27.04.2026 Wien

Heute Vormittag fuhr ich mit dem HipHop Bus 😉 auf der Grünen Linie raus nach Grinzing. Es ist nicht die Zeit des Heurigen, dem ersten frischen Wein, aber ich wollte den vielbesungenen Ort einmal ansehen. Die sehr gepflegten Immobilien des kleinen Dorfes in der Nähe der Großstadt haben so einen noblen Charme, wie ihn Blankenese hat.

Im herrlichen Garten des Rudolfshofs, in dem schon Beethoven seinen Schoppen Wein trank, nahm ich Platz. Quark heißt in Österreich Topfen und macht als Strudelfüllung aus einem Strudelteig einen leckeren Topfenstrudel. Damit war die Grundlage für ein Achtel Grünen Veltliner zur Erfrischung gelegt, denn es war mittlerweile sehr warm geworden.

Friedensreich Hundertwasser hat in Wien gelebt und auch einige Gebäude gestaltet, wie dieses zum Beispiel. Ähnliches kann man auch in Magdeburg sehen, in Uelzen, wo er den Bahnhof gestaltete, oder in Hamburg-Ottensen, wo sein letztes deutsches Projekt, das Stadtcafé, entstand. Ich mag diese lustigen, geradezu barocken Fassaden mit den verspielten Türmchen.

Im Wiener Stadtteil Heiligenstadt sah ich viele Gebäude des sozialen Wohnungsbaus, mit dem Wien der drängenden Wohnungsnot Herr wurde. Die Geschichte beginnt bereits nach dem Ersten Weltkrieg. Im sogenannten Roten Wien, das von 1919 bis 1934 von der Sozialdemokratie regiert wurde, entstanden die berühmten Gemeindebauten — monumentale Wohnblöcke wie der nahe Karl-Marx-Hof — als Projekt einer politisch gewollten gerechten Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde weitergebaut. Diese Wohnungen sind bis heute im Bestand der Stadt und zu günstigen Mieten am Markt. Hamburg hat seinerzeit die Sozialwohnungen verkauft und muss nun hohe Mietzuschüsse zahlen für die, die sich die marktüblichen Mieten nicht leisten können.

In der Albertina sah ich mir die Ausstellung „Monet bis Picasso“ aus der Sammlung Batliner an. Eine großartige Sammlung, bei der man sich fragt, wie man als Rechtsanwalt so viel Geld verdienen kann, um seit den 1960er Jahren so viele Meisterwerke zu kaufen. Die Antwort ist pikant, denn Batliner war liechtensteinischer Finanztreuhänder und half Millionären, ihr Geld am Fiskus vorbeizuschleusen. Die deutsche Staatsanwaltschaft sah das erwartungsgemäß anders. Man einigte sich aber schließlich gegen eine Geldauflage mit ihm. Was bleibt, hängt nun in einem der schönsten Museen der Welt.

Vielleicht hätte Batliner beim Wal mehr Erfolg gehabt — er kannte sich ja mit dem Vorbeischleusen aus. Bei einem Bier auf einem Gartenstuhl am „Stadtstrand“ sah ich zu, wie man den Wal im Bassin wieder flott machte – mit der Luftpumpe.

Hätte ich ein Budget wie Herr Batliner, hätte ich Amedeo Modiglianis „Jeune femme en chemise“ und Picassos „Villa La Galloise“ ohne Zögern mitgenommen.

Vielleicht hätte Batliner beim Wal mehr Erfolg gehabt — er kannte sich ja mit dem Vorbeischleusen aus. Bei einem Bier auf einem Gartenstuhl am „Stadtstrand“ sah ich zu, wie man den Wal im Bassin wieder flott machte – mit der Luftpumpe.

Vor der geschlossenen Nationalbibliothek begegnete ich einer Dame, die ebenso wie ich enttäuscht war, dass wir keinen Zutritt bekamen. Wir kamen ins Gespräch und tranken unweit der Bibliothek einen Kaffee zusammen. Sie machte mich darauf aufmerksam, dass gegenüber des Cafés das Museum für historische Globen liegt und außerdem ein Museum für Esperanto. Das interessierte mich sofort, denn Dr. Lippmann war ein ausgewiesener Esperanto‑Experte, und die Möglichkeit, mehr über Esperanto zu erfahren, wollte ich nutzen. Leider hatten auch diese beiden Museen am Montag geschlossen, sodass ich nur auf das elektronische Archiv zurückgreifen konnte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie Menschen in mein Leben treten und – wenn man sie als Lehrer betrachtet – wie viel sie einem beibringen können oder worauf sie einen aufmerksam machen.

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