21.04.2026 – Ravenna

Auf meiner großen Italienreise 2023 hatte ich den Umweg über Ravenna nicht gemacht. Umso mehr freue ich mich, nun dieses letzte Detail meiner damaligen Rundreise endlich nachholen zu können.

Ravenna besitzt acht UNESCO-Welterbe-Monumente, alle innerhalb einer einzigen gemeinsamen Stätte – damit hat die Stadt mehr einzeln geschützte Bauwerke als Florenz, Siena, Rom und Pisa, die jeweils nur eine Stätte zählen.

Hier in Ravenna liegt die Konzentration auf Mosaiken, die ungefähr 1.500 Jahre alt sind. Als der Dichter Dante Alighieri, der seine letzten Lebensjahre in Ravenna verbrachte und hier 1321 starb, sie sah, waren sie bereits rund 800 Jahre alt. Als Lord Byron von 1819 bis 1821 in der Stadt lebte, zählten sie immerhin mehr als 1.300 Jahre. Johann Wolfgang von Goethe streifte Ravenna 1786 auf dem Weg nach Rom in großer Eile. Er konnte es kaum erwarten und verweilte nur kurz – wie ich besuchte er jedoch das Grab Dante Alighieris. An den beiden Ausstellungen über den Nationaldichter sieht man die Wertschätzung an, die er auch heute noch genießt. Sie sind mit Multimedia und Touchscreens ausgestattet. Mit mehr Zeit und besserer Vorbereitung wäre der Besuch sicherlich ein echter Hauptgewinn geworden.

Ravennas Kirchen sind nicht aus Felsmaterial, sondern aus Mauersteinen errichtet. In ihrer irdenen Schlichtheit bilden sie einen interessanten Kontrast zu den zum Teil vergoldeten Mosaiksteinchen, die großflächig die Decken zieren.

Ravenna war von 493 bis 553 n. Chr., also gut sechs Jahrzehnte, das Zentrum des Ostgotenreiches. Der Mosaik-Stil wurde im ganzen Reich kopiert. Zuvor war sie Hauptstadt des Weströmischen Reiches (402–476), danach Sitz des Byzantinischen Exarchats – insgesamt also über Jahrhunderte ein bedeutendes Machtzentrum.

Es ist nicht besonders erstaunlich, dass die Farben immer noch kräftig strahlen und man ihnen ihr Alter nicht ansieht. Sie sind aus farbigem Glas, das wie Kirchenfenster nicht verblasst – anders als Fresko oder Tempera trotzt es den Jahrhunderten ohne Farbverlust. Aber ich bekomme wieder eine Gänsehaut, wenn ich mir das Alter und die vielen unterschiedlichen Epochen vorstelle, durch die diese Artefakte auf uns gekommen sind.

Dennoch muss ich sagen, dass ich schon viele eindrucksvolle Mosaike gesehen habe. Zum Beispiel in Palermo in der Capella Palatina und im Dom von Monreale und Santa Maria dell’Ammiraglio. Sie sind allerdings aus dem 12. Jahrhundert und damit rund 600 Jahre jünger als jene in Ravenna. Sie entstanden unter normannischer Herrschaft im sogenannten normannisch-arabisch-byzantinischen Stil, einer faszinierenden Verschmelzung dreier Kulturen und Stile. Dabei wirken die beiden Orte trotz ihrer Verwandtschaft ganz unterschiedlich: die Cappella Palatina ist kompakt und von fast intimer Intensität, während Monreale mit dem flächenmäßig größten normannischen Mosaikprogramm der Welt schlicht überwältigt.

Anders beeindruckt war ich jedoch von den riesigen Mosaiken in der Villa Romana del Casale auf Sizilien. In einem profanen Gebäude unter anderem ein Mosaik von etwa 65 m Länge zu sehen, ist schier unglaublich. Bilder davon finden sich in meinem Reisebuch-Eintrag von damals: https://grigat.me/?s=Villa+Romana+del+Casale

Ich hatte Glück, dass keine Kreuzfahrtgäste in Horden die Zugänge zu den Kirchen versperrten und ich länger im Regen stehen und warten musste. Es waren nur zwei italienische Schulklassen und eine Gruppe dänischer Studentinnen mit mir unterwegs. Der Regen schien nicht aufhören zu wollen, und so machte ich eine etwas längere Kaffeepause in einem Café am Kamin, da ich erst um 13:00 Uhr eine weitere Kapelle besichtigen konnte.

Ravenna ist eine ruhige, gemütliche Stadt. Da sie insgesamt einen sehr wohlhabenden Eindruck macht, habe ich mich gefragt, wovon sie lebt, und nachgeforscht. Das Geld wird weniger mit Tourismus als von der Industrie verdient, in der Hauptsache mit Petrochemie und Erdgasgewinnung. Seit der Entdeckung gewaltiger Methanvorkommen vor der Küste im Jahr 1957 produzieren Offshore-Anlagen im Adriatischen Meer rund ein Drittel des in ganz Italien verbrauchten Erdgases. Die ungetümen Plattformen sah ich auf der Zugfahrt im Meer. Der bedeutende Hafen für Schüttgüter und Agrarprodukte sowie der Schiffbau tragen ebenfalls zum Wohlstand bei.

Am Nachmittag war ich am Bahnhof, um die Weiterfahrt nach Triest zu organisieren, wo ich ein oder zwei Tage bleiben werde.

PS: Die Fotos von den Kirchen und Mosaiken können im Internet bei Bedarf gegoogelt werden.

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