

Heute geht es mir viel besser und ich konnte den Koffer ins Auto wuchten. Die Fahrt zur Mietwagenrückgabestelle in Catania war ein Horrortrip. Neun mehrspurige Zubringerstraßen nach Catania wurden in einem neuralgischen Punkt auf eine Spur zusammengeführt, um Platz für Straßenarbeiten zu machen. Im Schritttempo kamen wir vorwärts. Wirklich erstaunlich ist, wie diszipliniert die italienischen Fahrer das Reißverschlussverfahren ohne Aggression und Einsatz von Hupen meisterhaft beherrschen. So rücksichtsvoll gehen sie allerdings nicht mit Autofahrern um, die an der Straße ein- oder ausparken.
Die Fahrt dauerte sehr viel länger als geplant und wurde zunehmend unangenehmer, weil der frühe Morgenkaffee sich bemerkbar machte.
Die Rückgabe des Autos war unkompliziert und schnell, sodass ich zehn Minuten später den Koffer hinter mir herzog und auf dem Weg zum Bahnhof war. Für 9,70 € fuhr ich mit dem Regionalzug nach Messina. Die Fahrt dauerte gut zwei Stunden.
Keine 300 m vom Bahnhof das B&B, das leider keinen Blick auf den Hafen ermöglichte, obwohl es vis-à-vis von der Fähre nach Villa San Giovanni liegt. Das ist äußerst praktisch, weil ich morgen früh nur einen kurzen Weg bis zur Fähre habe.


Bei 25 Grad und Sonnenschein machte ich mich auf den Weg, die „Altstadt“ von Messina zu erkunden. Als erstes fiel mir die im Hafen liegende, riesige „Viking Jupiter“ auf. Ich sah manche Kreuzfahrer auf ihren Balkonen sitzen und von dort aus Sizilien „kennenlernen“. Nicht so Shawn und Grace, zwei US-Amerikanerinnen vom Kreuzfahrtschiff, die auf eigene Faust in der Stadt auf Entdeckungstour waren. Wir gingen ein längeres Stück zusammen und wären vielleicht auch noch auf einen Espresso in ein Café eingekehrt, wenn sie nicht bis 16 Uhr wieder an Bord sein müssten. Ich flanierte weiter durch die Stadt, in der es erstaunlich viele uralte Ficus- und Gummibäume gab, die vielleicht schon vor dem Erdbeben dastanden und sammelte Eindrücke.

Anders als andere sizilianische Städte ist Messina eine junge Stadt. 1908 war die Stadt von einem schweren Erdbeben völlig zerstört worden. Das Erdbeben kostete mindestens 80.000 Menschen das Leben, viele Historiker schätzen die Opferzahl deutlich höher. Beim Wiederaufbau baute man Häuser nur mit zwei bis drei Obergeschossen, weil das als erdbebensicher galt. Ich lief auf breiten, modern wirkenden Bürgersteigen an breiten Straßen entlang bis zu einer Fußgängerzone, die aber ziemlich menschenleer war. Alles machte einen gepflegten Eindruck und die Geschäfte boten Waren an, die hochpreisiger waren als die, die ich in Catania gesehen habe.

Später traf ich mit Sergio, den ich vor drei Jahren beim Karneval von Acireale kennengelernt habe. Er zeigte mir den Dom der Stadt mit der größten astronomischen Uhr mit Glockenspiel der Welt. Von einer höherliegenden Terrasse einer Kirche konnten wir die Straße von Messina gut und den Verlauf der Küste bis zum Pilone di Torre Faro überblicken.



Auf dem Weg dorthin fuhren wir am Lago di Ganzirri vorbei, der mich an meine Alster erinnerte. Das Tolle an so einer Stadtrundfahrt mit einem Einheimischen ist, dass er auch weiß, wo man die beste Focaccia und die beste Granita bekommt. Ich habe mich sehr gefreut Sergio wiederzusehen und dass er sich so viel Zeit genommen hat, mir die Stadt zu zeigen, die nämlich sehr viel mehr zu bieten hat, als ich bei meinem ersten kurzen Besuch habe erkennen können. Ich freu mich, ihn im nächsten Jahr wiederzusehen.

