
Aufgrund eines Netzausfalls in meiner Straße bin ich nach Catania gefahren, um in einem Café mit WLAN das Tagebuch zu aktualisieren und ausführlich online Zeitung zu lesen. Die Temperatur steigt auf 21 Grad – für mich ein idealer Sommertag.
Auf dem Platz vor der Universität wird auf großen Bannern das 14. Etna Comics angekündigt, das vom 30.05. bis 02.06.2026 hier stattfinden soll. An diesem Wochenende präsentieren sich aber lokale Comic-Künstler mit ihren sehenswerten Arbeiten. Viele von ihnen studieren hier an der Universität.

Mit ebenso großem Einsatz tragen Mädchen und junge Frauen ihre Manga-Kostüme zur Schau. Manche Outfits sind gelungene Kopien bekannter Figuren, die zwischen 60 und 200 Euro kosten – und tatsächlich Käuferinnen finden. Gleich daneben werden Pokémon-Sammelkarten für Preise zwischen 0,50 und 1.500 Euro angeboten – und gekauft.

Bisher habe ich beide Phänomene wahrgenommen, aber ohne besonderes Interesse. Die Gespräche waren jedoch ebenso anregend wie ein Museumsbesuch. Ich kann die Begeisterung für solche Spleens nicht teilen, aber ich kann mich über die Begeisterung der anderen freuen.
In der Nähe meines geparkten Autos gibt es vielleicht das beste Restaurant für Arancini. Diese Reiskegel sind mit Käse und Fleisch, Wurst, Gemüse, Pilzen oder Pistazien gefüllt. Hier werden sie erst auf Bestellung frisch frittiert, wodurch sie eine knusprige Hülle bekommen und zu einer kleinen Delikatesse für den Hunger zwischendurch werden.
Auf dem Nachhauseweg fuhr ich einen kleinen Umweg und stoppte im Café von Stazzo, nur ein paar Kilometer weiter nördlich von meiner Unterkunft. Der Sturm hatte dort mehrere Häuser schwer beschädigt. Trotz der vielen Sachschäden ist bei dieser Katastrophe tatsächlich niemand gestorben.


Zum Schluss noch etwas zum Nach-Denken:
Auf dem zentralen Marktplatz von Catania hatte ich die Zutaten für mein Abendbrot gekauft: Käse, Oliven, Artischocken, getrocknete und frische Tomaten. Zusammen mit norwegischem Knäckebrot ergab das ein feines Abendessen.

Kleine alltägliche Momente bieten oft einen frischen Ansatz für eine analytische Meditation. Als ich heute Vormittag im Café saß und meine Tasse Kaffee in der Hand hielt, stieß mich jemand an und ich verschüttete den Kaffee. Warum verschüttete ich Kaffee?

Man möchte spontan sagen: weil mich jemand anstieß. Doch das erklärt nur den äußeren Anlass. Der eigentliche Grund liegt näher: Ich verschüttete Kaffee, weil Kaffee in der Tasse war. Wäre Tee darin gewesen, hätte ich Tee vergossen. Wir vergießen immer das, was wir in uns tragen.
Wenn das Leben uns anstößt – und es tut das regelmäßig –, tritt zutage, was in unserem Inneren ist: Angst oder Zuversicht, Kleinlichkeit oder Großzügigkeit, Ärger oder Gelassenheit, Hass oder Liebe, Neid und Mitgefühl.
Daraus ergibt sich für mich eine einfache Einsicht: Ich bin verantwortlich dafür, womit ich meinen Geist fülle. Gebete wie das Vaterunser oder im Buddhismus die „Sieben Zweige“ erfüllen keine Wünsche, aber sie schaffen eine gute innere Haltung. In diesem Sinne ist Meditation eine Geistesschulung.
Denn eines ist sicher: Der nächste Stubs kommt bestimmt.
