24.06.2026 Berlin

Es geht wieder los…..

Mini-Urlaub. Mit neun Minuten Verspätung verlässt der 9:32-Zug nach Berlin den Hamburger Bahnhof. Alle Fahrgäste sind froh, aus der sich heute bis zu 35 Grad steigernden Hitze in den wohl temperierten Zug zu steigen. Für die nächsten Tage sind ähnliche Temperaturen für Berlin vorhergesagt. So habe ich Berlin noch nie erlebt.

In Berlin gehts rund…

26 Jahre lang bin ich im Februar zur Berlinale gefahren. Das Wetter war immer so, dass ich nach meinen Kundenbesuchen ab 16 Uhr gern in die Kinos am Potsdamer Platz ging und zwei, meistens aber drei Filme sah. Das war wie eine Reise im Kinosessel. Ich kam mir zuweilen vor wie Alice im Wunderland. Der Vergleich liegt gar nicht so fern, wie ich gestern Abend in der Hamburgischen Staatsoper bemerkte. Dort sah ich das Ballett Wonderland von Alexei Ratmansky, das vor vier Tagen Weltpremiere hatte. Es war ein Fest für Augen und Ohren: eine einfallsreiche Choreografie, kreative Kostüme und eine große Musikauswahl. Vierzig Stücke aus vierhundert Jahren.

Während die Landschaft am Zugfenster vorbeizieht, kommt mir der Gedanke, dass Alice durch den Spiegel tritt und in eine Welt gerät, die ihren eigenen Regeln folgt. Genau das hatte ich 26 Jahre lang in den Kinos am Potsdamer Platz getan. Ich sah Geschichten mit anderen Gesetzen, fremden Kulturen, unterschiedlichen Träumen.

Dieses Mal werde ich Berlin anders erleben. In den vielen Jahren, die ich in die Hauptstadt kam, begrüßte mich mein Freund Gerald mit einem Berlinale-Frühstück. Ich vermisse dieses vertraute Ritual, aber viel mehr noch unsere Gespräche. Gerald ist in diesem Frühjahr verstorben.

Marlene Dietrich und Hildegard Knef sangen von ihrem Koffer in Berlin, gefüllt mit den Seligkeiten vergangener Zeiten. Wann immer ich sie singen höre, denke ich an diesen Koffer. Auch ich habe so einen hier in Berlin, gefüllt mit Erinnerungen von Reisen mit Jan, Inge, Telse, Thorsten, Gunnar, Patrick, Monika, Erika und Gerald.

Mittagspause in einem sardischen Lokal an der Ecke. Ein kleiner Ausblick auf die nächste Reise….

Umso größer ist die Freude, dass ich mit Will und Volker aus Stuttgart verabredet bin. Wir wollen unsere Freundschaft feiern, die 1985 mit einem Segelurlaub begann. Leider haben wir es in all den Jahren nie wieder geschafft, zusammen zu segeln. Aber nun sind die drei Töchter erwachsen, und ich habe die Hoffnung, dass sich das noch einmal ergibt.

Unsere Hotels liegen in der Tieck- und Novalisstraße nur 150 Meter auseinander. Die beiden wohnen im Hotel Honigmond — passend — denn sie feiern ihren 40. Hochzeitstag.

Unweit von hier ist die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Dort sind die alten DDR-Grenzanlagen noch vollständig erhalten. Trotz des herrlich blauen Himmels und über 30 Grad laufen mir immer wieder eiskalte Schauer über den Rücken. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an die Durchfahrten durch solche Grenzanlagen, wenn ich als Kind mit dem Zug zu meinen Großeltern in die Ostzone fuhr. Die bellenden Hunde und die Aufseher in den Türmen fehlen allerdings in der Bernauer Straße. Wortlos betrachten wir eine Wand mit Fotos der Maueropfer, Menschen, die bei ihrem Fluchtversuch starben.

Wir spazierten langsam durch das Quartier, immer die schattige Seite der Straßen suchend. Es hat den Anschein, als sei die ganze Straße ein einziges Straßenlokal. Wir aßen zu Abend in einem, das mit „deutscher Küche“ warb. Um 22 Uhr war es ein wenig kühler geworden, so um die 28 Grad. Viel zu heiß, um gut schlafen zu können.

Impressionen des Tages:

Diese nicht renovierten Häuser werden immer seltener. Sie vermitteln immer noch den Eindruck, wie trist es früher in Ost-Berlin aussah.

Wenn Menschen in der Stadt anfangen, auf dem Friedhof probezuliegen, ist es wirklich zu heiß.

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben