
Kurz nach fünf bin ich wach. Ich öffne die Fensterläden, wickle mich wegen der morgendlichen Kühle in die Bettdecke und setze mich zur Meditation auf das Bett. Vor mir beginnt der Tag zu erwachen. Ein kaum merkliches Hellerwerden, bis die Sonne um 6:16 Uhr über den Horizont steigt und mich mit ihren ersten Strahlen trifft. Wärme breitet sich in meinem Gesicht aus, und für einen Augenblick habe ich das Gefühl, vom Rauschen der Wellen fortgetragen zu werden. Ich lasse mich mitnehmen – ganz still, ganz leicht.
Auf diesen Moment habe ich mich ein Jahr lang gefreut.

Zum Frühstück gibt es heißes Wasser mit frischem Zitronensaft, dann einen doppelten Espresso mit einem Schuss Milch. Auf Reisen halte ich meine Presseschau kurz – der Morgen gehört dem Licht, nicht den Nachrichten.

Da ich nun schon einige Zeit unterwegs bin, kümmere ich mich um meine E‑Mails und die Post, die mir meine deutsche Erika zuverlässig weiterleitet.
Zum Mittagessen bin ich bei meiner italienischen Erika eingeladen. Es gibt frisierte Auberginen und gebratene Aubergine in Tomatensauce zu Maccheroni, dazu einen grünen Salat. Einfach, ehrlich, unschlagbar gut. Zum Abschluss lade ich sie zu Gelati und Caffè in eine Bar am Hafen ein. Vier Stunden vergehen wie im Flug; wir haben viel nachzuholen.

Auf dem Rückweg kaufe ich eine Moka Express, einen dieser zusammenschraubbaren Espressokocher. In meiner Unterkunft steht nur eine Kapselmaschine – praktisch, aber verschwenderisch. Die Moka ist die bessere Wahl: weniger Müll, mehr Seele.
In italienischen Hotels begegnet einem meist einlagiges Toilettenpapier, feiner als das Seidenpapier, mit dem man Glas verpackt. Für eine sichere Handhabung muss man es mehrfach falten – als wäre drei- oder vierlagiges Papier noch nicht erfunden. Vier Rollen Dreilagiges für einen Euro beenden den täglichen Verdruss.
Jetzt sitze ich hier, trinke mit Genuss einen Espresso und schreibe diesen kurzen Tagesbericht.
Auf meiner Festplatte habe ich eine ganze Reihe von Filmklassikern mitgebracht. Filme, die Geschichte geschrieben haben – wegen ihrer Storys, ihrer Schauspieler, ihrer epochemachenden Kameraführung oder ihrer Musik, die in den Ohren und im Gedächtnis hängen geblieben ist.
