05.04.2026 Acireale

Ich war bei Erikas Familie zum Osteressen eingeladen. Mit dem Essen feierten Erika und ich auch gleichzeitig unser Wiedersehen und den Abschied für dieses Mal. Die Enkelin war aus Bergamo angereist, und Erika möchte verständlicherweise so viel Zeit mit ihr verbringen wie nur möglich.

Am Nachmittag habe ich über Ostern als das Fest der Auferstehung nachgedacht.

Ostern gilt als das Fest der Auferstehung. Doch was, wenn Auferstehung kein einmaliges Ereignis ist, sondern ein stiller, beständiger Vorgang, der jeden Tag in jedem lebenden Körper stattfindet? Das ist keine Metapher oder Metaphysik, sondern Biologie. Und diese Erneuerung wirft Fragen auf.

Der Körper stirbt und wird wiedergeboren. Die Auskleidung des Darms erneuert sich alle drei bis fünf Tage, die Haut in Wochen, rote Blutkörperchen in vier Monaten, Leberzellen in anderthalb Jahren, Knochen in einem Jahrzehnt. Innerhalb von zwölf Monaten erneuern sich vollständig alle Schleimhäute, Blutbestandteile und Hautschichten. Nur eine auffällige Ausnahme bleibt: das Gehirn. Die meisten Nervenzellen erneuern sich nicht. Man stirbt mit den Neuronen, mit denen man denken gelernt hat; sie bleiben ein Leben lang.

Der gesamte Körper stirbt also und wird gewissermaßen wiedergeboren. Doch während der Körper sich erneuert, bleibt etwas bestehen, das nicht ausgetauscht wird, und das ist das Erleben, das Bewusstsein. Das Bewusstsein, das Erfahrungen macht und speichert, ist dabei nicht allein ans Gehirn gebunden wie an einen festen Ort, sondern setzt sich fort wie das Wasser, das die Welle trägt – beständig unter wechselnden Formen.

Woher stammt das Bewusstsein? Sperma und Ei geben die Form. Sie sind wie die Welle, die aus dem Meer aufsteigt: vergänglich, einmalig in ihrer Gestalt, und doch weiß die Welle, dass sie Wasser ist. Die Form vergeht. Das Wasser bleibt. So stellt sich die eigentliche Frage: Woher stammt das Bewusstsein, das in dieser Form erwacht?

Die Naturwissenschaft erklärt, dass Bewusstsein aus der Komplexität des Gehirns entsteht. Doch das beschreibt nur den Zusammenhang, ohne ihn zu erklären. Selbst wenn jeder Nervenimpuls vollständig messbar und beschreibbar wäre, erklärt das nicht, warum wir uns und die Welt wahrnehmen und uns lebendig fühlen. Auch Energie ist nicht sichtbar, sondern nur in ihrer Wirkung erfahrbar – ähnlich wie Bewusstsein.

Die Forschung kann bisher nicht klären, ob Bewusstsein ein materielles Phänomen ist. Und doch ist es real, was nahelegt, dass es eine Form von Energie sein könnte. Die Physik erklärt, dass Materie und Energie im Universum nicht verloren gehen. Bewusstsein wäre dann nicht entstanden, sondern immer schon vorhanden gewesen – nur in wechselnden Formen organisiert, wie das Wasser, das manchmal Welle ist.

Dem lässt sich entgegenhalten, Bewusstsein sei nicht messbar. Doch die Kugelform der Erde war immer wahr, lange bevor irgendjemand sie beweisen konnte. Die Grenze des Messbaren ist nicht die Grenze des Wirklichen. Und schließlich: Die Physik fordert für Bewusstsein eine Erklärung seines Ursprungs, liefert sie aber für Materie und Energie selbst nicht. Der Urknall beschreibt, was sich entwickelte, nicht, woher es kam.

Mit dem Körper und dem Bewusstsein verhält es sich wie mit dem Huhn und dem Osterei: Wir sehen die Form, aber nicht den Ursprung.

Materie und Energie haben keinen nachweisbaren Ursprung und werden dennoch als grundlegend akzeptiert. Bewusstsein lässt sich mit gleichem Recht so betrachten. Vielleicht ist es nicht das Ergebnis der täglichen Erneuerung des Körpers, sondern ihr beständiger, kontinuierlicher Zeuge. Die Welle vergeht. Das Wasser ist beständig.

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