18.03.2026 · Acireale und Gardini Naxos

Dunkle Regenwolken verdeckten den Sonnenaufgang und verhießen weiteren Regen, über den sich die Zitronen freuen. Und wenn das Leben dir Zitronen bietet, mache Limonade daraus! Denn sauer macht lustig!

Beim Frühstück mit einem größeren Stück Marmorkuchen, den Erika mir gebacken hatte, lese ich das letzte Kapitel von Karl Jaspers „Die maßgebenden Menschen – Sokrates, Buddha, Konfuzius, Jesus“. Er untersucht diese vier Gestalten als einzigartige historische Persönlichkeiten, deren philosophische Bedeutung und geistiger Einfluss über Jahrtausende anhält. Auch wenn man zögern möchte, sie Philosophen zu nennen, haben sie für alle Philosophen eine außerordentliche Bedeutung gehabt. Obwohl das Buch nur 176 Seiten hat, habe ich ziemlich lange darin gelesen – weil es interessant war, Karl Jaspers Gedanken nachzudenken.

Nun habe ich begonnen „Emmanuel Levinas – zur Einführung“ von Werner Stegmaier zu lesen, um für das nächste Semester vorbereitet zu sein.

Emmanuel Levinas – geprägt durch den Holocaust – fragt nach unserer ethischen Verantwortung angesichts der Schutzlosigkeit des Anderen. Bei Buber, dem ich mich seit Langem verbunden fühle, entsteht im echten Gespräch etwas Eigenes: ein Raum des Zwischen, der weder mir noch dem anderen gehört. Levinas geht noch einen Schritt weiter – oder eigentlich einen Schritt zurück, hinter den Dialog: Schon bevor ich spreche, ruft mich das Antlitz des Anderen in die Pflicht. Und diese Verpflichtung ist keine gegenseitige: Ich bin dem Anderen verpflichtet, ohne dass er mir dasselbe schuldet.

Das ist eine philosophische Forderung, die sicherlich nur wie der Nordstern Orientierung geben soll – aber wie lässt sie sich in die Praxis übersetzen? In Beziehungen, in politischen und sozialen Zusammenhängen? Ich bin gespannt, wie die Antworten ausfallen.

Am Nachmittag hört es auf zu regnen und ich fahre nach Giardini Naxos, das zu Füßen von Taormina am Ionischen Meer liegt. Die vielen kleinen Restaurants am Strand weisen schwere Sturmschäden auf – Spuren des Zyklons Harry, der im Januar die Küste verwüstet hatte.

Die Nike di Kalkis, das Wahrzeichen des Ortes, suche ich zunächst vergebens: Die Belvedere-Terrasse, auf der sie thronte, ist vollständig weggespült worden. Dann sehe ich sie doch noch – die Siegesgöttin steht noch, unbeirrt und aufrecht, dem Meer zugewandt, die Flügel in den Seewind gereckt, während um sie herum nur noch Trümmer liegen. Im Januar war dieses Bild in ganz Italien viral gegangen: Symbol des Widerstands einer ganzen Küstengemeinschaft. Überall wird fleißig gehämmert und geschraubt, um zu Ostern die ersten Gäste zu empfangen. Der Wirt eines Lokals begrüßte mich so freudig wie ein Bauer die erste Schwalbe, die den Frühling verkündet.

Foto von Palermo Live

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