20.03.2026 Acireale – Ätna – Teatro Massimo Bellini

Heute wurden mir quasi zwei Sonnenaufgänge gegönnt!

„Der Berg ruft“ heißt ein Film von 1930, in dem Louis Trenker das Matterhorn besteigt. Um den Film zu sehen, einfach hier klicken!

Ich hörte ebenfalls so einen Ruf. Mich ruft die Dame Ätna, nicht zu verwechseln mit der unvergesslichen Dame Edna. Zur Erinnerung für die älteren und zur Vorstellung für die jüngeren Leser: hier ein kurzes Video von Dame Edna.

Wer sich über die Anrede „Dame Ätna“ wundert: La Etna gilt im Sizilianischen als weiblich, und das hat gute Gründe. Vulkane bringen neues Land hervor, nähren Böden und können gleichzeitig vernichten. Diese Doppelrolle wurde in vielen Mythologien als weibliches Prinzip verstanden. Das gilt wohl auch für das Launenhafte. Auf Hawaii, Island und Costa Rica habe ich verschiedenen dieser Damen die Aufwartung gemacht. 1996 brachte ich Pelehonuamea, die im Kilauea auf Big Island wohnt, meine Gaben dar.

Als ich das Haus verließ, schien die Sonne. Die Fahrt zum 17 km entfernten Silvestri-Krater, einem kleineren Krater auf etwa 1.900 m Höhe, dauerte fast eine Stunde. Die vielen Serpentinen haben eine durchschnittliche Steigung von 11,7 %. Ungefähr auf der Hälfte des Weges fuhr ich direkt in die Wolken hinein, die die Sicht auf das Haupt der Ätna verdeckten. Die Fahrt ging an alten Lavaströmen vorbei, vorbei auch an abgestorbenen Wäldern. Die Landschaft hat etwas Mondhaftes.

An dem 1892 entstandenen Silvestri-Krater befindet sich das Zentrum für Wanderungen und Skitouren, mit Gondelbahn und Sesselliften. Der Schnee lag meterhoch und machte bei vier Grad auch keine großen Anstalten zu schmelzen.

„Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos“, sang Reinhard Mey. Vor strahlend blauem Himmel erhob sich die Ätna in ihrer ganzen Pracht. Heute rauchte sie nicht. Sie ruhte, schwieg. Und doch liegt eine besondere Energie in der Luft, ein Hauch von Schöpfung und Ewigkeit. Lange kann man sich aber bei diesen Gedanken nicht aufhalten, weil es einfach zu kalt ist.

Auf der Rückfahrt traf ich Erika zum späten Mittagessen und Plaudern. Später holte ich Jochen ab, um mit ihm ein Konzert im Teatro Massimo Bellini zu besuchen. Zuvor aßen wir zu Abend im „A Putia Dell’Ostello“ in der Nähe des Castello Ursino.

Das Besondere an diesem Lokal ist, dass unter seinen Fundamenten der Fluss Amenano fließt, der einst offen durch Catania floss. Nach dem Ätna-Ausbruch von 1669 und dem großen Erdbeben von 1693 wurde er von Lava und Trümmerschichten überdeckt und fließt seitdem unterirdisch durch die Altstadt. An wenigen Stellen tritt er wieder ans Licht, so am Fontana dell’Amenano neben dem Fischmarkt.

Das Konzert war wunderbar, das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine besondere Überraschung erlebten wir während Beethovens Pastorale. Viele Schülerinnen und Schüler im Publikum, und auch ich, wurden zusätzlich durch die Bilder unterhalten, die auf die Wand hinter dem Orchester projiziert wurden.

Mir gefiel diese Idee, weil sie tatsächlich funktionierte. Die jungen Menschen, die gewohnt sind, ständig wechselnde Bilder zu sehen, fanden hier einen ruhigen Gegenpol. Der langsame Bildwechsel sammelte ihre Aufmerksamkeit, statt sie zu zerstreuen.

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