23.04.2026 Triest

Den Vormittag verbrachte ich damit, die Weiterreise zu organisieren. Die Interrail-App ist praktisch, aber seltsam lückenhaft. Nicht alle Verbindungen werden angezeigt, was sich meist durch einen Blick in Google Maps beheben lässt. Ärgerlicher ist, dass manche Strecken eine separate Sitzplatzreservierung erfordern, die man entweder am Schalter, was Schlangestehen bedeutet, oder über die umständlichen Portale der nationalen Bahngesellschaften bucht. Es wäre wünschenswert, wenn man bereits beim Kauf des Interrail-Tickets darauf hingewiesen würde.

Gegen Mittag brach ich Richtung Winckelmann-Museum auf. In der Innenstadt aß ich mit Sonnenschein und einem zufälligen Tischnachbarn, einem österreichischen Produzenten der WDR-Sendung „Wunderschön!“, der auf Locationsuche in Triest und im Friaul war. Er war überrascht, wie sehr die Architektur des 19. Jahrhunderts an Wien erinnert. Kein Wunder, denn Triest gehörte rund 536 Jahre bis 1918 zum Herrschaftsbereich der Habsburger. Das Friaul, das er mir beschrieb, kenne ich noch nicht, und das ist ein Grund, es demnächst zu besuchen.

Das Museum zeigt archäologische Funde aus den Karsthöhlen der Umgebung, sorgfältig kuratiert, leider nur auf Italienisch beschriftet. Im angeschlossenen Park stehen größere Artefakte unter alten Bäumen, ein stiller, herrlicher Ort.

Winckelmann selbst ruht hier nur symbolisch. Das Mausoleum im Park ist ein Kenotaph, ein Ehrengrabmal. Bestattet wurde er in der nahen Kathedrale, doch bei späteren Umbettungen wurden seine Gebeine mit anderen vermengt und sind heute nicht mehr eindeutig zuzuordnen. Etwas Tragisches haftet dem an, denn auch im Leben hatte er keinen festen Ort.

Das Relief am Sockel zeigt Winckelmann als Philosoph in der Toga, eine Fackel in der Hand, die er auf Artefakte richtet, um sie den personifizierten Künsten vorzustellen, nämlich Malerei, Bildhauerei, Architektur, Geschichte, Kritik, Philosophie und, sitzend, die Archäologie. Ein schönes Bild für jemanden, der das Sehen selbst zum Programm gemacht hat.

Am frühen Abend saß ich auf einem verkehrsberuhigten Platz, Aperitivo, Straßenmusik. Im Park vor dem Bahnhof wacht eine Statue der Kaiserin Sissi, die der Filmfigur auffallend ähnlich sieht. Unter ihren Augen wurde am Vorabend Essen von der Tafel ausgegeben. Die Habsburger sind in Triest nie ganz weggegangen.

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