
Auf dem Weg von der Altstadt zu meiner Unterkunft ging ich durch die Via Roma, über der der Liedertext von Volare leuchtet. Man muss die Gasse ziemlich zügig entlanggehen, um den Text im Takt des Liedes zu singen. Dabei denke ich über ein Graffiti nach, das ich kurz zuvor gesehen hatte.
La vita è come uno specchio ti sorride se la guardi sorridendo. Das Leben ist wie ein Spiegel: Es lächelt dich an, wenn du es lächelnd ansiehst.
Dieser Gedanke begleitet mich, denn er gilt für Begegnungen mit Menschen ebenso wie für Städte und Landschaften. Wer die Welt mit Empathie betrachtet und nicht nur das Äußere, sondern auch die Umstände wahrnimmt, entdeckt viel Schönes.
Der direkte Weg nach Monopoli ist sehr kurz, nämlich nur 11 km. Ich entschied mich für einen Umweg von 100 km, um das bergige Hinterland kennenzulernen. Von Polignano ging es über Martina Franca, Cisternino, Selva di Fasano, Fasano Centro, Egnazia, Savelletri, Torre Canne nach Monopoli.

Ich nahm mir Zeit für kleine Spaziergänge, um mir die sich gleichenden Städtchen anzusehen. Auch hier fällt mir auf, dass alles heller wirkt, obwohl die Sonne nicht scheint. Die Häuser sind weiß oder in hellen Farben gestrichen oder aus hellem Sandstein gebaut. Die Fußwege und Straßen haben einen weißen Straßenbelag, der aus Kalkstein besteht. Durch der durch jahrzehntelange Abnutzung so glatt und hell wirkt, dass er fast an Marmor erinnert.

Die Landschaft gleicht hier mehr einem privatisierten Garten Eden. Auf riesigen Grundstücken stehen große Villen in wunderschönen Gärten. Bei manchen Anwesen, die eigentlich „Abwesen“ heißen müssten, weil ihre Besitzer sie nur für zwei bis drei Wochen im Sommer benutzen, bekam meine Phantasie Flügel. Wie es wohl sein mag, in so einem Haus einmal ein Jahr zu leben. Aber ein Jahr ohne Alster? Dieser Gedanke holt mich schnell in die Gegenwart zurück.
Die schöne Aussicht auf die Adria, die von Reiseführern gepriesen wird, konnte ich nicht genießen, weil es diesig war und es gelegentlich nieselte. Schade.

Die Ausgrabungen einer römischen Siedlung bei Egnazia waren geschlossen, nicht aber das neue Museum, das die Ausgrabungsfunde zeigte. Das Alter der Funde war beeindruckender als die Funde selbst.
Meine Unterkunft in Monopoli liegt am Rand der Altstadt und in unmittelbarer Nähe von zwei Badestellen, die zwischen den Felsen lagen. Bei meiner Ankunft schien die Sonne und ich freute mich, dass die Wohnung eine überdachte Terrasse zur Straße und eine weitere hinter dem Haus hatte. Das zweite Schlafzimmer blieb ungenutzt, nicht aber die Waschmaschine: Kurzprogramm, Wäscheleine .
Danach Abmarsch in die Altstadt von Monopoli. Auch hier verlief ich mich in den engen, verwinkelten mittelalterlichen Straßen, um dann doch wieder plötzlich am Ausgangspunkt zu stehen.

Meine erste Mahlzeit heute nahm ich in einem Restaurant, das sich auf den Klippen befand. Hier genoss ich die Aussicht auf die Altstadt, hinter der sich die Sonne versteckte.

