10.03.2026     Palermo → Catania → Acireale

Den ersten Espresso trank ich bei Sonnenaufgang, um halb sieben. Der Koffer wird gepackt, sämtliche Kabel im roten Sack verstaut und im Rucksack versenkt, bevor ich zum Frühstück auf die Gasse trete.

MacBook, iPad, zwei iPhones und die iWatch verlangen täglich Strom, jedes mit seinem eigenen Kabel. Die mitreisende Dreifachsteckdose muss bei nächster Gelegenheit einer mit vier Anschlüssen weichen. Einen internationalen Adapter für italienische Steckdosen habe ich ebenfalls dabei; gelegentlich muss man dieses fragile Steckergebilde in seiner wackeligen Statik stützen. Damit bei der Abreise nichts liegen bleibt, bewahre ich alles in einem großen roten Beutel auf, der selbst als Gedächtnisstütze offen auf dem Koffer liegt.

Das Hotel hatte das Taxi bereits gestern für 9.45 Uhr bestellt – wohl mit Sicherheitsreserve, falls ich ein zweites bräuchte, um rechtzeitig zur Busstation zu gelangen. Das Taxi war aber pünktlich, und zehn Minuten später stand ich am Ziel. Ohne Mühe konnte ich in den 10‑Uhr‑Bus steigen und musste nicht auf den späteren warten.

Die Fahrt war bequem, und ich genoss die Aussicht auf die grüne Landschaft. Das Hinterland von Palermo ist zunächst bergig, dann sanft hügelig und weitgehend landwirtschaftlich genutzt. Die gewonnene Stunde verbrachte ich in einer sehr schönen Bar, trank einen Smoothie und schrieb bei angenehmer Musik – Michael Franks und Mario Biondi – den Beginn dieses Eintrags.

Den Weg ins 15 Kilometer nördlich gelegene Acireale fand ich ohne Navi, das ich sicherheitshalber eingeschaltet hatte, weil ich mit Umleitungen aufgrund der Sturmschäden rechnete. Eine halbe Stunde nach Öffnung der Avis‑Autovermietung um 15 Uhr saß ich bereits in einem schicken Clio und war unterwegs.

Bei Ciclone, „meinem“ Supermarkt, hielt ich an, um Milch für den Kaffee und Joghurt fürs Müsli zu kaufen. Es war ein sonderbares, fast heimisches Gefühl, wie selbstverständlich durch den Laden zu streifen und mich daran zu erinnern, wo ich meine Siebensachen fand.

Die Schlüsselbox ließ sich dank Claudias WhatsApp‑Videos leicht öffnen – ebenso die Wohnung, in der ich vor zwei Jahren das Manuskript für die Biographie geschrieben habe. Zwei Wochen vor meinem geplanten Kurzurlaub im vergangenen Jahr fand ich mich plötzlich auf der Intensivstation wieder. Es ist dem Geschick meiner Ärzte, dem Team der Pfleger und den vielen Tabletten zu verdanken, dass ich heute hier sein kann. Auf diesem Wege sende ich einen herzlichen Dank und Gruß.

Meine Vermieter Claudia und Sergio hatten einen kleinen Willkommensgruß bereitgestellt, der mir das Frühstück der nächsten Tage versüßen wird. Die Zitronen werde ich morgens mit warmen trinken, was mir einen guten Tag beschert. Sauber macht lustig.

Nachdem ich mich eingerichtet habe, schreibe ich noch schnell diese Zeilen, während draußen das Meer rauscht. Wenn ich den Tagesbericht ins Netz gestellt habe, werde ich die Musik ausmachen und nur noch dem Meer zuhören.

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