
Im Schiffercafé Kiel am Tiessenkai 9–10, quasi gegenüber dem Liegeplatz der Artemis. Das Schiff war eben erst aus Hamburg vom Hafengeburtstag angekommen, und die Mannschaft bereitete die Kajüten für uns vor.
Im Schiffercafé aß ich eine der besten Fischsuppen meines Lebens. Nach einem kleinen Spaziergang zum Alten Leuchtturm und einem großen Stück Kuchen war es dann auch bald soweit, dass wir an Bord gehen konnten. Anhand des Gepäcks war schnell zu erkennen gewesen, welche der Cafégäste zu den Mitseglern gehören.

Die Kajüten waren schnell bezogen, und die gesamte Besatzung empfing die Gäste auf dem Oberdeck. Valentin, unseren Kapitän, kannte ich von meiner Fahrt von Schottland nach Rostock. Er erklärte uns die Route, die er aufgrund der vorherrschenden Windrichtung der nächsten Tage geplant hatte. Das erste Ziel sollte Marstal auf Ærø sein.
Das freute mich sehr, denn ich war dort noch nie gewesen — obwohl ich einen besonderen Bezug zu Marstal habe. Marstal ist der Heimathafen der Neptun, mit der ich über den Pazifik segeln wollte. Wenn ich gestern noch dachte, dass dieser Törn der Abschluss der Krankengeschichte ist, dann denke ich heute, dass der Besuch von Marstal das Siegel darauf ist.



Bei ziemlich ruhiger See segelten wir aus der Kieler Förde Richtung Norden. Es gab die obligatorische Sicherheitseinweisung und für die Wagemutigeren die Gelegenheit, in die Wanten zu steigen. Alle anderen fanden sich in kleinen Grüppchen auf Deck zusammen und genossen die frische Brise in ihren warmen Funktionskleidungen. Die gefühlte Temperatur lag bei nur 7 Grad. Wir hatten aber Glück — die Wolken behielten ihren Regen bei

Sehr willkommen war das Läuten der Glocke, die zu den Mahlzeiten rief. In der geräumigen Messe aßen wir leckere Speisen, die in einer winzigen Kombüse gezaubert wurden.

Nach dem Anlegen spazierten wir durch Marstal und hatten den Eindruck, das Dorf sei menschenleer. Umso überraschter waren wir, als wir offenbar alle Einheimischen im SuperBrugsen, dem lokalen Supermarkt antrafen, dem zentralen Lebensmittelgeschäft, wo sie in Chatgruppen zusammenstanden.

Der Abend in der Messe war recht lang. Man unterhielt sich über vergangene oder zukünftige Reisen, berufliche und ehrenamtliche Tätigkeiten. So erfuhren wir einiges über die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren — die eben nicht nur Dorffeste organisieren, sondern den wesentlichen Bestandteil des deutschen Feuerschutzes darstellen. Das war mir in diesem Ausmaß nicht bewusst: In Deutschland gibt es 23.760 Freiwillige Feuerwehren — und gerade einmal 114 Berufsfeuerwehren. Von insgesamt rund 1,46 Millionen Feuerwehrangehörigen sind über eine Million ehrenamtlich aktiv. Das bedeutet: Rund 96 Prozent aller Einsatzkräfte löschen Brände, retten Leben und leisten technische Hilfe — ohne Gehalt, in ihrer Freizeit. Berufsfeuerwehren gibt es nur dort, wo es das Landesrecht vorschreibt, also in Städten ab einer bestimmten Größe. Den Rest hält das Ehrenamt zusammen.
