen Kirchen, Palazzi und stillen Innenhöfen, entsteht ein Gefühl von Eleganz, das gleichzeitig monumental ist, ohne aufdringlich zu sein.

Die schlichte Fassade in der engen Gasse ließ nicht erahnen, wie schön meine „Sandburg“ für zwei Nächte sein würde. Ich stellte das Gepäck ab und zog sofort los, um durch die Altstadt zu flanieren, in deren Herzen ich abgestiegen war. 

Und nun schlafe ich unter einem Gewölbe, das vielleicht vor 500 Jahren gebaut wurde, aus einem Material, das 20 Millionen Jahre alt ist. Wahnsinn.

Vor dem Zubettgehen aß ich in der Nachbarschaft in einem gemütlichen Lokal und ließ den Tag Revue passieren.

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