22.03.2026 Acireale – Sechs Männer und das Meer

ich habe gestern „Der Fluss der Zeit“ von Pascal Mercier als Hörbuch gehört, während ich am Meer saß und auf die Wellen sah. Sein Roman „Im Nachtzug nach Lissabon“ hatte mich 2016 inspiriert, Lissabon zu besuchen und eine Rundreise durch Portugal zu machen. Eine wunderschöne Stadt in einem schönen Land. Es ist Sonntag und das Wetter ist unentschlossen wie ich. 

Ich sitze zeitweise auf dem kleinen Balkon, wenn sich die Sonne wieder hinter Wolken versteckt, schließe ich die Türen und höre mit großer Anteilnahme die fünf Kurzgeschichten. Und das Meer. Fünf Männer, alle nicht mehr ganz jung, stehen an Wendepunkten, die mit Abschied, Verlust, Veränderung verbunden sind, weil im Rückblick sowohl der Stillstand als auch der Fluss der Zeit zur schmerzhaften Erkenntnis des Vergänglichen führt. 

Weil alle Flüsse im Meer enden, kommt es mir vielleicht so vor, als ob ich diese Männer kenne. Kein Wunder, denn wir alle schwimmen im Meer der Zeit.

„Ich-Du“ beschreibt nach Martin Buber das Verhältnis zwischen zwei Menschen, das „Ich-Es“ das zur Welt, zu allem, was sich nicht wirklich begegnen lässt. Weil diese Geschichten mir irgendwie vertraut vorkommen, ermöglichen sie den Blick auf mein Leben, als ob es eine Geschichte wäre. Zwischen den Geschichten höre ich eine Weile zu wie die Zeit verstreicht, Welle um Welle.

Beim Hören dieser Geschichte schaltet man unwillkürlich um, in einen Ich-Es-Modus, wobei das eigene Leben zum „Es“ wird, und das macht diese Geschichten so ergreifend, zuweilen erschütternd. Das Buch ist nur insofern ein unterhaltsames, weil es die Unterhaltung mit einem Selbst veranlasst.

Im Meer der Zeit

Wellen wie Geschichten brechen

Alles fließt…

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