
Die letzten beiden Zitronen meiner Gastgeber zeigen an, dass meine Zeit des „Il dolce far niente“, des süßen Nichtstuns, zu Ende geht. Die Säure der Zitronen lenkt von der Bitternis des Abschieds ab. Eine gewisse Melancholie in Form von Heimweh nach Acireale, nach Sizilien, macht sich bemerkbar und wird mich durchs Jahr begleiten.

Der wolkenlose Himmel versprach klare Sicht auf L’Etna. Die Fahrt nach Taormina war herrlich. Durch die offenen Autofenster wehte ein warmer Wind, und aus den Lautsprechern des Wagens klang Musik von Josh Turner, die man in dieser Umgebung wunderbar hören kann. Ansonsten höre ich Vivaldi und Albinoni.

Ich vermied die schnelle, mautpflichtige Autobahn, um gelegentlich Fotos machen zu können. Im Zentrum der kleinen Städte gibt es prächtige Bauten aus besseren Zeiten, alte Häuser, die hübsch sind, aber vom Zahn der Zeit ziemlich angefressen, und moderne, seelenlose Gebäude mit großen Balkons, deren verschlossene Fensterläden darauf hinweisen, dass sie nur als Ferienwohnungen genutzt werden. Menschen sah ich kaum.

Das ist ganz anders in Taormina bei schönem Wetter. Ich war früh am Vormittag angekommen und konnte ungehindert zum Teatro Antico di Taormina gehen. Wenige Stunden später war das anders.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. bauten die Griechen das Theater, die Römer erweiterten es später. Der Ätna ist Teil der Bühne und der Inszenierung, genauso wie der Blick zum Horizont des Ionischen Meeres. Wenn man das Theater betritt, ist man zunächst überrascht, wie groß es ist, überwältigt von diesem einmaligen Ausblick auf Kultur und Natur und dann fasziniert von dem Gedanken, dass genau auf diesem Sitz, auf dem ich saß, schon vor 2.300 Jahren Menschen saßen und sich an der Ästhetik erfreuten. Aus einem der höchsten Krater entließ L’Etna ein weißes Band von Rauch in den blauen Himmel. Die weißen Schneefelder strahlten; an manchen Stellen glänzten und funkelten sie im hellen Sonnenlicht.


Auf dem nächsten Foto ist in der Mitte des Bildes, der Strand von Giardini Naxos zu sehen.


Zu Mittag aß ich in Ruhe in dem kleinen Lokal oberhalb des kleineren Teatros von Taormina.

Mit der Ruhe hatte es ein jähes Ende, als ich mich auf den Rückweg zum Parkhaus machte. Ich musste mich durch achtzehn Gruppen von Kreuzfahrern drängeln, die sich wie eine fette, menschliche Raupe Nimmersatt durch die enge Hauptstraße schoben, angeführt von Reiseführern, die in drei Sprachen ihre Gruppen anfeuerten, schneller zu gehen, Fotos zu machen, kein Eis zu kaufen, weil man es sonst nicht zum Teatro schaffen und damit das Programm nicht einhalten würde. Belustigt und entsetzt habe ich mir diese Prozession angesehen, die dabei vorgab, italienische Kultur und Italien kennenzulernen.



Am Strand von Giardini Naxos waren die Reparaturarbeiten an den verschiedenen Lidos gut vorangekommen. An einem sonnten sich schon die ersten Gäste auf den Liegen und genossen die Ruhe und den Blick auf Taormina.


Und ich ein Eis.