18.04.2026 Lecce – Acaya – Otranto – Gallipoli

Meine erste Station sollte die Kathedrale von Otranto sein, weil der gesamte Boden des Mittelschiffes mit einem riesigen Mosaik aus dem 12. Jahrhundert bedeckt ist. Ein Lebensbaum mit allerhand Tieren, Fabelwesen, Rittern und König Alexander sind dargestellt und ganz unten am Stamm des Baumes Adam und Eva. Der Detailreichtum und die handwerkliche Ausführung sind auch heute noch beeindruckend und müssen den Menschen vor 800 Jahren wie ein Wunder vorgekommen sein.

Bevor ich aber in Otranto zu der Kathedrale hinaufsteigen konnte, musste ich zuerst die gewaltige Stadtmauer neben der aragonesischen Burg über eine Treppe überwinden. Der Spaziergang zu der Kirche ging durch helle verwinkelte Gassen einer mittelalterlichen Stadt, die auf einer kleinen Insel liegt. Sie ist umgeben von wirklich türkisblauem Wasser – ohne Photoshop. Die Sonne schien, aber der kräftige auflandige Wind drückte die 21 Grad auf gefühlte 16.

Dabei hatte die Fahrt ganz anders begonnen, nämlich mit einem außerplanmäßigen Stopp in Acaya. Der kleine Ort, eine ehemalige Garnisonstadt, ist von einer vollständigen Stadtmauer umschlossen. In einem kleinen Caffè bekam ich ein italienisches Frühstückchen und einen kleinen Plausch mit Schülern, die für den nächsten Gottesdienst in der Kirche die musikalische Begleitung proben wollten.

Einen weiteren spontanen Stopp machte ich bei der Grotta della Poesia. Durch eine Laune der Geologie war hier ein ziemlich großer Pool entlang der felsigen Küste entstanden. Ich hatte große Lust, in dem frischen Meerwasser zu schwimmen, weil der Wind und die Wellen dort unten nicht hinkamen. Aber meine letzte Erfahrung mit Klettern und Springen hielt mich davon ab.

Die Fahrt nach Otranto und von dort weiter nach Gallipoli folgte der Küstenstraße durch kleine Pinienwälder und bunt blühende Wiesen. Einen längeren Spaziergang machte ich beim Leuchtturm von Santa Maria di Leuca und Bosco di Tricase. Ich hatte genügend Zeit, um darüber nachzudenken, warum man ihn nicht oben auf die hohe Klippe gesetzt hatte. Ich bin aber zu keinem Ergebnis gekommen. Hätte ich mein kleines Zelt dabeigehabt, wäre ich sicherlich auf dem Campingplatz von Porto Badisco geblieben, weil man dort zwischen den Pinien sein Zelt aufstellen kann.

Die einfache und praktische Unterkunft mit Meerblick in Gallipoli liegt im modernen Stadtteil, außergewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist das Farbkonzept – eine Variation aus blassem Pink und Lila.

Die Altstadt liegt auch hier auf einer Insel, die durch die Burg am Eingang und eine hohe Stadtmauer geschützt wird. Auf dem Weg dorthin leuchtete mir das Farbkonzept ein, denn in der Hafeneinfahrt gab es tatsächlich einen rosafarbenen Leuchtturm.

Auch hier in Gallipoli schlenderte ich durch enge Gassen mit kleinen Geschäften, die immer dieselben Souvenirs anbieten. Auch hier sind junge Männer aus Senegal unterwegs und versuchen, Schmuck zu verkaufen. Manchmal haben sie Glück. Glück hatte nur ein Mann, der mit seinem vielleicht fünfjährigen Sohn vor mir stand, um mir etwas zu verkaufen. Ich wies ihn nicht ab, damit sein Sohn sieht, dass sich die Arbeit seines Vaters lohnt. Still wünschte ich ihm wie auch den anderen, dass sie alle bald richtige Arbeit finden.

Da ich schon seit Tagen keinen Sonnenaufgang mehr gesehen hatte, freute ich mich auf den Sonnenuntergang gegen halb acht beim Abendessen. Und noch mehr freute ich mich über den Besuch von „Möwe Jonathan“, die mich an das wunderbare Buch von Richard Bach und die großartige Musik von Neil Diamond für den herausragenden Film erinnerte. Mir scheint, dass hier etwas sehr Seltenes gelungen ist: eine Geschichte, die in allen drei Kunstformen gleichermaßen eindrucksvoll funktioniert.

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