13.05.2026 Artemis

Diese Fahrt ist als Schnupperfahrt gedacht, also für Menschen, die einmal eine Reise auf einem Großsegler ausprobieren wollen. Um sie mit zu viel Wasser nicht zu überfordern, werden wir den Abend im Hafen von Heiligenhafen verbringen. Anders als bei meinen vorherigen Segelreisen, wo wir nur wenige Häfen angesteuert haben, geht es dieses Mal nicht darum, Strecke zu machen. Mir soll es recht sein.

Nach einem gemütlichen Frühstück gingen wir ins Marinemuseum von Marstal. Ich hatte ein kleinformatiges Heimatmuseum erwartet und war sehr überrascht, ein richtig tolles Museum vorzufinden. Phantasievoll in Szene gesetzt: Bilder und Modelle von Schiffen, die hier gebaut worden sind oder deren Eigner hier zu Hause war.

Gegen Mittag machten wir die Leinen los und ließen uns von einem gemütlichen Westwind mit Stärke 4 in Richtung Heiligenhafen treiben. Schwere Regenwolken trieben schneller als wir — uns schwante Übles.

Aber irgendwie schaffte es Kapitän Valentin, uns vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Oder war es nur ein Beweis für die nordische Weisheit, dass es hier täglich sechs verschiedene Wetter gibt und man nur eine Stunde warten muss?

Wie auch immer — am späten Nachmittag schien die Sonne, der Himmel war überwiegend blau, und bei ganz leichter Dünung trödelte das Schiff seinem Ziel entgegen.

Die Artemis ist 1926 als Walfänger gebaut worden und die Atmosphäre auf so einem lebendigen Museum ist unbeschreiblich. Mit weniger Komfort, aber im Prinzip derselben Technik sind Columbus, Darwin oder Magellan gesegelt. Stefan Zweigs Biographie über Magellan bekommt eine ganz andere Tiefe, wenn man sie an Bord liest — oder Melvilles Moby Dick. Was man bei diesen Büchern nicht vergessen darf: sie wurden für Erwachsene geschrieben, nicht für Kinder, und man erlebt manche Überraschung, wenn man sie noch einmal zur Hand nimmt.

Bei konstantem Wind und ruhiger See fiel wenig Arbeit auf Deck an, und so genossen wir Sonne und Plaudereien in wechselnden Besetzungen während in der Kombüse fleißig für 19 Gäste und 7 Crewmitglieder gekocht wurde und wir uns schon am Nachmittag auf das Abendessen freuten.

Und ja: Timmy, den Wal, haben wir nicht überfahren. Auch wenn es vielleicht so aussieht.

Im Hafen von Heiligenhafen parkte unser Skipper mit Bravour rückwärts ein.

Danach vertraten wir uns noch die Füße in der Stadt. Es hatte den Anschein, als ob alle vor dem Fernseher saßen. Ein ganz anderes Bild als in Italien in den letzten Wochen, wo die Menschen abends durch die Straßen spazierten oder im Park Karten und Schach spielten. Das kann nicht allein am Wetter liegen, denn die Temperaturen waren im März und April dieselben.

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