Nach einem gemütlichen Frühstück mit ausgiebiger Zeitungslektüre bereite ich meinen heutigen Museumsbesuch vor.
Zwischen 1951 und 1961 erlebte Turin einen massiven Bevölkerungsanstieg um 306.000 Menschen in nur zehn Jahren – vor allem durch die Arbeitsmigration zu FIAT. Aus einer regionalen Hauptstadt wurde im 20. Jahrhundert eine Millionenstadt, die 1974 ihren Höchststand erreichte und heute wieder bei rund 850.000 Einwohnern liegt.

Nach der Emanzipation von 1848 waren die Juden in Turin erstmals vollwertige Bürger. Viele Familien stiegen wirtschaftlich auf, gründeten Unternehmen und prägten das politische und kulturelle Leben der Stadt. Die Gemeinde war selbstbewusst, optimistisch und wollte ein repräsentatives Zeichen setzen.
Der Bau der Synagoge sollte ursprünglich nur 47 Meter hoch werden. Doch während der Bauphase trieb Architekt Alessandro Antonelli die Höhe auf über 160 Meter – ohne Rücksicht auf Kosten oder statische Komplexität. Die veranschlagten 280.000 Lire waren 1876 bereits auf 692.000 Lire angewachsen, und der Bau war immer noch nicht fertig. Die Gemeinde war finanziell überfordert und verkaufte das Gebäude 1877 an die Stadt, die sich bis heute über die finalen Fertigstellungskosten ausschweigt.
Egal – die Mole Antonelliana wurde 1889 mit 167,5 Metern vollendet und war damals eines der höchsten Gebäude der Welt sowie der höchste Ziegelbau überhaupt. Heute sind alle stolz auf dieses einmalige Bauwerk. Eine Geschichte, die mir irgendwie bekannt vorkommt.

In der Mole Antonelliana befindet sich heute das Museo Nazionale del Cinema, eines der bedeutendsten Filmmuseen der Welt. Es ist spektakulär inszeniert und erzählt die Geschichte des bewegten Bildes – von optischen Spielzeugen des 18. Jahrhunderts bis zum zeitgenössischen Kino. Die Produktionsschritte von der Idee, der Produktion, den Aufnahmen, dem Schnitt und dem Vertrieb werden ausführlich erklärt.


Vier Stunden habe ich dort staunend verbracht und viele Entdeckungen gemacht, aber auch alte Bekannte wiedergetroffen: Stars der 1960er Jahre wie die Kessler-Zwillinge und Helmut Berger, aber auch die Scherenschnittpionierin Lotte Reiniger aus Tübingen.

Die Mole selbst dient als riesiger, vertikaler Ausstellungsraum, der sich über mehrere Ebenen nach oben öffnet. Besucher können mit dem gläsernen Panoramalift bis unter die Spitze fahren und den Blick über Turin genießen. Die Fahrt habe ich mir verkniffen – mir war schon schwindelig genug von der langen, spiralförmig nach oben führenden Rampe, die als Galerie dient. Kleine Randnotiz: Auch dieses Museum war völlig überheizt!

Die tägliche Nahrungssuche ist in einer Stadt wie Turin einfach – aber wer die Wahl hat, hat die Qual. Bei besonders einladenden Restaurants bleibe ich stehen und lese mit Genuss die Speisekarten. Ich widerstehe den Verlockungen bis zur mit mir vereinbarten Zeit und esse dann im nächstbesten Lokal.
Trotz Super Promotione! und Super Sconti 70%! kaufe ich nichts, um meinen Koffer nicht zum Bersten zu bringen.
Während ich so durch die Stadt flaniere und meinen Gedanken nachgehe, halte ich sie auf dem Handy fest. Das erleichtert mir das Schreiben am Abend. Bei einem Aperitivo mache ich es mir heute gemütlich und schreibe einen Text über das Reisen – und später das Tagebuch.
Wie durch ein Wunder 😉 stand ich vor dem Lokal, in dem ich gestern so vorzüglich gegessen habe.

Bueno Notte!