Anders als in Turin, lieben sie hier Vespas & Co.


Gut ausgeschlafen sitze ich in der stillen Wohnküche, trinke meinen ersten doppelten Espresso – wie immer mit einem großen Schuss Wasser – und lade den Tagebucheintrag für gestern hoch. Ich bin gespannt, wie der von heute aussehen wird.
Die Wettervorhersage verspricht 15 Grad, keinen Niederschlag und nur mäßigen Wind. In der Nacht soll ein fast voller Mond über einer ruhigen See stehen. Um 23:59 werden die Leinen gelöst. Zwei Stunden vorher darf ich an Bord gehen und meine Kabine beziehen.
Noch bin ich unschlüssig, ob ich später ein Taxi nehme oder mit der Metro fahre. In beiden Fällen muss ich das Gepäck ein gutes Stück hinter mir herziehen. Der Abend wird zeigen, wie unternehmungslustig ich bin.
Das Apartment habe ich bis Samstag behalten – ein kleiner Luxus, der mir die Freiheit lässt, noch einen Mittagsschlaf einzulegen oder nicht mit dem Koffer durch die frühen Abendstraßen zu ziehen. Die Aufbewahrung im Büro der Verwaltung wäre nur bis zum späten Nachmittag möglich gewesen.

Jetzt aber liegt der Morgen vor mir, und ich kann unbeschwert nach einem Café suchen, das mich mit einem sonnigenen Tisch und einem guten Frühstück empfängt.
Bisher zahlte ich alles mit der Kreditkarte, die auf dem Handy gespeichert ist. Nur das Busticket für den 42er musste ich bar bezahlen – wie früher – und in einem Tabacchi kaufen. Von der Piazza Ferrari fahre ich ungefähr 20 Minuten lang zum „Blankenese“ von Genua, das Boccadasse heißt. Die Szenerie ist so kitschig wie pittoresk. Boccadasse ist einer dieser Orte, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint: ein paar bunte Häuser, ein kleiner Strand, das Klirren der Boote, der Duft von Focaccia und Meer.


In der windgeschützten Bucht steigt die Temperatur heute sogar auf 21 Grad. Da schmeckt das Corona 0% zum gemischten Salat gleich noch einmal so gut. Zu mir setzten sich zwei Kalifornierinnen, und natürlich kamen wir ins Gespräch über die Gang, die im Weißen Haus das Sagen hat. Wir konzentrierten uns aber bald wieder auf das Dolce Vita in Bella Italia.
SUV‘ sind denkbar ungünstig, wenn man italienische Dörfer besuchen will.

Zur besten Kaffeetrinkzeit fuhr ich zurück in die Stadt, bummelte ein letztes Mal durch die Altstadt und kaufte Kefir in Flaschen, Schokobrioche, Bananen und Clementinen als Bordproviant. In „meinem Lieblingspestoladen“ aß ich noch eine Kleinigkeit und beobachtete das bunte Treiben in der engen Gasse. Groß war die Überraschung, als ich zwei Bekannte aus Hamburg vor dem Schaufenster stehen sah. Sie sind mit dem Fahrrad nach Genua gekommen, um mit der Fähre nach Barcelona zu fahren. Von dort wollen sie zurück nach Hamburg radeln. Was für eine Reise! Ich freue mich auf das Wiedersehen und ihren Bericht.
Es ist nicht einfach, in der Altstadt einen Supermarkt zu finden. Oft haben sie nur einen schmalen Eingang und erstrecken sich dann weit ins Innere des Gebäudes. Zwischen den Säulen fühlt man sich dort fast wie ein König, der durch seine Hallen schreitet.

Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf packe ich meine Sachen zusammen, lege zum Schluss die Schlüssel auf den Küchentisch, ziehe die Tür hinter mir zu – und das Gepäck hinter mir her.
Der Weg zur Metro ist nur ein paar Hundert Meter weit, und es gibt einen Fahrstuhl. Die Fahrt ist kurz. Der Weg von der Metro zum Fährterminal soll laut Google nur 150 Meter betragen. Ich bin gespannt …