19.04.2026 – Gallipoli - Marina di Pulsano – Matera

Zum Frühstück wurde mir ein Croissant und ein Cappuccino ins Zimmer serviert – ein guter Start in einen Tag, der mich rund 180 km in Richtung Norden bis nach Matera führen sollte. Ich gab dem Navi vor, möglichst an der Küste entlangzufahren und Tarent zu umfahren, weil diese Hafenstadt so ähnlich wie Brindisi sein soll. Die reine Fahrzeit von knapp drei Stunden wurde immer wieder durch kleine Stopps und Spaziergänge unterbrochen.

Manche Orte habe ich mir gemerkt, weil sie mir auf Anhieb so gut gefielen, dass ich sie vielleicht noch einmal mit mehr Zeit besuchen möchte:

Marina di Lizzano: Fast sieben Kilometer Küste mit hellem Sand und kristallklarem Wasser, eingebettet in Dünensysteme von bemerkenswerter Integrität, die von der UNESCO als Umwelterbe anerkannt sind. Der Ort macht trotz allem einen angenehm entspannten, authentischen Eindruck.

Talsano – San Vito – Lama: Das sind drei küstennahe Wohnviertel südlich von Tarent, die sich aneinanderreihen. Ruhige Buchten, kaum Touristen, dafür aber viel Alltag – das heißt Familien beim Sonntagspicknick direkt am Ionischen Meer.

Torretta Mare: Ein malerischer Küstenort in Marina di Pulsano, bekannt für kristallklares Wasser. Einer von mehreren Orten, die man nur findet, wenn man Tarent umfährt und die kleinen Küstenstraßen nimmt.

Pulsano – Monti d’Arena / Bosco Caggione: Die Küste von Marina di Pulsano erstreckt sich über rund acht Kilometer und zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Abfolge von Buchten mit feinem Sand, flachen Gewässern und felsigen Abschnitten aus.

Die Höhlen von Laterza habe ich mir nicht angesehen und die Schlucht auch nicht durchwandert – es war einfach zu heiß. Über Mittag war das Thermometer auf 25 Grad gestiegen. Die Gravina di Laterza gilt als der „Grand Canyon Apuliens“ und zieht sich über 12 Kilometer durch den Naturpark Terra delle Gravine. Offenbar gibt es gut ausgeschilderte Wanderwege durch das Tal – die Route entlang des Schluchtrandes wird als angenehm und moderat eingestuft und bietet bunte Wildblumen, unzählige Eidechsen und grandiose Ausblicke in die Tiefe. Die Wanderer, die mir am Aussichtspunkt entgegenkamen, sahen glücklich aus – und sehr verschwitzt.

Etwas verschwitzt kam ich dann auch in Matera an. In die Altstadtzone durfte ich nicht einfahren und musste das Gepäck deshalb ein Stück den Berg hinaufziehen – und dann noch in den zweiten Stock hochtragen. Das Beste am Zimmer ist die Aussicht auf die Schlucht und einige Höhlen der Sassi.

Die Sassi di Matera sind das eigentliche Herzstück der Stadt – und einer der beeindruckendsten Orte ganz Süditaliens. Die Altstadt ist an den Felswänden der Gravina-Schlucht gebaut: ein riesiges Labyrinth aus Steintreppen, Terrassen, engen Gassen und Höhlenwohnungen. Die Höhlen im löchrigen Kalkstein wurden seit Jahrhunderten besiedelt, erweitert und ausgebaut – es entstanden Wohnungen, Ställe und wunderschöne Felsenkirchen mit farbenprächtigen Fresken.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten hier Menschen unter ärmlichsten Verhältnissen, ohne fließendes Wasser oder Strom – ganze Großfamilien zusammen mit ihrem Vieh in einer einzigen Höhle. Die Stadt galt damals als „vergogna nazionale“, als Schandfleck Italiens, und die Bewohner wurden zwangsweise in neue Stadtviertel umgesiedelt. Seit 1993 gehören die Sassi von Matera zum UNESCO-Weltkulturerbe. Heute sind die einstigen Höhlenwohnungen liebevoll restauriert und beherbergen Restaurants, Boutique-Hotels und Ateliers. Matera war zudem Europäische Kulturhauptstadt 2019 und diente als Filmkulisse für Produktionen wie „Die Passion Christi“.

Der Blick von der einen Seite der Schlucht auf die andere erinnerte an die Zeichnungen von M. C. Escher. Das Gewirr aus Häusern und Treppen weckte in mir auch die Erinnerung an Ghardaïa in der Mitte der algerischen Sahara, das Ziel meiner ersten großen Reise im Jahr 1979. Auch in der Kasbah von Ghardaïa führen Treppen über die darunterliegenden Häuser zur nächsten Ebenen, mit derselben schwindelerregende Escher-Logik. Den fast 50 Meter Höhenunterschied überwindet man – wenn man sich überwindet, zu Fuß zu gehen – über viele, sehr viele Treppen. Esel, die faule Touristen hochtragen, gibt es zum Glück nicht, aber kleine Taxis. Auf meinen Puls achtend, dauerte es eine Weile, bis ich auf der anderen Seite die Treppen zur Kathedrale erklommen hatte. Die Holzdecke ist sehr beeindruckend bemalt und alles andere mit reichlich Gold verziert. Für den Rückweg ließ ich mir viel Zeit – auch weil ich unterwegs noch zu Abend aß.

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