
Extinction Project
In einer nahen Zukunft ist die menschliche Spezies ausgestorben. In einer fernen Galaxie fängt eine außerirdische Zivilisation alte digitale Botschaften vom Planeten Erde ab und versucht, die Geschichte seiner früheren Bewohner zu rekonstruieren. Die Daten sind jedoch stark beschädigt und bestehen aus fragmentierten und unvollständigen Bildern und Texten. Angesichts dieses lückenhaften Archivs stehen die Außerirdischen – Archäologen und Wissenschaftler – sofort vor grundlegenden Fragen: Wie ist die menschliche Spezies ausgestorben? Welche Bedeutung hatten diese Idole? Welches Ereignis führte zum Ende des Planeten?
Max Papeschi spielt erneut mit der verschwommenen Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion. Um die Geschichte der Menschheit zu erzählen, nimmt Papeschi einen externen, „außerirdischen“ Blickwinkel ein und erzeugt eine groß angelegte Karikatur der menschlichen Spezies. Indem er die Daten bewusst als unvollständig präsentiert, schafft er einen „Lost in Translation“-Effekt, der die Menschheitsgeschichte in einem unerwarteten Ton rekonstruiert. In diesem Kurzschluss zwischen Realität und Fiktion legt das Werk den hartnäckigen, inhärenten Drang der Menschheit zur Selbstzerstörung offen.

Zwergen Dämmerung
Zwergen Dämmerung, wörtlich „die Dämmerung der Zwerge“, verdichtet den aktuellen historischen Moment um zwei Hauptthemen: die Bedrohung durch Krieg und die Verarmung der Kultur. Dargestellt wird dies durch eine Armee von 47 Statuen, jeweils 1,80 Meter hoch, deren Körper den stolzen Terrakotta-Kriegern von Xi’an entsprechen, während ihre Köpfe die von gewöhnlichen Gartenzwergen sind.
Dass die erste archäologische Entdeckung einer außerirdischen Spezies eine Armee ist, ist bezeichnend und spricht von einer Zivilisation im dauerhaften Konflikt. Die aktuellen Ereignisse widerlegen nicht nur die Theorien von Francis Fukuyama und seine Idee vom „Ende der Geschichte“, sondern werfen auch den langen Schatten des Gespensts eines Dritten Weltkriegs über unseren Planeten. Diese antithetischen Karyatiden, in denen das „Hohe“ und das „Niedrige“ unauflöslich vermischt sind, erinnern zudem an eine andere Form der Zerstörung: die kulturelle Verarmung.
Full Metal Karma
Im Werk Full Metal Karma bringt der „Lost in Translation“-Prozess zwei ikonische und diametral entgegengesetzte Figuren des menschlichen Denkens zusammen: Buddha, den Begründer der östlichen Philosophie, der nach innerem Frieden strebt, um Erleuchtung zu erlangen, und Napoleon Bonaparte, das Sinnbild westlichen Denkens, das auf Handlung ausgerichtet ist und ein Kind der Epoche der Aufklärung ist.
Ausgehend von der grundlegenden Überkreuzung zwischen östlicher Erleuchtungsphilosophie und geistiger Aufklärung entsteht – nach Ansicht der Außerirdischen – die zentrale irdische Doktrin: das Streben nach innerem Frieden durch einen permanenten Kriegszustand. Eine der Hypothesen über das Massenaussterben der menschlichen Spezies lautet, dass sich die Menschen, Krieg um Krieg, gegenseitig ausgelöscht haben. Durch diese Installation werden die Betrachter dazu angeregt, über die Absurdität des Krieges nachzudenken, wobei mit symbolischen Anekdoten gespielt wird, die sich auf mehreren Bedeutungsebenen entfalten – mit Referenzen von Popkultur bis Essayistik.
2 + 2 = 5
Zusätzlich zu den beiden Ausstellungen umfasst das Projekt auch die Open-Air-Installation 2 + 2 = 5, die drei Sätze aus George Orwells Roman 1984 in den öffentlichen Raum von Palermo bringt:
War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. (Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.)
Diese Formeln, aus dem Roman herausgelöst und in das urbane Gefüge übertragen, funktionieren als Slogans, die sich perfekt in die Sprache der Gegenwart einfügen. Sie erscheinen nicht länger als dystopische Aussagen, sondern als plausible, beinahe vertraute Behauptungen. In diesem Bedeutungswandel knüpft die Intervention direkt an Extinction an: nicht Auslöschung als plötzliches Ereignis, sondern als langsamer kultureller und kognitiver Prozess. Eine fortschreitende Erosion der kritischen Fähigkeit, genährt durch Propaganda, Fake News und toxische Vereinfachungen, bis das Unakzeptable akzeptabel wird.





