

Heute steht als Erstes die Organisation der Fahrt von Palermo Centrale nach Catania Centrale an. Das Ticket werde ich wohl noch einmal bar bezahlen, um mir einen weiteren Reisetag für einen möglichen Umweg auf der Rückfahrt aufzusparen. In Catania möchte ich spätestens um 15:00 Uhr ankommen, denn ab dann steht mein Mietwagen bereit.


Ich gehe die zwanzig Minuten über die belebte Einkaufsstraße Via Maqueda zum Busbahnhof und erkundige mich vorher noch nach der Busverbindung nach Catania. Stündlich fahren klimatisierte Doppeldeckerbusse für 14 Euro nach Catania Centrale. Mit etwas Glück sitze ich oben und kann noch mehr von der Landschaft sehen.
Im Bahnhof nebenan erfahre ich, dass die Bahnstrecke zwischen Catania und Messina seit dem 07.03.2026 wieder befahrbar ist. Die Schäden des Zyklons Harry vom 20.01.2026 sind behoben.
Die Bilder aus Niscemi, rund 100 km von Catania entfernt, gingen um die Welt: Durch den schweren Regen löste sich der bergige, aber nicht felsige Untergrund, und Teile des Dorfes rutschten in die Tiefe. Spektakuläre Bilder, als die Häuser abstürzten – aber bei allem Respekt sind es Einzelschicksale.
Wenn jedoch ganze Küstenabschnitte und damit ganze Kommunen schwer geschädigt werden und in unseren Nachrichten kaum vorkommen, stimmt etwas mit der journalistischen Informationspolitik nicht. Die Schäden sollen über eine Milliarde Euro betragen. In Deutschland hat man davon kaum etwas gehört. Weil diese Zerstörungen offensichtlich durch den Klimawandel begünstigt werden und wir Europäer beim Wiederaufbau mittragen müssen, wäre eine angemessene Berichterstattung notwendig. Dieser Artikel und seine Bilder (bitte anklicken) zeigen das Ausmaß.
Ich fahre nach Acireale, weil Claudia mir versichert hat, dass die Unterkunft nicht für Notfälle benötigt wird. Auf Fotos habe ich gesehen, dass nur wenige Meter vom Haus entfernt ein Teil des Fußwegs vom Meer weggerissen wurde. Mehr dazu, wenn ich vor Ort bin.

In der Nähe des Bahnhofs mache ich eine wunderbare Entdeckung. Beim letzten Besuch hatte ich wohl alle Sehenswürdigkeiten abgehakt – dieses Mal lasse ich mich einfach treiben. Und die lukullischen Winde wehen mich zum Mercato di Ballarò.

Der größte Markt der Stadt, im Viertel La Kalsa, soll über 1.000 Jahre alt sein. Ein lebhafter Bienenstock, vielleicht einer der besten Orte, um in die lokale Kultur Palermos einzutauchen. Ein beliebter Halt bei Streetfood-Touren: gebratene Kichererbsenpasteten, Kartoffelkroketten, die lokale Pizza, unzählige Variationen von Meeres-Tapas. Und natürlich Obst und Gemüse – frisch, farbig, herrlich anzusehen.

Die Auswahl ist riesig groß….




Um zehn Uhr esse ich einen Teller gemischter Frutti di Mare und bleibe lange sitzen, um das pulsierende Marktleben wie eine kleine Göttliche Komödie zu betrachten. Nach einem längeren ziellosen Spaziergang kehre ich für einen zweiten Teller zurück. Zum Nachtisch gibt es meine erste sizilianische Cannoli mit Pistazien.
AAuf dem Markt kommt lautstarke Musik vom Band, und sowohl Händler als auch Einkäufer machen mit. In den Fußgängerzonen singen viele mit erstaunlichem Talent.
Gegen vier gehe ich in meine Unterkunft für eine kleine Pennichella. Danach genieße ich den späten Nachmittag auf der Terrasse meines Zimmers. Dann wird es Zeit, wieder auf die Gasse zu gehen – für den Aperitivo.
Erwähnt sei noch die Begegnung mit einem polnischen Ehepaar aus Krakau. Es war schön zu spüren, dass sie – wie ich – an die Idee Europas glauben. Beeindruckt hat mich auch, dass er im Rollstuhl reist, ganz nach dem Motto: nicht jammern – sondern machen, was geht. Oder eben: was rollt.

Kurzer kulinarischer Exkurs:
Arancini sind knusprige, goldene Reiskegel, gefüllt mit Ragù, Erbsen, Spinat, Champignons und geschmolzenem Käse. Warm in der Hand, duftend nach Straße, Meer und Mittagshitze. Am besten mit einer Granita messinese, einer cremig‑eisigen Mischung aus Wasser, Zucker und frischer Frucht. Leicht, duftend, fast schmelzend. Ein perfektes, kleines Mittagessen.
Im Café bestelle ich gern am Nachmittag Cannoli, zarte, frittierte Teigröllchen, frisch gefüllt mit süßer Ricotta-Creme. Außen knusprig, innen weich – ein anderer kleiner, süßer Sizilien‑Moment.
Die Dame macht jetzt Feierabend – wie ich auch. Buona Notte.

Wer mehr von Palermo sehen möchte, kann in meinem Tagebuch vom 03.03.2023 und 04.03.2023 blättern. Während meines ersten Besuchs habe ich an diesen beiden Tagen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erkundet.
Nach dem verstörenden Zwergenaufstand von gestern möchte ich den Blick heute auf eine stillere, fast meditative Installation von Nam June Peik aus dem Jahr 1974 richten.
